merken
PLUS Görlitz

"Offene Gaststätten zu Weihnachten schließe ich aus"

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange rechnet mit einem nur langsamen Sinken der Corona-Fälle. Und stimmt die Bürger auf rigorose Kontrollen ein.

Landrat Bernd Lange sieht keine schnelle Veränderung der Situation.
Landrat Bernd Lange sieht keine schnelle Veränderung der Situation. © Nikolai Schmidt (Archiv)

Mit den Hoffnungen des Görlitzer Landrats Bernd Lange ist das in der Corona-Pandemie so eine Sache. Anfang November hoffte er noch, dass die Corona-Fälle zurückgehen, Mitte des Monats sprach er von einer Seitwärtsbewegung, hoffte, dass die Inzidenz bei 300 stagniert.

Doch die Wirklichkeit holte ihn schnell ein, da war er in guter Gesellschaft: Die täglichen Neuinfektionen im Kreis steigen, die 7-Tage-Inzidenz hat die 400-er Marke deutlich überstiegen, und jetzt musste er auch noch verschärfte Einschränkungen verhängen. Görlitz gehört deutschlandweit zu den Landkreisen, wo das Coronavirus am stärksten verbreitet ist.

Anzeige
Lost im Karrieredschungel
Lost im Karrieredschungel

Abitur, Ausbildung oder Studium in Dresden machen? Die AFBB, die AWV und die FHD laden zum Online-Infotag ein!

Weihnachten mit einer Inzidenz von über 200

Nun sollen die Zahlen in den nächsten drei Wochen sinken. Das ist Langes Hoffnung. Einen leicht niedrigeren Inzidenzwert erwartet er, aber selbst über Weihnachten dürfte er nicht die 200er-Marke unterschreiten. Also jene Marke, über der verschärfte Auflagen gelten. Und weit weg von der Grenzmarke 50, bei der Gesundheitsämter die Kontakte schnell nachverfolgen können. Was sich nach Zahlen und abstrakten Einschätzungen anhört, hat für jeden Einwohner des Kreises spürbare Auswirkungen.

Sollten Langes Erwartungen dieses Mal eintreffen, so sind die Aussichten für Gastronomen auch nach dem 20. Dezember schlecht, ebenso für Hoteliers und all die Kultureinrichtungen, die jetzt auch geschlossen sind. "Öffnungen von Gaststätten und Restaurants halte ich für ausgeschlossen", sagt daher auch Lange vor Journalisten am Dienstag in Görlitz.

Lediglich die bundesweit vereinbarte Lockerung der Kontaktbeschränkungen auf dann zehn Personen bei familiären Weihnachtsfeiern halte er für vertretbar im Kreis. Mehr nicht. Vielleicht, so äußert er erneut eine Hoffnung, könne man Mitte des Monats dann über erste Lockerungen ab 29. Dezember nachdenken. Auch nach dem Herunterfahren des öffentlichen Lebens im Frühjahr wurde nur schrittweise wieder geöffnet. Jetzt aber gelte in den nächsten drei Wochen: "Es ist notwendig, dass wir uns alle zusammenreißen und uns an die Regeln halten".

Lange ruft Kommunen zu harten Kontrollen auf

Der CDU-Politiker weiß, warum er so deutlich an seine Bürger appelliert. Von ihrem Mittun ist in großem Maße abhängig, wie die Corona-Pandemie im Landkreis Görlitz weitergeht. Erst am Montagabend demonstrierten wieder Corona-Skeptiker in Görlitz, an der B 96 im Süden des Kreises stehen immer noch Sonntag für Sonntag Menschen auf der Straße, die die Corona-Maßnahmen nicht zum Schutz ihrer Gesundheit ansehen. Das sind immer noch verschwindend kleine Minderheiten. Die Mehrheit, so sagt Lange, hält sich an die Regeln.

