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Oppacher leben in China fast ohne Corona

Zwei Mitarbeiter des Maschinenbauers ATN erzählen, dass vieles wieder so normal läuft wie vor der Pandemie. Manches bleibt aber wohl auch hier dauerhaft anders.

Der Oppacher Maschinenbauer ATN feierte in China kürzlich sein zehnjähriges Bestehen. Mit dabei: China-Chef Uwe Haase (im Anzug Mitte vorn) und André Pusch (links dahinter).
Der Oppacher Maschinenbauer ATN feierte in China kürzlich sein zehnjähriges Bestehen. Mit dabei: China-Chef Uwe Haase (im Anzug Mitte vorn) und André Pusch (links dahinter). © ATN

Wenn momentan Oberlausitzer von sich behaupten können, nach Corona wieder halbwegs im normalen Leben angekommen zu sein, dann gehören André Pusch und Uwe Haase definitiv dazu. Die beiden Oppacher, die für den Maschinenbauer ATN in China arbeiten, haben die zweite Corona-Welle in ihrer aktuellen Wahlheimat im fernen Osten überstanden. So wie sie dort viel früher als alle Europäer im Februar einen ersten Lockdown erlebten, sind sie nun wieder in der Normalität zurück. "Vieles ist hier wieder wie vorher: Restaurants und Fitnessclubs sind offen, man kann sich treffen und gemeinsam feiern", bestätigt André Pusch, fügt dann aber hinzu: "Was aber noch nicht so geht wie zuvor, ist das Reisen nach Europa oder gar Deutschland."

Dabei würde auch Uwe Haase, Geschäftsführer von ATN in China, gern einmal wieder in die alte Heimat zurückkehren, um einige Dinge zu erledigen. Ob er danach aber wieder so ohne Weiteres nach China einreisen dürfte, ist vage. Und selbst, wenn er wieder nach China käme, müsste er erst einmal zwei Wochen in einem chinesischen Quarantänehotel verbringen - etwas, das jeder gern vermeidet. Denn eines ist auch nach dem Abflauen der Pandemiewelle in China geblieben: allergrößte Vorsicht und ein rigoroses Eingreifen im Fall des Falles.

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Für André Pusch, der bei ATN in China arbeitet, ist inzwischen vieles im Alltag wieder normal. Manche Dinge - wie Masken und eine spezielle Corona-App werden wohl aber noch eine Weile bleiben.
Für André Pusch, der bei ATN in China arbeitet, ist inzwischen vieles im Alltag wieder normal. Manche Dinge - wie Masken und eine spezielle Corona-App werden wohl aber noch eine Weile bleiben. © ATN

Wie das aussehen kann, hat ATN in China erst vor Kurzem erlebt: "Wir haben unser zehnjähriges Firmenjubiläum hier gefeiert", erklärt Uwe Haase den Hintergrund. Eine Mitarbeiterin sei deshalb für Vorbereitungen schon früher nach Changchun geflogen, um Vorbereitungen zu treffen. In dem Flugzeug, in dem sie unterwegs war, saß ein Mann, der Corona-positiv war. Die Folge: Alle Passagiere mussten in ein Isolations-Hotel für 14 Tage. Erst nach drei Wochen - eine Woche heimische Quarantäne wurde noch angehängt - konnte die Kollegin aus dem ATN-Team wieder zur Arbeit kommen.

Da auch auf Unternehmen Konsequenzen zukommen können, wenn sie Infektionen wissentlich nicht ernst genug nehmen, verhalten sich alle enorm vorsichtig, bestätigt Uwe Haase. Generell aber - so schätzen beide Männer ein - sind in China neue Corona-Ausbrüche sehr schnell wieder unter Kontrolle, weil die jeweiligen Behörden rasch und rigoros reagieren. Treten irgendwo vier, fünf neue Fälle auf, werden teilweise ganze Viertel abgeriegelt.

