merken
PLUS Pirna

Pirna: Die Angst vorm Ladensterben

Mehrere Stadträte fordern vom Rathaus ein Corona-Hilfspaket für Einzelhandel und Gastronomie - damit die Vielfalt in der Innenstadt erhalten bleibt.

Schaufenster-Aufschrift in der Schuhgasse: Viele Geschäfte halten den Lockdown nicht mehr lange durch.
Schaufenster-Aufschrift in der Schuhgasse: Viele Geschäfte halten den Lockdown nicht mehr lange durch. © Daniel Förster

Die Corona-Pandemie hat den Pirnaer Einzelhändlern, Gastronomen und Dienstleistern - vor allem in der Innenstadt - bislang übel mitgespielt. Im vergangenen und auch in diesem Jahr mussten sie ihre Geschäfte und Lokale monatelang schließen, das umsatzstarke Weihnachtsgeschäft ging nahezu vollständig flöten.

Zwar gibt es Hilfen für die Händler, beispielsweise die Pirnaer Gutschein-Aktion oder das Bestell- und Abholmodell "Click & Collect". Doch das alles macht den erlittenen Umsatzverlust bei weitem nicht wett. Angesichts dessen halten viele Geschäfte den Lockdown nicht mehr lange durch.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

Pirna ist in dieser Hinsicht kein Einzelfall. Bundesweit geht die Sorge um, dass die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen ein großes Ladensterben nach sich ziehen könnte.

Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer und zwei Amtskollegen formulierten diese Sorge kürzlich in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Man fürchte, heißt es darin, dass zahlreiche Betriebe nicht mehr öffnen können, wenn es ihnen denn endlich wieder erlaubt sei. Das Sterben der Innenstädte sei in vollem Gange, es drohten Leerstände und öde Schlafstädte.

Auf Lockerungen zu warten, reicht nicht

Die Wählervereinigung "Pirna kann mehr" (PKM) teilt diese Befürchtungen. PKM-Stadtrat Thomas Mache fordert daher in einem Gemeinschaftsantrag mit der AfD-Fraktion und den beiden Abgeordneten der Pirnaer Bürgerinitiativen Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) auf, in den nächsten Ratssitzung umfassend Bericht zu erstatten, wie es um die Lage der Gewerbetreibenden in Einzelhandel, Dienstleistung und Gastronomie in Pirna bestellt ist.

"Es reicht nicht, einfach passiv auf den Sonnenstein, nach Dresden oder nach Berlin zu schauen und auf Lockerungen zu warten. Wem unsere bisher so lebendige Innenstadt wirklich am Herzen liegt, der muss einfach sichtbar mehr Engagement zeigen", sagt Mache.

Die Antragsteller wollen daher vom Rathauschef detailliert wissen, ob und welche Maßnahme-Pakete die Stadt vorbereitet hat, um es im Falle gelockerter oder ganz aufgehobener Lockdown-Einschränkungen den Gewerbetreibenden in der Innenstadt sofort so leicht wie möglich zu machen, erfolgreich neu durchzustarten.

Niemand will leere Gassen

Ebenso wollen die Räte wissen, welche Gespräche es dazu bereits gab und welche Ideen und Vorschläge diesbezüglich von den Betroffenen an die Stadt herangetragen wurden.

Wichtig sei zudem, ob die Stadt Erhebungen angestellt hat, wie es um die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Gewerbler tatsächlich bestellt ist - also inwiefern Überbrückungshilfen, Kredite oder andere staatliche Hilfen beantragt und ausgezahlt wurden.

Entscheidend sei auch, wie die Gewerbetreibenden selbst beurteilen, ob die Hilfen ausreichend seien, um ihnen das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Dies alles müsse geklärt werden. Schließlich wolle man in Zukunft, so Mache, nicht von leeren und toten Gassen oder reihenweise Vermietungsschildern in den Schaufenstern überrascht werden.

Gutscheine initiiert, Gebühren erlassen

Ganz untätig war die Stadt in dieser Hinsicht bislang nicht. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 beispielsweise räumte das Rathaus den Gastronomen am Markt zusätzliche Außenflächen ein, damit sie trotz des geforderten Mindestabstandes ihre Tische und Stühle in gewohnter Zahl aufstellen konnten.

Auch erließ die Stadt den Gewerbetreibenden im vergangenen Jahr die sogenannte Sondernutzungsgebühr, die sie üblicherweise hätten Zahlen müssen, wenn sie zum Beispiel Werbeschilder oder Tische und Stühle auf öffentlichem Grund aufstellen.

Im Dezember 2020 initiierte der Verein "Citymanagement Pirna" gemeinsam mit der Stadt die Pirnaer Gutschein-Aktion, mit der inzwischen über 100.000 Euro Kaufkraft in Pirna gebunden werden konnten.

Pirna bezuschusste die Gutschein-Aktion mit 10.000 Euro, damit sie sich technisch realisieren lässt.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna