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Wenig Entspannung in Krankenhäusern

Seit Mitte Dezember steigt zwar die Zahl der Covid-19-Patienten nicht mehr. Die Dauerbelastung besteht aber weiter.

Schwester Sylke und ihre Kolleginnen in den Weißeritztalkliniken Freital versorgen weiterhin viele Covid-19-Patienten.
Schwester Sylke und ihre Kolleginnen in den Weißeritztalkliniken Freital versorgen weiterhin viele Covid-19-Patienten. © Egbert Kamprath

So sehr sich die Politik auch an Infektionszahlen und Inzidenz-Werten abarbeitet, die Dauerbelastung in den Krankenhäusern ist weiter hoch. "Die Auslastung mit Covid-Patienten auf den Normal- und den Intensivstationen befindet sich aktuell stabil auf einem hohen Niveau. Die Auslastung auf der Intensivstation ist minimal schwankend, ein Rückgang ist in beiden Häusern noch nicht zu verzeichnen", teilen die Helios-Kliniken in Pirna, Freital und Dippoldiswalde auf Nachfrage mit. Die Krankenhäuser in Freital und Dippoldiswalde arbeiten zusammen als Weißeritztalkliniken.

Die angespannte Lage in den Krankenhäusern hat Mitte Dezember dazu geführt, dass von den Politikern ein harter Lockdown für das öffentliche Leben angeordnet wurde.

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Planbare OPs weiter ausgesetzt

Nimmt man jedoch zum Maßstab, dass die medizinische Versorgung wieder in den Normalbetrieb kommt, ist das Ziel nicht erreicht. Jedenfalls noch nicht im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Das ergaben die Nachfragen von Sächsische.de in allen vier Regelkliniken, die eine Versorgung der akuten Notfälle gewährleisten müssen.

"In den Helios-Kliniken im Landkreis werden weiterhin alle planbaren Aufnahmen, soweit medizinisch vertretbar, verschoben und ausgesetzt", heißt es. Dieses Vorgehen erfolge gemäß der Sächsischen Allgemeinverordnung vom 17. Dezember 2020. "Alle übrigen Maßnahmen und Eingriffe, die aus medizinischer Sicht unserer Ärztinnen und Ärzte keinen Aufschub erlauben, führen wir weiterhin mit größter Sorgfalt durch", betont das Unternehmen.

© SZ Grafik

Große Reserve in Reha-Klinik Kreischa

Kleine Unterschiede gibt es dennoch. In den Weißeritztalkliniken werden aktuell 70 Covid-19-Patienten behandelt. Das sind weniger als beim absoluten Höchststand am 29. Dezember mit 81 Covid-Patienten. Das weckt Hoffnung.

In Pirna liegt das Krankenhaus mit aktuell 71 Covid-Patienten auch unter dem höchsten Wert vom 13. Dezember (84). Nach Weihnachten ging es kurz herunter, aber dann wieder hoch. Seit mehr als fünf Wochen gibt es somit keine große Entspannung.

Beruhigend wirkt dagegen, dass im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge so viele Intensivbetten mit Beatmungsgeräten zur Verfügung stehen, wie in kaum einem anderen Landkreis - deutschlandweit. Das hat mit der Spezialisierung der Bavaria-Klinik in Kreischa auf die Entwöhnung von künstlicher Beatmung zu tun. Die Reha-Klinik nimmt als sogenannte Sekundärklinik aber keine akuten Notfälle auf.

Die Kliniken melden seit April 2020 täglich die Bettenzahl ans Divi-Intensivregister. Dort wird aktuell angezeigt, dass in Freital Intensiv-Betten frei sind, unabhängig von der Erkrankung. Die Sebnitzer Klinik war dagegen beispielsweise am Donnerstag und Freitag voll.

Covid-19-Patienten in den Weißeritztalkliniken.
Covid-19-Patienten in den Weißeritztalkliniken. © Helios-Kliniken

Mehr Erfahrung in der Covid-Behandlung

Der Altersdurchschnitt der Covid-Patienten auf den Intensivstationen liegt nach Angaben der Helios-Kliniken bei 72 Jahren. Inzwischen verfüge man auch über eine gute Expertise im Umgang mit Covid-19-Patienten. "Sowohl im Helios-Verbund als auch im Landkreis erfolgt ein regelmäßiger fachlicher Austausch zur Behandlung von Covid-Patienten", heißt es von dem Unternehmen.

Der Unterschied zu Vor-Corona-Zeiten besteht jedoch darin, dass die Behandlung der Covid-Patienten einen höheren Personalaufwand erfordert und die Liegezeit auf der Intensivstation in der Regel länger ist. Krankenhäuser haben deshalb andere Stationen herunterfahren müssen, um zusätzliche Isolierstationen einzurichten und genügend Ärzte und Pflegepersonal für Covid-Behandlungen zur Verfügung zu haben.

Covid-19-Patienten in der Helios-Klinik Pirna.
Covid-19-Patienten in der Helios-Klinik Pirna. © Helios-Kliniken

Besonders viele Corona-Tote im Landkreis

Die Arbeit der Beschäftigten in den Krankenhäusern ist derzeit auch deshalb eine größere Herausforderung als normal, weil die Zahl der Sterbenden so hoch ist. Zur körperlichen Belastung, die auch mit der Pflege in Schutzkleidung zu tun hat, kommt noch die psychische Belastung.

"Mit viel Hingabe und einem absoluten Selbstverständnis herrscht ein großer Zusammenhalt in den Teams. Jeder ist für den anderen da", heißt es aus den Helios-Kliniken. Die bieten außerdem professionelle psychologische Unterstützung an, die von einigen Mitarbeitern auch in Anspruch genommen wird.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind laut Landratsamt mit Stand von Freitagabend 640 Menschen gestorben, die zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Vier Fälle stammen aus dem Frühjahr, alle anderen wurden seit Oktober registriert. Das sind 261 Tote auf 100.000 Einwohner.

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Lediglich 17 Neuinfektionen wurden am Dienstag im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge registriert. Die Kliniken warten noch auf Entspannung.

Zum Vergleich: Nur der Landkreis Görlitz (270) liegt in Sachsen darüber. Der gesamte Freistaat hat laut Robert-Koch-Institut 132 Tote je 100.000 Einwohner registriert. Die in der Pandemie oft gescholtenen USA (124) liegen auch darunter, selbst der Staat New York (217). Erst in Hotspots wie der Bronx (379) kommt man laut Johns Hopkins Universität auf höhere Werte.

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