Bewegungsfreiheit nur mit App

Für alle, die beruflich und privat viel unterwegs sind, wie André Pusch und Uwe Haase, ist aktuell eine App sehr wichtig, der sogenannte Green-Code. Da in China vielfach bargeldlos bezahlt wird, haben fast alle ein Smartphone und auf dem muss dieses kleine Programm sein, das wie eine Ampel funktioniert: An bestimmten Punkten - beispielsweise, wenn man ein Amt, ein Gewerbegebiet, einen Flughafen, eine Bahnstation betritt oder ein Hotelzimmer buchen will - muss man diesen Code scannen oder vorzeigen. "Zeigt er die Farbe Grün, darf man sich frei bewegen, bei Gelb oder gar Rot - zum Beispiel, weil man in einem Gebiet mit einem Corona-Ausbruch war - muss man sofort reagieren", erklärt Haase. Je nach Lage und Region muss man den Green-Code häufiger vorweisen.

Dass die App alle Bewegungen des Smartphone-Nutzers auswertet, liegt auf der Hand. Dergleichen wäre in Deutschland undenkbar, schätzen die beiden aus Erfahrung ein. In China aber gehöre es einfach dazu und ist Teil der Erfolgsstrategie im Corona-Kampf. Generell sei die Mentalität in China kaum mit Deutschland zu vergleichen - auch, was das Tragen von Masken betreffe. Unbedingt nötig ist das momentan nur noch in Verkehrsmitteln, bei Menschenansammlungen oder bei Behördengängen. "Daran halten sich alle und wenn man es vergisst, wird man sofort erinnert", skizziert Uwe Haase eigene Erfahrungen. Dennoch greifen Chinesen auch von sich aus auf eine Maske zurück, beispielsweise wenn Sie eine Erkältung haben, um andere nicht anzustecken.

Generell hat der China-Chef von ATN den Eindruck, dass einige Dinge aus der Corona-Zeit wohl dauerhaft erhalten bleiben werden: Zwar sind Treffen mit Geschäftspartnern wieder die Regel geworden, aber Videokonferenzen gebe es nach wie vor und auch häufiger als früher. Selbst den Elternabend seines Sohnes habe man letztens als Video-Sitzung abgehalten, schildert Haase, der mit einer Chinesin verheiratet ist: "Alle sind insgesamt sehr vorsichtig." Das merke man beispielsweise auch daran, dass Menschen mit fremdländischem Aussehen oft ein bisschen scheel beäugt werden. "Ja, es ist seit dem Frühjahr nicht bloß einmal vorgekommen, dass Leute einen Bogen um mich gemacht oder die Maske aufgesetzt haben", erzählt auch Pusch, den das Gefühl einer solchen Diskriminierung durchaus befremdet. "Das fühlt sich nicht gut an, aber klar, wir könnten ja gerade aus dem Ausland kommen, wo es viele Fälle gibt", sagt er.

Blick aus China auf die Oberlausitz

Die Entwicklung in Deutschland - und besonders in der Oberlausitz - verfolgen beide so gut es auf die Distanz geht. "Ich bekomme dabei auch mit, dass jede Woche Leute an der B96 stehen", sagt André Pusch. Auch bei Bekannten, mit denen er in Kontakt ist, nehme er sehr unterschiedliche Haltungen zu Corona wahr. "Ich persönlich bin kein Verfechter von Verschwörungstheorien und die Krankheit ist auch nicht nur eine normale Grippe", schätzt er für sich ein. Mit der Situation in China und den Reaktionen auf das Virus könne man die Lage in Deutschland nicht vergleichen, da sind sich beide sicher. Die Ausgangssituationen seien einfach zu verschieden.

Klar ist aber, dass die Corona-Krise dem chinesischen ATN-Standort durchaus auch Gutes gebracht hat: "Weil Experten aus Europa derzeit nicht kommen können, müssen wir uns stärker auf uns selbst besinnen und Lösungen finden, außerdem bleiben einige Aufträge direkt bei uns", erläutert der Standortleiter. Die Wirtschaft der Volksrepublik ist inzwischen wieder richtig in Schwung gekommen - und auch das merke man. Wie ATN insgesamt das Corona-Jahr wegstecke, hänge allerdings nicht von China ab, betont Haase, denn da sei man am Ende auch nur ein "Rädchen im Getriebe".

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