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Politik

Österreich und Tschechien werden Risikogebiete

Für kurze Zeit gab es im Sommer keine Corona-Hochrisikogebiete mehr in der EU. Ab Sonntag sind wieder zwei Nachbarländer Deutschlands betroffen.

Tschechien gilt ab Sonntag wieder als Hochrisikogebiet.
Tschechien gilt ab Sonntag wieder als Hochrisikogebiet. © Egbert Kamprath

Berlin. Wegen dramatisch steigender Corona-Infektionszahlen stuft die Bundesregierung ab Sonntag fast ganz Österreich, Tschechien und Ungarn als Corona-Hochrisikogebiete ein. Das gab das Robert Koch-Institut am Freitag bekannt. Wer aus einem Hochrisikogebiet einreist und nicht vollständig geimpft oder genesen ist, muss für zehn Tage in Quarantäne und kann sich frühestens fünf Tage nach der Einreise mit einem negativen Test davon befreien. Mit Österreich und Tschechien werden erstmals seit vielen Wochen wieder zwei Nachbarländer Deutschlands auf die Risikoliste gesetzt.

Beide Länder waren im Juni von der Liste gestrichen worden. In beiden Ländern waren die Infektionszahlen aber in den letzten Wochen wieder drastisch gestiegen. Und beide Länder haben im europäischen Vergleich auch sehr niedrige Impfquoten. In Österreich liegt sie bei etwa 65 Prozent der Gesamtbevölkerung.

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Ganz Tschechien betroffen

Als Hochrisikogebiete werden Länder und Regionen mit einem besonders hohen Infektionsrisiko eingestuft. Dafür sind aber nicht nur die Infektionszahlen ausschlaggebend. Andere Kriterien sind das Tempo der Ausbreitung des Virus, die Belastung des Gesundheitssystems oder auch fehlende Daten über die Corona-Lage.

Mit der Einstufung als Hochrisikogebiet ist automatisch auch eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts verbunden. Sie erleichtert Touristen die kostenlose Stornierung bereits gebuchter Reisen, bedeutet aber kein Reiseverbot. In Tschechien gilt die Einstufung für das ganze Land.

Dort steigen die Infektionszahlen derzeit schnell nach oben. Innerhalb von sieben Tagen gab es nach aktuellen Zahlen 614 bestätigte Neuinfektionen je 100.000 Einwohner - und damit mehr als doppelt so viele wie in Deutschland.

Nun sollen erneut alle Schüler zweimal auf das Coronavirus getestet werden. Die Antigen-Schnelltests werden am 22. und am 29. November erfolgen, wie der geschäftsführende Schulminister Robert Plaga am Freitag in Prag mitteilte. Ziel sei es, den Präsenzunterricht an den Schulen aufrechtzuerhalten. In Tschechien gibt es rund 1,4 Millionen Schüler, von denen ein Teil bereits geimpft ist. Die Impfung ist ab zwölf Jahren freigegeben.

Die tschechischen Schüler waren landesweit zuletzt an drei Terminen Anfang September getestet worden. Dabei wurden nur 438 positive Fälle entdeckt. Doch in der Zwischenzeit hat sich die Ausbreitung des Coronavirus in dem EU-Mitgliedstaat stark beschleunigt.

Lockdown für Ungeimpfte in Österreich

Von der Einstufung als Hochrisikogebiet ausgenommen sind in Österreich einige kleine Gemeinden. Darunter ist das Urlaubsgebiet Kleinwalsertal in Vorarlberg (Gemeinde Mittelberg), das auf der Straße nur von deutscher Seite aus über die Region Oberstdorf erreichbar ist. Auch die im Allgäu liegende Enklave Jungholz, die zu Tirol gehört, ist ausgenommen. Außerdem das Rißtal im Gemeindegebiet von Vomp und Eben am Achensee.

Angesichts der stark steigenden Corona-Infektionszahlen in Österreich hat sich die Regierung für eine Impfpflicht für Gesundheitsberufe entschieden. Außerdem sollen regionale Lockdowns für Ungeimpfte schon am Montag in Kraft treten. Wie Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Freitag bekanntgab, sollen die Einschränkungen in den am stärksten von Covid-19 betroffenen Bundesländern Oberösterreich und Salzburg die Einschränkungen bereits Anfang kommender Woche starten.

Ungeimpfte dürfen dann nur noch ihr Zuhause verlassen, um ihre täglichen Bedürfnisse zu decken, zur Arbeit zu gehen oder wenn sie Hilfe benötigen, sagte Oberösterreichs Landeschef Thomas Stelzer.

Oberösterreich und Salzburg liegen mit Sieben-Tages-Inzidenzen von rund 1200 weit über dem bundesweiten Wert, der zuletzt fast 780 betrug. Die Impfquoten der beiden Regionen an der Grenze zu Bayern liegen unter dem österreichischen Durchschnitt.

Außerdem plant die Regierung einen bundesweiten Lockdown für Nicht-Immunisierte, der am Sonntag beschlossen werden soll, sagte Kanzler Alexander Schallenberg. Wann die Impfpflicht im medizinischen Bereich und der breite bundesweite Lockdown starten sollen, gab die Regierung zunächst nicht bekannt.

USA nicht mehr Risikogebiet

In der Europäischen Union hatte es im Spätsommer zwischenzeitlich gar keine Corona-Hochrisikogebiete gegeben. In den vergangenen Wochen wurden aber bereits die Slowakei, Litauen, Rumänien, Kroatien, Bulgarien und Slowenien wieder auf die Risikoliste gesetzt. Nun kommen drei weitere EU-Länder hinzu, außerdem das südostasiatische Laos. Insgesamt werden damit ab Sonntag weltweit wieder fast 70 Länder vom RKI ganz oder teilweise als Hochrisikogebiete geführt.

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Von der Risikoliste gestrichen werden die USA. Das erleichtert den Reiseverkehr zwischen Deutschland und Amerika weiter. Seit Montag ist für Millionen EU-Bürger die Einreise in die USA wieder möglich, sofern sie vollständig geimpft und zusätzlich negativ auf das Coronavirus getestet sind. Aus den USA können künftig auch wieder Ungeimpfte nach Deutschland einreisen, ohne in Quarantäne zu müssen. (dpa)

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