Aber klar, auch die Mehrheit feiert manchmal Geburtstag mit mehr als den jetzt festgelegten fünf Personen und zusätzlichen Kindern unter 14 Jahren oder trifft sich auf ein Bier, hält mitunter nicht ganz genau die Maskenpflicht ein. Hatte der Kreis vor einem Monat Geburtstagsfeiern im Zittauer Raum mit bis zu 90 Gästen nachzuverfolgen, so sind es jetzt kleinere, dafür aber häufigere Anlässe. "Im Schnitt sind die Kontakte reduziert", sagt Langes Sozialbeigeordnete Martina Weber, "aber sie sind trotzdem zu vielseitig und die Menschen zu viel unterwegs."

Was die Menschen in den Wohnungen machen, da sind dem Staat trotz Infektionsschutzgesetzes weitgehend die Hände gebunden. Polizisten können nicht vor allen Türen stehen und ein freiheitlicher Staat will auch nicht durch Schlüssellöcher stibitzen. Wenigstens in der Öffentlichkeit aber soll nun verstärkt das Tragen des Mundschutzes kontrolliert werden. Die Polizei habe das zugesichert, beispielsweise in Einkaufsmärkten oder auf Spielplätzen, in öffentlichen Parkanlagen oder auch in Fußgängerzonen, kündigt Lange an.

Aber vor allem sind die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden dafür zuständig. Die haben in den vergangenen Wochen sich zwar vor dieser Aufgabe nicht gedrückt, viel Elan war aber auch nicht zu erkennen. Mancher Bürgermeister hatte eher die Sorge, zum Buhmann seiner Bürger zu werden, wenn er die Politessen wegen der Maskenpflicht auf sie loslässt.

Doch nun verlangt Lange von ihnen, was der Kreis für das Gesundheitsamt und damit auch für die Einwohner des Kreises leistet. Dort sind mittlerweile 577 Mitarbeiter der gesamten Landkreisverwaltung sowie der Bundeswehr im Einsatz, um die Arbeit zu schaffen, Kontakte nachzuverfolgen, Infektionsketten zu durchbrechen. "Ich erwarte auch von den Kommunen, dass sie die Schwerpunkte ihrer Arbeit auf die Kontrollen legen". Mit anderen Worten: Städte und Gemeinden sollen andere Tätigkeiten einschränken, um die Kontrollen engmaschig zu organisieren. Statt Knöllchen an Autos zu stecken, geht es nun um Maskenpflicht auf der Berliner Straße in Görlitz, im Bad Muskauer Pückler-Park oder im Löbauer Messegelände. Eine Verstärkung durch Kreis-Mitarbeiter werde es nicht geben. "Aber der Bürger muss trotzdem spüren, dass Kontrollen unterwegs sind", sagt Lange.

Appell an die Bürger, Kontakte zu vermeiden

Mit solchen Kontrollen müssen auch jene rechnen, die trotz aller Einschränkungen zum Weihnachtseinkauf nach Dresden fahren wollen. Das ist nicht erlaubt, Einkaufsfahrten sind nur in den Landkreis Bautzen und in den Spree-Neiße-Landkreis zugelassen. "Wer mit einem GR-Kennzeichen in Dresden parkt, muss damit rechnen, darauf angesprochen zu werden, aus welchem Grund er in der Landeshauptstadt ist", sagt Lange. Straßenkontrollen im Sinne von Sperren wird es aber nicht geben. Wer in Dresden arbeitet, sollte auf jeden Fall eine Bescheinigung seines Arbeitsgebers mit dabei haben.

Was Lange mit seiner Behörde am Dienstagvormittag erläutert, was in den Verordnungen und Allgemeinverfügungen von Freistaat und Kreisen drinsteht, das ist alles unter den Landräten und mit der Regierung des Freistaates abgesprochen. In Sachsen sollen gleiche Regeln gelten in Gebieten, die schwer von der Pandemie betroffen sind. Und die Botschaft soll nicht zu überhören und auch an Eindeutigkeit nicht zu übertreffen sein: wer wieder mehr Freiheit haben will, muss jetzt Kontakte vermeiden, wo es nur geht.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier

Mehr Nachrrichten aus Zittau lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz