merken
PLUS Bautzen

Oberlausitz-Kliniken: Schon mehr als 1.000 Corona-Fälle

Ein Jahr nach Beginn der Pandemie zieht der OLK-Geschäftsführer Bilanz -und sagt, wie es in den Häusern in Bautzen und Bischofswerda jetzt weitergeht.

Die Oberlausitz-Kliniken mussten ihre Arbeit neu organisieren, um die vielen Corona-Patienten versorgen zu können. Mehr als 1.000 waren es bereits seit Beginn der Pandemie.
Die Oberlausitz-Kliniken mussten ihre Arbeit neu organisieren, um die vielen Corona-Patienten versorgen zu können. Mehr als 1.000 waren es bereits seit Beginn der Pandemie. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Als im März 2020 die ersten zwei Corona-Kranken im Bautzener Krankenhaus der Oberlausitz-Kliniken (OLK) aufgenommen wurden, ahnte noch niemand, was da noch kommen sollte. Ein knappes Jahr später berichtet OLK-Geschäftsführer Reiner Rogowski von 1.000 Corona-Patienten. "Dabei wurden nur schwere Fälle in die Krankenhäuser in Bautzen und Bischofswerda aufgenommen. Patienten mit einem leichteren Verlauf wurden wieder nach Hause geschickt", sagt Rogowski.

Aber noch immer kommen neue hinzu. Mittlerweile (Stand 3. März 2021) liegt die Zahl in beiden Häusern bei insgesamt 1.040 Corona-Fällen. 712 von ihnen wurden im Krankenhaus in Bautzen behandelt, 328 in Bischofswerda.

Technische Universität Dresden
TU Dresden News
TU Dresden News

Was passiert an der Exzellenzuniversität TU Dresden? Aktuelle News und Informationen finden Sie in unserer Unternehmenswelt.

Die meisten Corona-Patienten gab es im Dezember - in Bautzen lagen im Weihnachtsmonat 254 Betroffene im Krankenhaus, in Bischofswerda 130. Seitdem sanken die Zahlen deutlich. Aktuell sind es in beiden Krankenhäusern noch insgesamt 17 Fälle, davon acht auf der Intensivstation. "Aber die Tendenz ist leider wieder leicht steigend", warnt Rogowski vor zu viel Optimismus.

212 Corona-Patienten sind gestorben

Etwa jeder fünfte der Corona-Patienten, die in den OLK stationär versorgt wurden, starb. Von den 1.040 Patienten überlebten 212 die Erkrankung nicht. Den ersten Toten gab es im Mai. Zwischenzeitlich reichten die Kühl-Kapazitäten nicht mehr für alle Verstorbenen. Ein zusätzlicher Kühl-Container brachte zum Jahresende Entlastung. Inzwischen konnte er wieder abgebaut werden, berichtet der Geschäftsführer.

Um den Ansturm zu bewältigen, mussten die Oberlausitz-Kliniken ihre Arbeit neu organisieren. Mehrere Stationen fuhren ihren Normalbetrieb herunter, Ärzte und Schwestern arbeiteten stattdessen in den Corona- und Intensivstationen. Insgesamt wurden 150 Betten für Corona-Kranke reserviert.

In Bautzen nahm eine Intensivstation nur noch Corona-Patienten auf. Eine zweite Intensivstation, die sonst nur für innere Medizin genutzt wird, wurde für Corona-Betroffene geöffnet. Das Bautzener Krankenhaus stockte die Zahl der Intensiv-Betten von 16 auf 34 auf. In der Bischofswerdaer Intensivstation blieb es bei sechs Betten, eines steht in Reserve.

Trotz aller Konzentration auf Corona reichten an zwei Tagen im Herbst die Betten nicht mehr aus. "Es mussten einzelne Patienten nach Dresden in die Uniklinik verlegt werden", berichtet Rogowski. "Sehr geholfen haben die Disposition der Fälle durch die Krankenhausleitstelle der Universität Dresden und die Möglichkeit, Patienten in die Vamed-Klinik nach Pulsnitz zu verlegen."

