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Streit um Luftfilter an Dresdens Schulen

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser setzt eher auf Lüften als auf Lüfter. Der Kreiselternrat ist sauer und kritisiert das Vorgehen in einem offenen Brief.

Wie startet Dresden ins neue Schuljahr Anfang September?
Wie startet Dresden ins neue Schuljahr Anfang September? © dpa

Dresden. Die erste Woche der Sommerferien ist schon um. Bleiben noch fünf, bis das neue Schuljahr beginnt. Gleichzeitig schnellen die Corona-Infektionszahlen in Dresden wieder nach oben, die Maskenpflicht gilt ab dem Wochenende wieder, unter anderem in Geschäften. Eltern, Kinder und Lehrer schauen daher sorgenvoll auf den September. Doch passiert ist nach eineinhalb Jahren Pandemie an den Schulen nicht viel. Während das Schulverwaltungsamt den Einsatz von Lüftungsanlagen Anfang dieses Jahres noch ablehnte, plant Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) zwar nun doch deren Einsatz -aber an gerade einmal vier Schulen sollen sie eingebaut werden. Dresdens Elternvertreter sind sauer.

Im SZ-Interview hat Donhauser am Mittwoch gesagt, man sei aktuell dabei, die Schulen auf eine mögliche vierte Corona-Welle vorzubereiten. Für ihn stünden aber eher Maßnahmen wie Hygienekonzepte, Impfen, Testen und ein strenges Lüftungsregime im Vordergrund. In den Ferien würde die Stadt sich vor allem die Grundschulen ansehen, wo es schlecht belüftete Klassenzimmer gibt. Dort könnten mobile Geräte zum Einsatz kommen. Die Einschätzungen von Experten würden bei den Raumlüftungsanlagen bezüglich der Wirksamkeit weit auseinander gehen. Donhauser betont, Lüften sei das Wichtigste. Er habe kein Interesse, Geld für mobile Anlagen auszugeben, die dann ungenutzt herumstünden.

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Der Elternrat ist sauer

Der Dresdner Kreiselternrat ist sauer und wendet sich nun mit einem offenen Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), den Bildungsbürgermeister und Schulverwaltungsamtschefin Katrin Düring.

"Wir erwarten als Elternvertretung von der Stadt Dresden als Schulträger die Prüfung, ob, und wenn ja, welche Raumluftfilteranlage stationär oder mobil in Dresdner Schulen zum Einsatz kommen werden", schreiben der Vorsitzende Felix Schultze und der Verantwortliche für die Grundschulen, Stefan Kraft.

Sie erwarten als Elternvertreter von der Stadt eine Übersicht über den baulichen Zustand aller Dresdner Schulen mit Blick auf die Frage, ob und wie gut die Klassenräume gelüftet werden können. Und welche Maßnahmen die Stadt zum Schutz der Kinder plant.

Mit ihren Forderungen dürften die beiden den meisten Dresdner Eltern aus dem Herzen sprechen. "Wir fordern die Stadt Dresden auf, den Schulen, Lehrkräften und Eltern transparent mitzuteilen, wie im kommenden Herbst einer möglichen vierten Infektionswelle begegnen werden kann, und welche Maßnahmen die Stadt Dresden ergriffen hat, um mit allen Beteiligten entsprechend gut durch den Herbst zu kommen."

Das Bundesumweltamt hatte sich in einer Stellungnahme vom 9. Juli dieses Jahres für den Einsatz von mobilen und stationären Raumluftfiltern als zusätzliches Mittel zum Lüften ausgesprochen.

Was die Stadt stattdessen vorschlägt

Weder Donhauser noch Kultusminister Christian Piwarz (CDU) bekennen sich bisher klar zu den Luftfiltern in Klassenzimmern. "Das Allheilmittel, wie es gern einige hätten, wird es nicht sein", sagte Piwarz in dieser Woche der Deutschen Presse-Agentur und bremste damit zu hohe Erwartungen. Zudem warnte er vor Millionen-Investitionen, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten. "Wir haben immer gesagt, dass einfaches Lüften wesentlich effektiver ist als der Einsatz dieser Geräte."

Ähnlich hatte sich Piwarz in unserem Podcast "Politik in Sachsen" geäußert:

Bildungsbürgermeister Donhauser will nun ein sogenanntes Stressszenario für Kitas und Schulen entwickeln, wie er im SZ-Interview ankündigte. In Zusammenarbeit mit dem Freistaat soll ein Plan erstellt werden, der zeigt, wo es Defizite gibt und wo nicht. Eine Art Handlungsleitfaden, um Schließungen und auch Wechselunterricht möglichst zu vermeiden.

"Denn es versteht keiner, wenn vormittags kein Unterricht stattfindet, der Hort aber im Notbetrieb geöffnet hat", so Donhauser. Schulen und Kitas wären die am besten gesicherten Gemeinschaftseinrichtungen und es gäbe kein Gutachten, das besagt, dass die Infektionsrate in Schulen besonders hoch ist. Die Infektionen erfolgten meistens außerhalb. Tatsächlich gab es zuletzt mehrere Corona-Ausbrüche in Schulen und Kitas, zuletzt etwa am Bertolt-Brecht-Gymnasium und im Kinderhauses "Regenbogen" am Alaunpark.

Aktuell befinden sich in Dresden noch 44 Schüler in Quarantäne, die Kontakt zu einem Infizierten hatten. am Donnerstag meldete die Stadt auch einen Fall an einer Kita in Loschwitz.

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