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Pendler kritisiert: Volle Züge trotz Corona

Trotz Pandemie sind die Bahnen in Ostsachsen immer wieder überfüllt, moniert ein Bautzener, der täglich nach Dresden fährt. So reagiert die Länderbahn.

Immer wieder seien die Züge der Länderbahn zwischen Bautzen und Dresden überfüllt, ärgert sich Pendler Jörg Krenz. Das ärgert ihn - gerade angesichts Corona.
Immer wieder seien die Züge der Länderbahn zwischen Bautzen und Dresden überfüllt, ärgert sich Pendler Jörg Krenz. Das ärgert ihn - gerade angesichts Corona. © Steffen Unger

Bautzen. Dicht an dicht stehen Leute im Zug, jeder Sitzplatz ist belegt. Soweit das auf dem Foto zu erkennen ist, zieht sich das so durch den kompletten Wagen. „Gerammelt voll“, beschreibt Jörg Krenz das, was auf den Bildern zu sehen ist, die er an die Redaktion von Sächsische.de geschickt hat. Jörg Krenz ist Pendler, fährt für die Arbeit regelmäßig morgens mit dem Zug kurz nach sechs Uhr von Bautzen nach Dresden und am Nachmittag zurück. Und das, was er in der letzten Zeit immer wieder erlebt hat, macht ihn unzufrieden.

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Die Fotos stammen aus der Zeit des Jahreswechsels. Aber immer wieder sei die Bahn in den letzten Monaten deutlich überfüllt gewesen. „In der Regel fahren morgens auf der Strecke zwei Triebwagen“, sagt Krenz, „dann passt alles.“ Immer häufiger sei aber nur ein Triebwagen unterwegs gewesen. Tage, an denen sich Szenen wie die auf den Fotos ereigneten. Jörg Krenz ärgert sich auch deshalb, weil die Länderbahn seiner Ansicht nach vertragswidrig handelt, wenn sie zur Kernpendlerzeit wie um sechs Uhr nur mit einem Triebwagen unterwegs ist.

Keine Möglichkeit, Abstand zu halten

„In Coronazeiten ist es doch wichtig, Abstand zu halten“, sagt der Bautzener, „das ist in den vollen Zügen überhaupt nicht möglich.“ Bis an die Türen stünden die Leute häufig, erzählt er – „man haucht sich quasi gegenseitig in den Nacken, da fühlt man sich schon ohne Corona unwohl.“

Auch die Länderbahn hat die Kritik von Jörg Krenz erreicht. Sprecher Jörg Puchmüller ist sich jedoch sicher: „Die Züge sind keine Virenschleudern.“ Nicht umsonst gebe es in den Wagen eine Maskenpflicht. Er verweist auf eine neue Studie, die besagt, dass es kein höheres Corona-Ansteckungsrisiko in Bus und Bahn gibt. Zumindest, wenn man Regeln wie Abstandhalten und das Tragen einer Maske beachtet.

Generell sei die Auslastung der Länderbahn in Zeiten von Corona deutlich niedriger als üblich. Sie liege derzeit bei etwa 50 Prozent des Normalbetriebs bis zu zwei Dritteln in Spitzenzeiten. Meistens sei es also nicht zu eng in den Zügen.

Jeden Tag ist eine Bahn zur Durchsicht

Dass Situationen wie die auf den Fotos für Unzufriedenheit sorgen, versteht Puchmüller. Das Problem: Es könne nicht wegen Corona ein größeres Angebot an Bahnen zur Verfügung gestellt werden. „Wir haben ja nicht plötzlich doppelt so viele Züge.“ Denn wenn nur ein Triebwagen fährt statt zwei, liege das meistens an einem Mangel an Bahnen.

„Die Länderbahn hat zwei Reservefahrzeuge im Ostsachsennetz, aber es kommt vor, dass die beiden nicht reichen“, erklärt Jörg Puchmüller. Das könne beispielsweise passieren, wenn ein Fahrzeug nach einem Unfall repariert werden muss. Denn generell sei stets eine Bahn pro Tag bei der technischen Durchsicht.

Außerdem werden derzeit nach und nach die Triebwagen modernisiert. „Alle fünf bis sechs Wochen kommt ein neues Fahrzeug aus dem Umbau“, erklärt Puchmüller. Die Bahnen bekommen zum Beispiel neue Sitze und werden mit LED-Licht ausgestattet.

490 Ausfälle allein im Monat März

Dass Triebwagen wegen Unfällen ausfielen, sei in der letzten Zeit tatsächlich auch mehrfach passiert. So habe es vor Kurzem einen Wildunfall gegeben. Und im Februar stieß ein Trilex-Zug in Neusalza-Spremberg mit einem Lkw zusammen, gleich zwei Triebwagen mussten daraufhin zur Reparatur. Sie fielen bis Mitte beziehungsweise Ende März aus.

Was das in Zahlen bedeutet, erklärt Christoph Mehnert, Stellvertreter des Geschäftsführers vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon): Im März meldete die Länderbahn dem Zvon 490 Ausfälle von insgesamt rund 3.000 Fahrten. Das klingt viel. „Der März war aber auch ein Extrembeispiel“, relativiert Christoph Mehnert; eben wegen der beiden durch den Unfall ausgefallenen Triebwagen. Außerdem ziehe nicht jeder Triebwagenausfall einen übervollen Zug nach sich.

Der Zvon wertet die überfüllten Züge als Einzelfälle. „Wir verstehen die Kritik und wollen sie nicht kleinreden“, sagt Mehnert. Aber das Problem sei eben nicht so einfach zu lösen.

Im Dezember kommen zwei neue Triebwagen

Und die Sache mit dem von Jörg Krenz kritisierten Vertragsbruch? Tatsächlich werde die Länderbahn zu einigen Fahrzeiten, wenn sie mit einem statt mit zwei Triebwagen fährt, dem Vertrag mit dem Zvon nicht gerecht. „Für die Nicht-Leistung bekommt sie dann weniger Geld“, erklärt Christoph Mehnert.

Indes könnte sich die Lage Ende des Jahres etwas verbessern. Im Dezember bekommt die Länderbahn zwei neue Desiro-Triebwagen. Die sollen zwischen Bischofswerda und Görlitz eingesetzt werden und sind besser kombinierbar als die derzeit dort fahrenden Regioshuttles. So können sie flexibler im Fahrplan eingesetzt werden und sollen helfen, Kapazitätslücken zu schließen. Außerdem haben sie mehr Sitzplätze.

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