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Pirna: Weihnachtliches Menü von Azubis

Die Gastronomie im Landkreis braucht Nachwuchs. Doch der steckt mitten in der Corona-Krise. Es gibt Lichtblicke. Ein Hotel in Pirna zeigt, wie es geht.

Die Auszubildenden Kevin Fiebig und Benjamin Tausche bereiten das Menü vor.
Die Auszubildenden Kevin Fiebig und Benjamin Tausche bereiten das Menü vor. © Karl-Ludwig Oberthür

Restaurants und Bars dürfen nicht öffnen, Hotels und Ferienunterkünfte sind geschlossen. Das Personal bummelt zum Teil die Überstunden vom Sommer ab oder ist in Kurzarbeit. Aber was ist mit den Auszubildenden in der Hotel- und Gastronomiebranche? Denn ohne Gäste bleibt die Küche kalt, das Restaurant im Dunkeln und die Rezeption im Hotel verwaist.

Die Azubis stecken in der Corona-Krise fest, keine Ausbildung, keine Praxiseinsätze. Restaurant die kein Essen to go anbieten, haben ihre Küchen vorläufig stillgelegt. Also auch keine Chance für Koch-Azubis oder angehende Restaurantfachleute, ihr Wissen zu stärken und zu erweitern. Und dabei wird genau dieses gut ausgebildete Personal gebraucht. Das weiß Katja Riedel, Ausbilderin im Romantik-Hotel Deutsches Haus in Pirna ganz genau. "Eine Branche, die von Gästen lebt ist leblos in diesen Zeiten. Als Ausbildungsbetrieb ist es aber wichtig auch an morgen zu denken. Die heutigen Azubis sind unsere Fachkräfte von morgen, denn wir wollen alle auch in zehn Jahren noch essen gehen und in Hotels übernachten", sagt Katja Riedel.

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Eigenes Lockdown Azubi-Menü kreiert

Im Romantik-Hotel direkt am Pirnaer Markt duftet es lecker. In der Küche brutzeln die beiden Kochazubis Kevin Fiebig und Benjamin Tausche am Azubi-Menü. Das ist eine Idee von Katja Riedel, die sie gemeinsam mit ihren sechs Lehrlingen entwickelt hat, um die jetzige schwierige Zeit sinnvoll für die Ausbildung nutzen zu können. Denn lernen möchten die jungen Leute schon etwas in ihrer dreijährigen Ausbildung. Sie wollen sich erproben und kreative neue Ideen entwickeln. Mangels eigener Gäste setzten die Auszubildende im Romantik-Hotel auf die Pirnaer, auf Privatleute, auf Firmen und andere Geschäftskunden. Um für die Aktion zu werben, wurden einige Flyer gedruckt, die die Azubis auch eigenhändig verteilt haben - Marketing in der Corona-Krise eben.

Das weihnachtliche Lockdown-Menü haben die Auszubildenden selbst kreiert. Für sie ist es wichtig, weiter lernen zu können, aber auch für das gesamte Gastrogewerbe ist der Nachwuchs enorm wichtig.
Das weihnachtliche Lockdown-Menü haben die Auszubildenden selbst kreiert. Für sie ist es wichtig, weiter lernen zu können, aber auch für das gesamte Gastrogewerbe ist der Nachwuchs enorm wichtig. © Karl-Ludwig Oberthür

Um die Gaumen der Kunden zu verwöhnen, wurde ein "Azubi-Menü" entwickelt, welches auf Weihnachten einstimmt und jeder seinen Beitrag leisten kann. Das Menü wird ausschließlich von den auszubildenden Köchen unter Begleitung der Hotelfachleute zubereitet und präsentiert. Jeder könne die Lehrlinge unterstützen, ob aus der Firma, dem Homeoffice oder einfach nur so, sagen die jungen Leute vom Romantik-Hotel. Mit jeder Bestellung würden sie ihnen ein Fünkchen mehr Hoffnung geben, die Eigenverantwortung und das selbstständige Handeln fördern. "Und ganz nebenbei werden mit jeder Bestellung auch die vielen regionalen Produzenten unterstützt und ihnen Mut zum Durchhalten gemacht", sagt Katja Riedel.

Drei-Gänge-Menü für 22 Euro

Passend zur Weihnachtszeit haben die sechs Azubis ihr Drei-Gänge-Menü gestaltet. Als Vorspeise gibt es einen fruchtigen Winterrohkostsalat, als Hauptgang gefülltes Schweinefilet mit Lebkuchensoße und Mini-Spekulatiusklößen. Und als Nachtisch wird ein Stück P(b)irnsche Torte angeboten. Das ganze Menü kostet 22 Euro pro Person. Bestellt werden kann einfach per Telefon oder auf der Homepage des Hotels. Um alles genau kalkulieren zu können, muss das Menü einen Tag vorher bis 16 Uhr bestellt werden. Wichtig zu wissen ist, dass es dieses spezielle Menü nur Mittwoch und Donnerstag sowie sonnabends und sonntags gibt, unabhängig von den anderen to go Speisen.

"Dieses Angebot gilt auf alle Fälle zusätzlich zu unseren To-go-Speisen bis Weihnachten. Wir hoffen nicht, dass es noch ein Frühlingsmenü geben muss", sagt Katja Riedel. Vorausschauend wird sie dieses mit ihren Auszubildenden trotzdem entwickeln, sozusagen für den Fall der Fälle.

Ausbilderin Katja Riedel (hinten links) und Chefkoch Sven Petzold wissen, wie wichtig die Azubis für die Zukunft in der Gastrobranche sind.
Ausbilderin Katja Riedel (hinten links) und Chefkoch Sven Petzold wissen, wie wichtig die Azubis für die Zukunft in der Gastrobranche sind. © Karl-Ludwig Oberthür

Hotel- und Gaststättenverband: Genau der richtige Weg

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Bei Experten wie dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) kommen solche Aktionen gut an, vor allem auch, weil der Betrieb damit sein künftiges Personal stärken und halten kann. "Der Erhalt der Ausbildungsverhältnisse ist für die Zukunft unserer Branche existenziell, schließlich wird es auch eine Zeit nach der Corona-Krise geben, in der die Branche die jungen Fachkräfte brauchen", heißt es von dem Verband. Selbst wenn Gaststätten und Hotels nach dem 10. Januar wieder öffnen dürfen, könnte auch der Neustart für Azubis schwierig werden. Auch in einer späteren Phase der Lockerungen werden das Geschäft und damit die Ausbildungsaktivitäten der gastgewerblichen Betriebe nur eingeschränkt möglich sein, davon geht zumindest der Verband aus. Solche Ideen wie aus dem Romantik-Hotel Deutsches Haus in Pirna könnten durchaus noch Nachahmer finden oder andere Häuser zu eigenen kreativen Ideen anregen, sozusagen als Anleitung für Wege aus der Krise.

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