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Hier soll der Schnelltest zur Eintrittskarte werden

Wie kann Tourismus in der Pandemie funktionieren? In einem Pilotprojekt wird im sächsischen Augustusburg getestet, wie Lockerungen möglich sein könnten.

Testen statt abwarten: Die Stadt Augustusburg bei Chemnitz will mit einem touristischen Modellprojekt einen Weg aus dem Corona-Lockdown finden.
Testen statt abwarten: Die Stadt Augustusburg bei Chemnitz will mit einem touristischen Modellprojekt einen Weg aus dem Corona-Lockdown finden. © Wolfgang Thieme/dpa (Archiv)

Augustusburg. Lust auf einen Ausflug nach Augustusburg? Mit Abendessen im Restaurant und einem Museumsbesuch? Das könnte bald möglich sein. Die Eintrittskarte heißt: negativer Schnelltest. Die Stadt will ein Pilotprojekt starten, mit dem sie zeigen will, wie mit Hilfe von Schnelltests Gastronomie, Läden und Hotels wieder öffnen könnten.

Die Idee: jeden Bürger und Besucher auf Corona testen. Mit einem negativen Testergebnis erhält man eine digitale Eintrittskarte, entweder aufs Smartphone oder als analoge Gästekarte. Mit dieser Eintrittskarte kann man Geschäfte und Gaststätten besuchen, unter Einhaltung von Hygienekonzepten. Der Gast scannt die Lokale, die Betriebe haben eine lückenlose Dokumentation, wer bei ihnen war. Die Karte ist drei Tage gültig, danach muss sie mit einem weiteren Schnelltest erneuert werden.

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Corona-Tests und Nachverfolgung

„Die Strategie ist: Getestete Menschen treffen auf getestete Menschen“, sagte Bürgermeister Dirk Neubauer (SPD) am Dienstag. Deswegen sollen auch alle Mitarbeiter der Betriebe in der Gastronomie und Tourismuswirtschaft getestet werden. „Das ist die Bedingung, damit sie mitmachen können“, sagte Neubauer, „dass sie sich unserem Testregime unterwerfen“. Der überwiegende Teil der Unternehmen sei dazu bereit. Auch mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband gebe es Absprachen zum Projekt.

Bei Veranstaltungen, in Theatern und Kinos soll die digitale Eintrittskarte mit dem Warnbuzzer – ähnlich wie die Corona-Warn-App – verknüpft werden. So könnte man alle Kontakte digital nachverfolgen, falls doch mal jemand durch das Testraster rutscht. Schließlich sind Tagestourismus und to-go-Geschäfte auch weiterhin ohne Test möglich.

In der ersten Phase müssen die Tests zwingend im Testzentrum der Stadt gemacht werden. Bis zu 500 Termine seien pro Wochenende möglich. Zum Vergleich: Normalerweise kommen etwa 10.000 Besucher pro Woche in die Stadt.

Dirk Neubauer (SPD) ist Bürgermeister der Stadt Augustusburg.
Dirk Neubauer (SPD) ist Bürgermeister der Stadt Augustusburg. © dpa

Das Schnelltestzentrum wird schon aufgebaut und könnte ab 8. März einsatzbereit sein. Am Dienstag wurden 21 Augustusburger vom Deutschen Roten Kreuz zu Schnelltestern ausgebildet – auch sie wären bereit. „Wir könnten spätestens am 14. März mit den Tests starten“, sagte Neubauer.

Voraussetzung ist allerdings ein Kabinettsbeschluss an diesem Freitag. In der neuen Corona-Verordnung sollen Rahmenbedingungen festgelegt werden, unter denen solche Feldversuche möglich sind. Dafür habe der Bürgermeister auch schon Gespräche mit dem Wirtschafts- und Sozialministerium geführt – die Signale seien sehr gut. Der Freistaat stellt Augustusburg kostenfreie Schnelltests zur Verfügung.

„Ich bekomme aber kein Herzdrücken, wenn es eine Woche später losgeht“, sagte Neubauer. Etwa zehn Tage brauchen die Unternehmen, um ihren Betrieb aufzunehmen, etwa Personal aus der Kurzarbeit holen, Einkäufe erledigen.

Oberwiesenthal nächstes Reiseziel

Für den Bürgermeister ist das Pilotprojekt vor allem eins: Vorsorge. „Ich möchte ein System haben, das wir im nächsten Herbst benutzen können, falls wir darauf angewiesen sind.“ Damit es auch bei eventuell wieder steigenden Infektionszahlen nicht wieder zum kompletten Lockdown kommen muss. „Zahlreiches Testen ist der Schlüssel“, sagte Neubauer.

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Auch Oberwiesenthal plant ein ähnliches Projekt, damit die Tourismusbetriebe zu Ostern wieder öffnen können. Für den Kurort geht es vor allem um Urlauber. Damit die sich sicher fühlen, soll das Personal in den Unternehmen regelmäßig getestet werden. „Wir wollen als sicheres Reiseziel gelten“, sagte Jens Ellinger, der Geschäftsführer des Ferienparks Elldus-Resort.

Denn es gebe neben der Pandemie noch einen zweiten Feind: „Die Angst“, sagte Dirk Neubauer. Die Tourismuswirtschaft wird um Vertrauen werben müssen.

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