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Corona: "Nicht aus reiner Neugier testen lassen"

Der Chef des Dresdner Uniklinikums mahnt, die Testkapazitäten denen zu lassen, die Symptome zeigen. Wo Dresden bei der zweiten Welle aktuell steht.

Wer sich als Reiserückkehrer oder nach einer Party testen lassen will, kann dies tun - aber bitte nicht in der Corona-Ambulanz. Diese ist für Patienten mit Symptomen da, mahnt das Dresdner Uniklinikum.
Wer sich als Reiserückkehrer oder nach einer Party testen lassen will, kann dies tun - aber bitte nicht in der Corona-Ambulanz. Diese ist für Patienten mit Symptomen da, mahnt das Dresdner Uniklinikum. © Symbolfoto: Peter Steffen/dpa

Dresden. Dresden steht kurz vor dem nächsten Corona-Grenzwert. Am Mittwoch kletterte die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz auf 31. Es ist der höchste Wert seit Ende März. Ab 35 müssen die Behörden verschärfende Maßnahmen ergreifen.

Genau 43 neue Fälle hat die Stadtverwaltung am Mittwoch gemeldet. Insgesamt wurde das Coronavirus seit Anfang März nun bei 1.103 Dresdnern nachgewiesen. Geschätzt wird, dass inzwischen 835 Menschen wieder genesen sind, zehn mehr als am Dienstag. Von Dienstag zu Mittwoch sind außerdem drei weitere Dresdner ins Krankenhaus eingewiesen worden. Damit liegen aktuell 15 Corona-Patienten in einer Klinik. Vier Patienten müssen derzeit in Dresden beatmet werden.

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Mediziner tun sich aktuell schwer damit, einzuschätzen, wo die Ursachen für den Anstieg der Fallzahlen liegen. Fest stehe, dass das Virus meist nach Dresden eingeschleppt werde, aktuell zum Beispiel aus Tschechien, sagt Michael Albrecht, medizinischer Vorstand des Uniklinikums. „Ich kann daher nur appellieren, in den Ferien vernünftig zu sein und nicht in Risikogebiete zu fahren“, sagt er mit Blick auf die am Montag beginnenden Herbstferien in Sachsen. Jeder Dresdner müsse derzeit für sich schauen, ob es wirklich sinnvoll sei, sich in eine Kneipe mit vielen Unbekannten zu setzen. „Und immer gilt: Bitte Maske tragen und Abstand halten“, so Albrecht.

Der medizinische Vorstand des Dresdner Uniklinikums, Michael Albrecht, lobt die Spitzenmedizin, die sein Haus in Corona-Zeiten leistet. Das Klinikum hat die den bisherigen Verlauf der Pandemie dokumentiert.
Der medizinische Vorstand des Dresdner Uniklinikums, Michael Albrecht, lobt die Spitzenmedizin, die sein Haus in Corona-Zeiten leistet. Das Klinikum hat die den bisherigen Verlauf der Pandemie dokumentiert. © René Meinig

Was aber passiert, wenn Dresden die Schwelle von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen überschreitet? Die sächsische Coronaschutzverordnung verlangt in diesem Fall verschärfende Maßnahmen von der Stadtverwaltung. Dabei geht es vor allem darum, Infektionsketten noch besser nachverfolgen zu können. Veranstalter und Betreiber von Betrieben, Sportstätten, Restaurants, Hotels und Ansammlungen im öffentlichen Raum können verpflichtet werden, Namen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen abzufragen, zu speichern und auf Nachfrage der Stadt weiterzuleiten. Die Stadtverwaltung selbst spricht davon, dass weitere Einschränkungen in Gastronomie, Hotels, Kinos oder Fitnessstudios angeordnet werden, sollte der Grenzwert überschritten werden. Die Rede ist von einer Phase der Schadensbegrenzung.

Ein weiterer Corona-Fall ist unterdessen am Mittwoch an der 19. Grundschule „Am Jägerpark“ gemeldet worden, die wegen Bauarbeiten derzeit nach Klotzsche ausgelagert ist. Erst im September mussten Schüler und Lehrer nach Hause geschickt werden, nachdem sich dort ein Drittklässler infiziert hatte. Dieses Mal betrifft es die zweite Klassenstufe, für die eine komplette Quarantäne angeordnet wurde. Betroffen sind rund 30 Kinder. Die Isolation gilt bis zum 20. Oktober.

