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Nur mit Corona-Test zur Abi-Prüfung

Schulen im Rödertal reagieren mit besonderen Mitteln auf die Schließung ab Montag. Die Situation sei angespannt.

Am Humboldt-Gymnasium Radeberg starten kommende Woche die Abi-Prüfungen. Zutritt nur mit negativem Test.
Am Humboldt-Gymnasium Radeberg starten kommende Woche die Abi-Prüfungen. Zutritt nur mit negativem Test. © Sven Hoppe/dpa (Symbolbild)

Radeberg. Die Unruhe in den Schulen ist deutlich zu spüren. Einige Schulleiter stehen für Anfragen nicht zur Verfügung. „Keine Zeit“, heißt es in den Sekretariaten. Fieberhaft wird in den Einrichtungen die Schließung ab Montag vorbereitet. Laut dem neu gefassten Bundes-Infektionsschutzgesetz müssen Schulen ab einer Inzidenz von 165 schließen. Im Landkreis Bautzen liegt sie bei 238 (Stand Freitagmittag).

Lehrer und Schulleitung nutzen die letzten Stunden, um die Schüler gut auf die Veränderungen am Montag vorzubereiten. „Der Aufwand ist schon sehr groß“, sagt Verena Schmidt, Leiterin der Grundschule Ullersdorf. „Die Kinder müssen alle ihre Sachen, die sie sonst in der Schule lassen, mit nach Hause nehmen: Schulbücher, Arbeitsmappen und vieles mehr. Das brauchen sie ja während des Homeschoolings." Die Lehrer stellen Arbeitsblätter für das Lernen zu Hause zusammen. "Es ist zwar nicht das erste Mal, dass wir die Schule schließen müssen, doch die Kinder haben verständlicherweise immer viele Fragen. Ausführlich und in Ruhe erklären wir ihnen die Situation", sagt die Schulleiterin.

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Viele Schüler in der Notbetreuung erwartet

Hinzu kommt, dass an Grundschulen weiterhin täglich eine Notbetreuung für vier Stunden gewährleistet werden muss. „Wir Lehrer erledigen mit den Kindern Lernaufgaben. Die vierten Klassen sind ja als Abschlussklassen ohnehin in der Schule und bekommen ihren Unterricht.“ Auch müssen die Hygienevorschriften weiterhin eingehalten werden: Abstand halten, Maske tragen, Händedesinfektion. „Die Selbsttests werden weiterhin zweimal die Woche vorgenommen. Das alles zu organisieren, ist eine Herausforderung.“

Verena Schmidt rechnet damit, dass etwa ein Viertel der Schüler zur Notbetreuung gebracht wird. Berechtigt sind Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, etwa in Kliniken oder bei der Polizei. „Genau kann ich die Anzahl der Kinder nicht abschätzen. Eventuell ermöglichen jetzt mehr Firmen ihren Mitarbeiterin Homeoffice, so dass auch die Kinder zuhause bleiben können. Andere sind trotz des heimischen Arbeitsplatzes zu sehr eingespannt, als dass sie nebenbei noch auf die Kinder aufpassen können. Wie viele Kinder genau zu uns kommen werden wir dann am Montag sehen.“ Insgesamt beschreibt die Schulleiterin die derzeitige Situation als sehr unruhig und Nerven aufreibend. Sie bedankt sich bei den Eltern, für das Verständnis. „Das ist gerade für sie nicht einfach. Sie müssen mitunter ihren Tagesablauf völlig ändern. Ein Dankeschön dafür, dass wir gemeinsam versuchen, die Situation zu meistern.“

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Marion Hobohm, Leiterin der Pestalozzi-Oberschule in Radeberg, findet es schade, dass die Schulen ab Montag wieder geschlossen werden. „Wir sind Lehrer geworden, damit wir vor unseren Schülern stehen und Unterricht geben können. Das vermissen meine Kollegen und ich wieder sehr“, sagt sie. Andererseits weiß sie um die Notwendigkeit, Infektionen zu verhindern. „Es gab an der Schule Fälle mit positivem Testergebnis. Wir müssen Schüler und Lehrer schützen. Es ist es gut, dass reagiert wird.“ Rund 75 Jugendliche bereiten sich an der Schule auf ihren Hauptschul- beziehungsweise ihren Oberschulabschluss vor. Sie werden auch in den nächsten Wochen im Schulhaus lernen.

Ihnen werden wie bisher zweimal wöchentlich Selbsttests angeboten. „Dabei müssen wir auch sehr aufpassen, dass sich auch wirklich alle testen. Beispielsweise wenn mal der Bus zu spät gekommen ist oder einer gerade am Testtag krank war. Da hantieren wir mit langen Listen.“ Hinzu kommt, dass auch die Kinder, die ab Montag zuhause bleiben, betreut werden wollen. „Sie brauchen Lernaufgaben, die wieder korrigiert werden müssen. Glücklicherweise funktioniert unsere Lernplattform Moodle sehr gut. Darüber laufen Videokonferenzen, es gibt virtuelle Klassenzimmer und es werden Lernaufgaben eingestellt.“ Insgesamt verlange die Situation allen viel ab. Bei Lehrern bemerkte sie schon jetzt kurz nach den Osterferien, dass sie zunehmend abgearbeitet sind.

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Auch Lutz Loewens, Direktor des Berufsschulzentrums Radeberg, versucht seinen Schülern in den nächsten Wochen das Lernen so gut es geht zu ermöglichen. „Außer für Abschlussklassen gilt ja Distanzunterricht und den zu gewährleisten ist nicht immer einfach. Mitunter brauchen sie im Unterricht besondere Computerprogramme und die hat kaum einer auf seinem PC zuhause.“ Für ihn müssen noch etliche Detailfragen geklärt werden.

Andreas Känner, Direktor des Humboldt-Gymnasiums Radeberg, hatte kurz die Hoffnung, dass sich durch den wiederholten Lockdown so etwas wie Routine bei den Vorbereitungen eingestellt hat. „Das war aber nicht der Fall. Es gibt immer wieder Besonderheiten.“ Eine Veränderung diesmal: in der nächsten Woche starten die schriftlichen Abi-Prüfungen. „Für diese Schüler haben wir einen separaten Eingang geschaffen. Außerdem richten wir in der Cafeteria eine extra Teststrecke ein, wo sie ihren Selbsttest vornehmen können“, sagt der Schulleiter.

Allerdings empfiehlt die Schulleitung, den Test zwei Tage zuvor schon selbst ein einem der Zentren vornehmen zu lassen. „Dann besteht noch die Möglichkeit, ein eventuell positives Ergebnis mit einem PCR-Test überprüfen zu lassen.“ Sollte der positive Test aber bestätigt werden, muss der Schüler die Prüfung ausfallen lassen und zum Nachfolgetermin kommen. Auch Känner findet die Situation für Schüler und Lehrer belastend. „Wir hofften, dass eine Schließung vermieden werden kann. Die Landesregierung hatte das ja vorgeschlagen. An der Schule gab es kaum Infektionsfälle, so dass die jetzigen Maßnahmen bei einigen kritisch gesehen werden.“

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