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"Ohne Online-Geschäft wäre es wirklich schwierig"

Wegen 2G konzentriert sich eine Pirnaer Einzelhändlerin verstärkt auf das Geschäft im Netz. Ihren Laden in der Altstadt will sie dennoch weiterführen.

Von Mareike Huisinga
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Katrin Seifert-Delank ist Inhaberin von dem Bekleidungsgeschäft Crazy Curvy in Pirna.
Katrin Seifert-Delank ist Inhaberin von dem Bekleidungsgeschäft Crazy Curvy in Pirna. © Daniel Schäfer

Leicht hat es Katrin Seifert-Delank nicht. Im August 2020 eröffnete sie ihr neues Bekleidungsgeschäft Crazy Curvy für Frauen mit Kurven in der Schössergasse und rasselte kurze Zeit später gleich in den Lockdown. Seit Ende des vergangenen Jahres gilt die 2G-Regelung im Einzelhandel, wovon sie erneut betroffen ist. Nur Geimpfte und Genese dürfen das Geschäft betreten. Aber Aufgeben kommt für die Pirnaer Unternehmerin nicht infrage. Sie hat sich andere Kanäle gesucht, wie sie ihre Ware an die Kundin bringt. Ein Mutmacher-Interview.

Frau Seifert-Delank, derzeit ist Ihr Geschäft Crazy Curvy in der Schössergasse in der Pirnaer Altstadt geschlossen. Aber Sie bieten nach vorheriger Terminabsprache privates Shoppen an. Warum?

Da ich das Geschäft alleine betreibe, musste ich mich kümmern. Wegen der aktuellen 2G-Regelung kam immer weniger Laufkundschaft, und die Nachfrage über die Onlinekanäle stieg. Auch die Anfrage nach privatem Einkaufen wurde immer mehr angefragt, da dies mit flexiblen Zeiten, beispielsweise auch nach 18 Uhr, möglich ist. Das führte dann dazu, dass sich eine reguläre Öffnung tagsüber einfach nicht mehr lohnte. Deshalb habe ich reagiert.

Wie lief Ihr Weihnachtsgeschäft?

Auch überwiegend über das Netz. Ich mache viel über die sozialen Medien, wie zum Beispiel Instagram und Facebook. Dadurch habe ich einen erweiterten Kundenstamm. Neue Käufer kommen auch aus größerer Entfernung dazu. Ich möchte betonen, dass ich ja während der Pandemie eröffnet habe, sodass ich auf keinen vorhandenen Kundenstamm zugreifen konnte und sich bisher generell noch kein großer Kundenstamm entwickeln konnte.

Welche finanziellen Einbußen haben Sie seit 2G im Einzelhandel?

Das kann ich gar nicht sagen. Dadurch, dass ich während der Pandemie eröffnet habe, habe ich bisher noch kein vollständiges Jahr erleben dürfen. 2020 gab es kein Weihnachtsgeschäft wegen des Lockdowns, 2021 war auch durch den langen Lockdown geprägt und der Weihnachtsmarkt wurde erneut abgesagt. Somit habe ich keinen Vergleich zu anderen Jahren.

Sind Sie gefrustet?

Das wäre jetzt zu stark beschrieben. Grundsätzlich bin ich ein positiv denkender Mensch und schaue optimistisch in die Zukunft. Mut machen mir auch meine Kundinnen, die mich zum Durchhalten auffordern. Diese positive Resonanz tut mir gut und bestärkt mich.

Welche finanziellen Hilfen bekommen Sie vom Staat?

Aktuell keine. Kurzarbeit kann ich nicht beantragen, und ob ich Überbrückungsgelder erhalte, steht noch nicht fest.

Kommen Sie denn überhaupt finanziell über die Runden? Schließlich laufen Ladenmiete und die Betriebskosten ja weiter ...

Ja, aber nur, weil das Online-Shopping funktioniert. Sonst wäre es wirklich schwierig. Ich biete auch Videotelefonie, um die Kundinnen individuell zu beraten und alle anzusprechen, ohne jemanden auszuschließen, der 2G nicht erfüllen kann. So kann ich ganz persönlich mit ihnen in Kontakt treten. Und außerdem: Wer jetzt auf eine persönliche Beratung und Anprobe besteht, der kann ja auch nach Absprache zu mir ins Geschäft kommen. Das geht dann allerdings nur unter 2G, was ich natürlich überprüfe. Für diejenigen, die 2G nicht erfüllen können, biete ich einen Lieferservice in der Umgebung von Pirna, sodass die Kleidung dann daheim anprobiert werden kann und bei einer Retoure haben wir dann immer gemeinsame Lösungen gefunden.

Haben Sie auch schon mal daran gedacht, Ihren Laden aufgrund der Pandemie und den daraus folgenden Einschränkungen komplett zu schließen?

Nein, das ist für mich keine Option. Ich halte an meinem Bekleidungsgeschäft in der Schössergasse fest. Ich vermute, ebenso denken die meisten anderen Einzelhändler in der Innenstadt von Pirna. Sonst würde ja auch ein enormer Leerstand drohen. Es geht hier auch um Solidarität.

Haben Sie persönlich Verständnis für die aktuellen Corona-Schutzmaßnahmen?

Dazu möchte ich mich nicht äußern.

Welche Pläne gibt es konkret für das Crazy Curvy?

Seit dem 10. Januar biete ich Winterschlussverkauf, sodass ich an drei Tagen regulär geöffnet habe. Auf ausgewählte Ware biete ich einen Preisnachlass um bis zu 50 Prozent an. Parallel dazu läuft das Onlinegeschäft.