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Wie Löbau den Händlern helfen will

Geschäfte und Gaststätten sind von der Corona-Krise gebeutelt. Um mehr Leute zum Einkauf in die Stadt zu locken, hat die Bürgerliste eine Idee. Es geht ums Parken.

Vorerst keine Parkgebühren: die Parkautomaten in Löbau - wie hier auf dem Neumarkt - sind verhüllt.
Vorerst keine Parkgebühren: die Parkautomaten in Löbau - wie hier auf dem Neumarkt - sind verhüllt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

"Verkaufen Sie mal jemandem, der eine Maske trägt, ein Parfüm. Das ist schon schwierig", sagt Ingo Seiler. Der Bürgerlisten-Stadtrat, der in Löbau die Wendler-Drogerie betreibt, weiß aus eigener Erfahrung, dass Kunden zurzeit wenig Lust auf einen Einkaufsbummel haben. Maskenpflicht in den Geschäften, Abstandsregeln und andere Einschränkungen machen den Einkauf schlicht nicht gerade zu einem Vergnügen. "Viele sagen uns, dass sie nur notgedrungen die wirklich wichtigen Dinge einkaufen", so der Löbauer Drogist. 

Diese Erfahrung machen viele Händler, alle sind gebeutelt vom Corona-Jahr mit den vielen Einschränkungen und zeitweisen Schließungen. Auf Anregung der Löbauer Werbegemeinschaft, dem örtlichen Verbund der Händler und Gewerbetreibenden, beantragte die Bürgerlisten-Fraktion des Stadtrates deshalb, dass die Parkgebühren in Löbau im November und Dezember ausgesetzt werden sollten. Bei der Stadt und den anderen Stadträten stießen sie dabei auf offene Ohren. Seit voriger Woche sind die Parkautomaten verhüllt, jeder kann auf den kommunalen kostenpflichtigen Parkplätzen kostenlos parken. Das betrifft etwa die Innenstadtparkplätze, wie den Neumarkt, den Platz am Rosengarten und den an der Nikolaikirche sowie zum Beispiel die Parkautomaten entlang der Bahnhofstraße und der Inneren Zittauer. Der Stadtrat stimmte in seiner Sitzung am Donnerstagabend zudem einstimmig zu, dass die Parkgebühren für zwei Monate ausgesetzt werden. 

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Parkgebühren ganz abschaffen?

Die Maßnahme soll helfen, das Weihnachtsgeschäft etwas anzukurbeln. "So können wir vielleicht einen Anreiz schaffen für Kunden aus dem Umland, nach Löbau zum Einkaufen zu fahren", sagt Ingo Seiler. Es sei ein kleiner Strohhalm und was das tatsächlich bringt, lasse sich wahrscheinlich nicht wirklich eruieren. "Aber es ist auch ein Zeichen, das die Kommune setzt zur Unterstützung der Händler und Gastronomen. "Die haben es ja zurzeit besonders schwer." Als die Bürgerliste den Antrag stellte, war vom erneuten Lockdown und der Schließung der Gaststätten noch keine Rede gewesen. Ihnen helfe das kostenlose Parken jetzt auch, wenn sie etwa Essen zum Abholen anbieten. 

Wie Stadtrat Seiler erzählt, habe es schon längere Zeit die Überlegung gegeben, die Parkgebühren in Löbau ganz abzuschaffen. "Denn viele Innenstadthändler sehen das als Standort-Nachteil gegenüber den Großmärkten, wo man kostenfrei parken kann." In anderen Städten der Region kann man generell kostenfrei parken. Ebersbach-Neugersdorf beispielsweise hat kostenlose Parkplätze in Größenordnungen, etwa in Ebersbach am Spree-Eck. Auch in Neusalza-Spremberg zahlt man auf dem Ober- und Niedermarkt keine Parkgebühren. 

Das müsse man in Löbau aber genauer untersuchen, sagt Seiler. So müsste zum Beispiel ermittelt werden, welche Aufwendungen für die Instandhaltung der Parkautomaten anfallen und welche Einnahmen dem gegenüber stehen. Auch das Verkehrskonzept in der Stadt müsse in diesem Zusammenhang unter die Lupe genommen werden. "Das ist ein langwieriger Prozess. Das hilft in der jetzigen Situation nicht." Deshalb entschied man sich jetzt dafür, die Gebühren zeitlich befristet auszusetzen. 

Ordnungsamt kontrolliert

Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) betont aber, das sei kein Freibrief, jetzt das Auto überall abstellen zu können. "Wir müssen aufpassen, dass sich jetzt nicht jeder hinstellt, wo er will." Die markierten Stellflächen seien dennoch einzuhalten. Gerade an den Markttagen sei das Park-Chaos mitunter besonders groß. "Da wird ja sogar zwischen den Marktständen geparkt. Wir werden das auch mit dem Ordnungsamt kontrollieren", kündigt Dietmar Buchholz an. 

Und er hat festgestellt: "Es scheint tatsächlich Leute zu geben, denen das nicht gefällt", merkt OB Buchholz an. Denn es habe bereits Beschwerden und kritische Nachfragen gegeben, weshalb denn die Parkautomaten verhüllt seien. "Wer Parkgebühren bezahlen möchte, kann ja das Geld ins Rathaus bringen. Wir nehmen das gern entgegen", scherzt der OB. 

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