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Corona: Gastronomie wohl erst im Sommer

Die Zeit bis zur Öffnung nach Corona dauert erneut länger. Laut IHK Dresden sind sechs Prozent der Betriebe von Pleite bedroht. Doch große Branchen sind stabil.

Wegen Corona geschlossen: Das Café im Dresdner Zwinger darf wie alle nichts anbieten und lässt die Außentische einschneien. Die Industrie- und Handelskammer sieht Gefahren für die Gastronomie.
Wegen Corona geschlossen: Das Café im Dresdner Zwinger darf wie alle nichts anbieten und lässt die Außentische einschneien. Die Industrie- und Handelskammer sieht Gefahren für die Gastronomie. © SZ/Georg Moeritz

Dresden. Zuerst die guten Nachrichten: Die sächsische Industrie bleibt auf Erholungskurs. Auch die Baubranche stützt die Wirtschaftslage in Sachsen, und die Großhändler beurteilen ihre Situation sogar besser als vor Corona.

Zwölf Prozent der sächsischen Unternehmen sind von der Wirtschaftskrise nicht betroffen, jedes zehnte Unternehmen meldet gestiegene Umsätze. Das sind Ergebnisse einer Konjunkturumfrage, an der sich gut 2.100 Mitgliedsfirmen der sächsischen Industrie- und Handelskammern (IHK) zwischen Mitte Dezember und Mitte Januar beteiligt haben.

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Der Chemnitzer IHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Wunderlich berichtete am Donnerstag von einer „Achterbahnfahrt“ der sächsischen Wirtschaft. Nach dem ersten Lockdown habe ein Aufschwung eingesetzt, doch mit der zweiten Coronawelle kam der Rückschlag. Zwei Prozent der befragten Unternehmen haben daher ihr Geschäft aufgegeben.

Spannung zwischen Händlern und Banken

Mit einer großflächigen Pleitewelle in Sachsen rechnen die Kammer-Chefs nach eigenen Angaben „zunächst nicht“. Die könne noch verhindert werden, wenn die angekündigten Überbrückungshilfen vom Staat bald ankämen. Sonst drohe manchen das Geld auszugehen.

Die Beziehungen zwischen Händlern und Geldinstituten gerieten zunehmend „in ein Spannungsverhältnis“, sagte der Dresdner IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann. Manche Banken seien zunehmend kritisch, wenn Kredite erneut verlängert werden sollten.

Davon hatte auch der Handelsverband Sachsen berichtet. Wunderlich sagte aber, vor allem regionale Geldinstitute gäben sich „Mühe, die Kunden am Leben zu halten“.

Arbeitsplätze: Abbau und Aufbau zugleich

Sechs Prozent der befragten Unternehmen in Sachsen kreuzten an, ihre Finanzlage sei geprägt von drohender Insolvenz. Noch etwas höher, bei sieben bis acht Prozent, liegt dieser Anteil in Einzelhandel, Verkehr und bei Dienstleistern. Jeder fünfte Betrieb spürt „Liquiditätsengpässe“, das steht sowohl in der sächsischen als auch in einer bundesweiten Umfrage der Kammern.

Wunderlich rechnet damit, dass manche ältere Geschäftsinhaber früher als geplant in den Ruhestand gehen und ihre Betriebe ohne Insolvenz schließen. 30 Prozent der Firmen machen derzeit Verluste, vor einem Jahr waren es zehn Prozent.

Die Arbeitslosigkeit in Sachsen ist zwar gestiegen, doch die Wirtschaftsvertreter erwarten für die nächsten Monate insgesamt stabile Beschäftigung. Kurzarbeitergeld wird von 36 Prozent der befragten Firmen genutzt. 18 Prozent kreuzten zwar an, dass sie ihren Personalbestand verringern werden, aber 16 Prozent beabsichtigen Neueinstellungen.

Fachkräfte-Engpässe sind auf dem Bau und in der Informationstechnologie zu spüren. In der Umfrage zeigt sich zwar, dass Themen wie Fachkräftemangel, Arbeitskosten und Energiepreise an Bedeutung verloren haben. Doch laut Wunderlich kann sich das schnell wieder ändern.

Betriebe investieren weniger

Bei den Aussichten geben die sächsischen Unternehmer schlechtere Noten als bei der Beurteilung der Lage. Drogerien und Lebensmittelhändler rechnen zwar mit weiter wachsendem Geschäft. Aber Corona lähmt Mode- und Spielzeughändler sowie Dienstleister, die auf Kontakte angewiesen sind.

Jedes vierte Unternehmen in Sachsen verringert nach eigenen Angaben seine Investitionen, und das befürchtet die Baubranche nun auch vom Staat. Für Straßen- und Brückenbau wird voraussichtlich in den nächsten Jahren weniger Geld ausgegeben, daher überwiegt auch bei den Baufirmen die Skepsis. Noch sind ihre Kapazitäten zu 84 Prozent ausgelastet, kaum weniger als vor einem Jahr. Die Kammern fordern vom Land, bei der Haushaltsplanung stärker auf Investitionen und Innovationen zu setzen.

Ist Inzidenz von 35 die neue 50?

Die jüngsten Entscheidungen von Bund und Ländern zur Verlängerung des Lockdowns haben den Dresdner Hauptgeschäftsführer Hamann enttäuscht. Ihm fehlt weiterhin „ein Fahrplan“ aus der Corona-Krise. Für mögliche Lockerungen gelte nun anscheinend ein strengerer Inzidenzwert: „35 sind jetzt die neuen 50“, damit verlängere sich die Schließungszeit für Restaurants und Reisebranche.

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Hamann rechnet nun nicht mehr damit, dass es „vor dem Sommer ein normales Gastronomie- und Tourismusgeschäft“ geben wird. Sein Leipziger Kollege Thomas Hofmann hofft weiterhin auf einen „zumindest eingeschränkten Betrieb nach Ostern“. Manche Angestellte aus der Gastronomie werden sich laut Hamann aber um andere Arbeit bemühen und dann fehlen.

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