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Wirtschaft

Hoteliers bangen um Geschäft nach Krise

Die Pandemie schränkt Geschäftsreisen massiv ein. Manche Firmen werden auch künftig auf Trips ihrer Mitarbeiter verzichten. Das hat Folgen.

Messen werden reihenweise abgesagt, Veranstaltungen und Konferenzen finden online statt. Ein Teil des Geschäftes dürfte auch nach dem Ende der Krise nicht mehr zurückkehren.
Messen werden reihenweise abgesagt, Veranstaltungen und Konferenzen finden online statt. Ein Teil des Geschäftes dürfte auch nach dem Ende der Krise nicht mehr zurückkehren. © Andreas Arnold/dpa (Symbolbild)

Frankfurt/Main. Das bekannte Grandhotel „Hessischer Hof“ an der Frankfurter Messe hat zum Jahreswechsel dicht gemacht, die Hamburger Hotelkette Novum Hospitality bekommt Millionenhilfen aus dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Die Krise trifft Hoteliers hart: Es fehlen nicht nur Urlauber, sondern in Städten vor allem Geschäftsleute, die als besonders ausgabefreudig gelten.

Messen werden reihenweise abgesagt, Veranstaltungen und Konferenzen finden online statt. Ein Teil des Geschäftes dürfte auch nach dem Ende der Krise nicht mehr zurückkehren.

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Noch im Vorkrisenjahr 2019 ließen sich deutsche Unternehmen und öffentlichen Institutionen Trips ihrer Mitarbeiter so viel kosten wie noch nie. Die Ausgaben stiegen nach Angaben des Verband Deutsches Reisemanagement VDR gegenüber 2018 um 3,5 Prozent auf den Bestwert von 55,3 Milliarden Euro. Doch die Rekordjahre dürften erstmal vorbei sein. Der VDR rechnet mit einem Rückgang der Reisetätigkeit von Geschäftsleuten von 10 bis maximal 30 Prozent in der Zeit nach Corona.

„Ein Zurück zu 2019 wird es nicht geben“

„Die Hotelbranche steht vor einem großen Wandel. Wir rechnen damit, dass ein Teil der Geschäftsbesprechungen, Tagungen, Kongresse und Messen künftig online oder hybrid stattfinden wird“, sagt Tobias Warnecke vom Hotelverband Deutschland IHA. „Ein Zurück zu 2019 wird es nicht geben.“

Geschätzt entfielen bislang etwa 25 Prozent des Deutschland-Tourismus auf Geschäftsreisen im engeren Sinn. Hinzu kommen Messen, Kongresse und andere Veranstaltungen. „Aktuell ist die Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten für Geschäftsleute geringer. Es gibt aber immer noch Hotels, die geöffnet haben. Deren Auslastung liegt derzeit bei etwa 10 bis 11 Prozent“, sagt Warnecke.

Wie viele Hotels und Pensionen die Krise überleben ist aus seiner Sicht derzeit nicht abzusehen. „Das hängt auch davon ab, wie schnell die staatlichen Hilfen ausgezahlt werden.“ Grundsätzlich dürfte sich der Markt verändern. „In Städten, in denen es vor der Krise große Angebotsüberhänge gab, ist ein Abbau dieser zu erwarten.“ Als ein Beispiel nennt Warnecke Frankfurt, wo das wichtige Messegeschäft weggebrochen ist.

Die Unternehmensgruppe „Prinz von Hessen“ begründete ihre Entscheidung, den Hessischen Hof mit der legendären „Jimmy's Bar“ zum Jahresende zu schließen, mit schlechten Geschäftsaussichten in der Business- und Messehotellerie. „Alle Prognosen weisen klar darauf hin, dass sich die Segmente Tagungen, Messen sowie Geschäftsreisen nur sehr langfristig erholen werden und auch in den kommenden zwei Jahren mit weiterhin hohen Verlusten gerechnet werden muss“, erklärte Donatus Landgraf von Hessen, Vorstandsvorsitzender der Hessischen Hausstiftung.

Aufwand pro Reise dürfte steigen

Nach einer Umfrage des Ifo-Institutes vom Sommer halten es 57 Prozent der deutschen Unternehmen für wahrscheinlich, dass sie ihre Dienstreisen als Folge der Corona-Krise dauerhaft einschränken. An der Spitze steht die Industrie mit 64 Prozent, gefolgt von den Dienstleistern mit 60 Prozent.

Der Geschäftsreiseverband VDR erwartet zwar einen beträchtlichen Nachholbedarf an persönlichen Begegnungen. In der regelmäßigen Verbandsumfrage rechneten im Dezember aber nur noch 8,6 Prozent der Reise-Manager mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau. Die Unternehmen fahren dabei mehrheitlich auf Sicht und wollen nach dem Pandemieverlauf kurzfristig entscheiden, wann ihre Leute wieder geschäftlich unterwegs sein dürfen. Innerdeutsch wollen drei von vier Firmen wieder verstärkt aufs Auto setzen.

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Der Aufwand pro Reise dürfte steigen: Fast alle Unternehmen (90 Prozent) rechnen dem VDR-Barometer zufolge mit komplizierteren Planungen und höheren Kosten. Sie wollen in großer Mehrheit künftig genauer prüfen, welche Reisen wirklich notwendig sind. Die verringerte Reisetätigkeit könnte nach Einschätzung der Verantwortlichen auch negative Folgen für die Geschäfte haben. So rechnen rund 60 Prozent mit dem Verlust von Kunden und rund 70 Prozent mit steigenden Kosten für ihre Produkte und Dienstleistungen. (dpa)

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