Schulschließungen möglich

Auch für Dresdens Schulen hätte das Überschreiten der Schwelle Folgen. Dann kämen nämlich auch Schulschließungen in Betracht. Das kann laut Kultusministerium selbst dann der Fall sein, wenn die Schule gar nicht direkt von einem Fall betroffen ist, sondern Infektionen von Betrieben und anderen Einrichtungen in der Nachbarschaft ausgehen. Es geht darum, das Ansteckungsrisiko zu minimieren. Schließungen sollen aber auf ein zeitliches Minimum reduziert werden, in der Regel 14 Tage.

Zwar sind nach Meinung von Infektiologen auch die häufigeren Tests eine Ursache für die höheren Fallzahlen. Dadurch werden Ansteckungen entdeckt, die in der ersten Welle womöglich nicht aufgefallen wären. Dennoch kommt vom Uniklinikum klar der Appell: Wer sich für eine Reise testen lassen will, geht bitte zum Hausarzt. „Wer aus reiner Neugier auf ein Testergebnis oder ohne triftigen medizinischen Grund sowie ohne vorhergehende Absicherung die klinikumseigene Corona-Ambulanz aufsucht, schmälert die Kapazitäten und schwächt so die Versorgung der akut an Covid-19-Erkrankten.“

"Nicht aus purer Neugier auf Corona testen lassen"

In der Corona-Ambulanz werden nur Menschen getestet, die Symptome haben oder mit Infizierten engen Kontakt hatten. Besonders nach den Wochenenden würden sich Schlangen vor der Corona-Ambulanz bilden, so Albrecht. In Summe wurde dort seit März etwa 7.000 Menschen auf Corona getestet, bei 251 Menschen fiel der Test positiv aus – Tendenz steigend.

Die Testkapazitäten des Uniklinikums werden auch von Ärzten und Behörden in Tschechien und Polen genutzt. Das Klinikum beteiligt sich an der bundesweiten Kampagne „Unser Wissen. Unsere Erfahrung. In jeder Situation. Spitzenmedizin für Deutschland“. Die Botschaft: Die Unikliniken wollen immer für die Bürger da sein.

Das Uniklinikum beteiligt sich an der deutschlandweiten Kampagne „Unser Wissen. Unsere Erfahrung. In jeder Situation. Spitzenmedizin für Deutschland“. Plakate hängen auch in der großen Ankunftshalle des Dresdner Hauptbahnhofs.
Das Uniklinikum beteiligt sich an der deutschlandweiten Kampagne „Unser Wissen. Unsere Erfahrung. In jeder Situation. Spitzenmedizin für Deutschland“. Plakate hängen auch in der großen Ankunftshalle des Dresdner Hauptbahnhofs. © René Meinig

Spitzenmedizin heißt auch Wissenschaft. Dresden ist bei der Erforschung des Virus und der Erkrankungen mit dabei. Dass Schlaganfallpatienten besonders schwer an Covid-19 erkranken, konnte die Forschergruppe um Dr. Timo Siepmann und Dr. Kristian Barlinn zeigen. Dafür haben die Wissenschaftler Daten sächsischer Patienten ausgewertet und zusammen mit Daten aus den frühen Phasen der Pandemie in China ausgewertet. Patienten, die in der Vergangenheit einen Schlaganfall erlitten, zeigten ein erhöhtes Risiko, eine schwere Form der Corona-Erkrankung zu bekommen. „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Schlaganfallpatienten mit gezielten Maßnahmen vor einer Infektion zu schützen, dies gilt auch für Patienten mit anderen Vorerkrankungen, wie Herzinfarkt oder Diabetes“, so Barlinn.

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In einer weiteren Untersuchung, die ebenfalls eine kombinierte Auswertung chinesischer und europäischer Daten beinhaltet, konnten Dresdner Forscher zeigen, dass Covid-19-Patienten auch ein erhöhtes Risiko aufweisen, einen akuten Schlaganfall zu erleiden. „Diese Beobachtung deckt sich mit Ergebnissen anderer Studien, die darauf hinweisen, dass die Blutgerinnung und die Funktion des Herz-Kreislaufsystems durch Covid-19 Schaden nehmen können. Beides sind potenzielle Risikofaktoren für einen Schlaganfall." Es sei daher wichtig, bei der Behandlung auf akut-neurologische Symptome wie einseitige Lähmungen oder Sprachstörung zu achten, um im Fall eines Schlaganfalls schnell reagieren zu können, so Siepmann weiter.  

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