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Gewalt: Wo Frauen eine Zuflucht finden

Das Frauenschutzhaus des Landkreises SOE hat derzeit noch freie Kapazitäten. Im Spätsommer sah die Situation anders aus.

Frauen, die häusliche Gewalt erleben, finden Zuflucht im Frauenschutzhaus des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
Frauen, die häusliche Gewalt erleben, finden Zuflucht im Frauenschutzhaus des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. ©  Symbolfoto: dpa

Nicht alle Plätze im Frauen- und Kinderschutzhaus des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind derzeit belegt. Das Haus verfügt über acht möblierte Zimmer, so dass eine Aufnahme von gleichzeitig bis zu acht Frauen mit bis zu sechs Kindern gewährleistet werden kann. "Momentan sind zwei Frauen mit drei Kindern vorübergehend in die Einrichtung eingezogen." Das teilt Alies Domaschke, Geschäftsführerin vom Arbeiter-Samariter-Bund Königstein/Pirna, mit. Der Verein ist Träger des Frauenschutzhauses. In dieser Woche gibt es vermutlich noch zwei weitere Einzüge. Vorgespräche mit den Frauen selbst beziehungsweise mit dem Jugendamt hätten bereits stattgefunden, sagt Domaschke. Derzeit sei die Lage in der Einrichtung folglich stabil.

Einrichtung nimmt Frauen aus anderen Landkreisen auf

Das war im vergangenen Jahr anders. Im Sommer bis in den Spätherbst verzeichnete das Frauenschutzhaus eine sehr hohe Nachfrage. "Zum Teil haben wir auch Frauen aus anderen Landkreisen aufgenommen, da dort die Kapazitätsgrenzen eine Zeit lang nicht ausreichten. Dies erklären wir uns mit den verstärkten öffentlichen Kampagnen zum Thema Gewaltschutz aufgrund der Corona-Pandemie", ordnet die ASB-Geschäftsführerin ein.

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Gewalt gegen Männer gibt es auch

Grundsätzlich werden nur Frauen in dem Schutzhaus aufgenommen. Natürlich bringen Frauen auch ihre Kinder mit, also Jungen, die ebenso mit aufgenommen werden. Allerdings weiß Domaschke, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt sein können. "Wenn sich Betroffene Hilfe suchend an uns wenden, nehmen wir das ebenso ernst und vermitteln dann weiter. In der Regel zunächst einmal an die Krisen- und Interventionsstelle. In ganz akuten Fällen verweisen wir ans Männernetzwerk Dresden e.V., das auch Schutzräume für Männer zur Verfügung stellt", sagt sie.

Nachbarn dürfen nicht wegschauen

Egal, ob Frauen oder Männer von häuslicher Gewalt bedroht sind: Wer solche Gewalt als Außenstehender beobachtet, sollte niemals wegschauen, sondern handeln. Alies Domaschke rät dazu, mit den Betroffenen zu sprechen, was in der Tat nicht immer ganz einfach sei. "Wir empfehlen bei Unsicherheit zumindest den Gewaltkreislauf zu durchbrechen, indem man z.B. bei den Nachbarn klingelt und ganz unverbindlich nach etwas Mehl oder anderem fragt. So kann man manchmal auch einen Blick erhaschen und sehen, ob Kinder mit im Haushalt sind oder ob die Nachbarin/der Nachbar schwere Verletzungen hat", sagt sie. In Akut-Situationen sollte unbedingt die Polizei gerufen werden.

Treffen an einem neutralen Ort

In Not geratene Frauen melden sich oftmals direkt bei dem ASB-Träger. Die Notfallnummer des Frauenschutzhauses des Landkreises wird in den Medien veröffentlicht. Außerdem wurden zahlreiche Visitenkarten und Flyer ausgelegt. "Ruft eine Betroffene bei uns an, dann verabreden wir mit ihr einen neutralen Treffpunkt, an dem eine ASB-Mitarbeiterin sie abholt und sicher ins Frauenschutzhaus bringt. Somit wird verhindert, dass ein Partner sich unbefugten Zutritt zum Schutzhaus verschafft", erläutert Domaschke. Aber der ASB ist auch in dem Netzwerk der Beratungsstellen aktiv, wie zum Beispiel Familienberatung, Polizei, Rechtsanwälte oder Jugendamt. Diese Partner vermitteln bei Bedarf Opfer häuslicher Gewalt an das Frauenschutzhaus.

Wohnzeit bis zu drei Monaten

In der Regel dürfen die Frauen mit ihren Kindern bis zu drei Monate in der Einrichtung wohnen. Aber der Trägerverein macht auch Ausnahmen, es kommt immer auf die individuelle Situation an. "Sind die Frauen in dem Schutzhaus angekommen, erleben sie erst mal ein Gefühl der Sicherheit und können zur Ruhe kommen. Wenn sie sich entscheiden, ihren Partner zu verlassen, helfen wir bei der Suche nach einer neuen Wohnung. Entschließt sich die Betroffene wieder zurückzukehren, versuchen wir mithilfe anderer Kooperationspartner, diesen Prozess zu begleiten, sodass die Situation gewaltfrei bleibt", erklärt die Geschäftsführerin das Prozedere.

Der Freistaat Sachsen und der Landkreis SOE fördern das Frauenschutzhaus. Auch die Frauen zahlen einen Eigenanteil, je nach finanzieller Situation. Spenden helfen, die Frauen in finanzieller Notlage zu unterstützen, betont Alies Domaschke. Die Einrichtung wurde in den Jahren 2016/2017 umfangreich erneuert.

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