Corona-Patienten bleiben länger im Krankenhaus

Den Oberlausitz-Kliniken zufolge bleiben Corona-Patienten wesentlich länger im Krankenhaus als andere Kranke. Liegt die übliche Verweildauer bei durchschnittlich gut fünf Tagen, bleiben Corona-Betroffene mehr als zwölf Tage. Den OLK-Mitarbeitern zollt Rogowski höchsten Respekt: "Sie leisten körperliche Schwerstarbeit und sind, wie die unzähligen Erkrankungen und Infektionen unserer Kollegen zeigen, unmittelbarer Gefahr ausgesetzt, sich selber zu infizieren. Ich empfinde großen Respekt und Dankbarkeit gegenüber den Kollegen aus allen Berufsgruppen."

Reiner Rogowski ist Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und Bischofswerda, die in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 1.000 Corona-Kranke behandelten.
Reiner Rogowski ist Geschäftsführer der Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und Bischofswerda, die in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 1.000 Corona-Kranke behandelten. © SZ/Uwe Soeder

Zug um Zug soll nun wieder Normalbetrieb in die Krankenhäuser einziehen. Aber das sei leichter gesagt als getan. Viele Mitarbeiter seien ausgepowert und stünden noch immer unter Stress, berichtet der OLK-Chef. Manche zeigten auch nach wie vor Corona-Symptome. Auch auf den Stationen habe Corona Spuren hinterlassen. So müssten teilweise sogar Fußbodenbeläge ausgewechselt werden, weil sie unter dem verstärkten Einsatz von Desinfektionsmitteln gelitten haben. "Ein sofortiger Wechsel in den Normalbetrieb ist nur bedingt möglich", sagt Rogowski.

Dennoch: Ab kommendem Montag soll es in den Oberlausitz-Kliniken keine Station mehr geben, die für Corona reserviert bleibt. "Allerdings", so Rogowski, "sind wir in der Lage, die sogenannte Rolle rückwärts innerhalb weniger Tage zu vollziehen. Das wünschen wir uns aber lieber nicht."

Rogowski: "Keine Kahlschlagpolitik!"

Die vergangenen zwölf Monate könnten in vielerlei Hinsicht heilsam gewesen sein. Zuerst für die Patienten, aber auch für Politiker. Rogowski erinnert an ursprüngliche Pläne der Bundespolitik, nur großen Krankenhäusern einen finanziellen Ausgleich für vorsorglich frei gehaltene Betten zu zahlen. Das hätte in der Oberlausitz letztlich nur für die Häuser in Bautzen, Görlitz und Hoyerswerda gegolten.

"Zum Glück ist das nicht so gekommen. Gesetzgeber, viele Abgeordnete, das Sozialministerium und der Ministerpräsident haben auf die gemeinsamen Proteste und Hinweise der Krankenhausleitungen reagiert und sich engagiert." So konnten sich auch kleinere Häuser, wie das Krankenhaus in Bischofswerda, um die Versorgung von Corona-Kranken kümmern und bekamen die notwendigen Ausgleichszahlungen.

Herausgefordert seien nun auch die Parlamentarier, die sich bis zum Beginn der Pandemie noch mit allerlei Schließungsplänen für die regionalen Krankenhäuser beschäftigten. "Veränderungen sind notwendig, da wird sich auch kein Krankenhaus verwehren", sagt Rogowski. "Aber eine Kahlschlag-Politk ist zu überdenken."

Weiterführende Artikel

Kreis Bautzen gedenkt der Corona-Toten

Kreis Bautzen gedenkt der Corona-Toten

Mit einem Video erinnert das Landratsamt an die Menschen, die bislang im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 gestorben sind. Und es bittet um Unterstützung.

Was ist heute im Landkreis Bautzen wichtig? Das erfahren sie täglich mit unserem kostenlosen Newsletter. Jetzt anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen