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Pirnaer Hausarzt: Impfen im Akkord

Der Andrang Impfwilliger in der Praxis von Dr. Lard Dwaronat ist groß, Termine sind rar. Kollegen, die nicht impfen, kritisiert er scharf.

Der Pirnaer Hausarzt Dr. Lard Dwaronat: Impfen ist der einzige Ausweg aus dieser Pandemie.
Der Pirnaer Hausarzt Dr. Lard Dwaronat: Impfen ist der einzige Ausweg aus dieser Pandemie. © Daniel Schäfer

Seitdem auch Hausärzte Vakzine gegen Covid-19 verabreichen dürfen, herrscht in der Praxis von Dr. Lard Dwaronat in Pirna-Copitz eine Art Ausnahmezustand. Das Impfinteresse und der Andrang Impfwilliger ist groß, der Allgemeinmediziner befindet sich quasi im Dauerimpf-Modus. "Derzeit läuft es wie Bombe", sagt er.

Die ersten 400 Dosen des Hersteller Astrazeneca waren schnell weg, auch anderes Serum wurde rasch knapp. Nachschub ist geordert und unterwegs, der Impffluss soll möglichst nicht unterbrochen werden.

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Wenn es geht, versucht Dwaronat, die normalen Arztkonsultationen seiner Patienten gleich mit der Spritze zu verbinden. Denn reine Impftermine sind bei ihm schwer zu haben. Doch so gut es geht, werden die Piks-Bereiten zwischen andere reguläre Termine geschoben. Denn bei dem Hausarzt gilt die Maxime: Je mehr geimpft sind, desto besser.

"Zu mir kommen in der Regel gut informierte und aufgeklärte Patienten", sagt Dwaronat, "die sich auch nicht von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern aus der Ärzteschaft abschrecken lassen." Gleichwohl bereitet ihm dieser Umstand zunehmend Sorgen und Probleme.

Kritik an nichtimpfenden Ärzten

Verstärkt häufen sich Anfragen von Menschen, die keine Patienten in seiner Praxis sind - entweder, weil sie keinen Termin im Impfzentrum bekommen oder weil deren Hausärzte den Piks verweigern. "Vor allem Letzteres ärgert mich sehr", sagt der Mediziner.

Von den schätzungsweise 50.000 Hausarztpraxen in Deutschland würden seiner Kenntnis nach fast 10.000 nicht gegen Covid-19 impfen. Diesen Zustand kritisiert er scharf.

Aus seiner Sicht seien Hausärzte kraft ihres Berufes und ihres Eides zum Impfen verpflichtet. Eigentlich, sagt Dwaronat, dürften sie Impfwilligen die Spritze nicht verweigern.

Natürlich gestehe er jedem Mediziner zu, bestimmte Therapieformen kritisch zu betrachten und zu hinterfragen. Unerträglich aber werde es, wenn diejenigen Ärzte sich weit von wissenschaftlich und medizinisch fundierten Aussagen entfernen und dann per Flyer oder Wartezimmer-TV ihre Patienten negativ beeinflussen, um die bundesweite Impfkampagne zu boykottieren.

Unterlassene Hilfeleistung?

"Für mich ist unverständlich, dass uns einige Ärzte mit Verschwörungen und kruden Theorien weiter in der Geiselhaft der Pandemie halten", sagt Dwaronat. Das sei zum einen sehr unkollegial. Und andererseits habe der Umstand, dass einige Hausärzte nicht impfen, gegenüber den Patienten den Anstrich einer unterlassenen Hilfeleistung.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ging kürzlich mit der impfverweigernden Ärzteschaft noch härter ins Gericht. Ein Arzt, sagt er, müsse sich entscheiden, ob er Verschwörungstheorien propagiere oder aber weiter als Arzt tätig sein wolle.

Wer Verschwörungstheorien verbreite, so Lauterbach, dem müsse die Approbation entzogen werden. Dann seien sie nicht mehr gefährlich.

Virus-Mutationen können Embolien auslösen

Für Dwaronat ist Impfen das einzige probate Mittel, dieser Pandemie zu entkommen, der einzige Ausweg zurück in ein halbwegs normales Leben.

Vor allem vor dem Hintergrund der brasilianischen und indischen Virusmutationen werde das Impfen noch bedeutsamer. Denn laut Dwaronat seien diese Viren wesentlich aggressiver als frühere Varianten und führten bei Infizierten zunehmend zu schweren Verläufen.

Besonders groß, so der Mediziner, sei dabei die Gefahr einer Gefäßverstopfung, eine sogenannte Embolie. Die Wahrscheinlichkeit, dass mit einer Virus-Mutation Infizierte eine solche Embolie erleiden, liege bei etwa 20 Prozent.

War früher eher von Mikroembolien die Rede - also Gerinnsel, die kleine Gefäße verstopfen - so seien inzwischen auch größere Blutgefäße davon betroffen. Eine solche Embolie führt in den meisten Fällen zum Tod.

Nach der Impfung: Thrombose-Risiko ist gering

Allerdings kann es auch nach einer Coronaschutzimpfung zu einer sogenannten Sinusvenenthrombose kommen. Dabei verstopft ein Gerinnsel eines der großen venösen Blutgefäße im Kopf. Sie kann vor allem nach einer Impfung mit dem Vakzin von Astrazeneca, aber auch bei allen anderen Impfstoffen auftreten.

Ein Warnsymptom bei Geimpften dafür können bis dato unbekannte Kopfschmerzen sein, die laut Dwaronat etwa drei bis sieben Tage nach der Impfung auftreten.

Jedoch liege die Wahrscheinlichkeit, nach einer Impfung eine solche Sinusvenenthrombose zu bekommen, zwischen 1:100.000 bis 1:150.000. Somit sei das Risiko, nach einer Impfung eine Sinusvenenthrombose zu bekommen, wesentlich geringer, als eine Thrombose nach einer Corona-Erkrankung zu bekommen.

Das bestätigt auch eine Studie der Universität Oxford. Demnach sei das Risiko, eine Sinusvenenthrombose zu entwickeln, nach einer Covid-19-Infektion um ein Mehrfaches höher als nach einer Covid-19-Impfung.

Zudem, sagt Dwaronat, sei eine Sinusvenenthrombose nach einer Impfung in den meisten Fällen gut behandelbar. Treten die Symptome auf, sollten Betroffene ohne Panik einen Arzt aufsuchen. Mit eiweißauflösenden und blutverdünnenden Medikamenten lasse sich der Pfropfen in der Ader meist auflösen.

Auch der Krankenhaus-Konzern "Helios" bestätigt, dass sich Sinusvenenthrombosen in den meisten Fällen erfolgreich behandeln lassen.

Herdenimmunität im Sommer?

Somit setzt Dwaronat weiter aufs Impfen, wenn nötig, bis in den Herbst hinein. Für die Sommerferien hat er einen Vertretungsarzt für seine Praxis organisiert, damit der Impfrhythmus nicht unterbrochen werden muss.

Wer zu ihm zur Erstimpfung kommt, bekommt gleich den Termin für den Folgepiks. Der Impfstoff-Nachschub werde sichergestellt.

Der Mediziner rechnet zudem damit, dass, dass in naher Zukunft weitere Impfstoffe auf den Markt kommen, die dem individuellen Bedarf gerecht werden. Er hofft auch, dass in Kürze weitere Fachärzte, beispielsweise Gynäkologen, dazu berechtigt werden, gegen das Coronavirus zu impfen.

Wer zum Impfen kommt, sollte laut Dwaronat mindestens die 14 Tage vor dem Termin infektfrei gewesen sein, weil man nicht in einen Infekt hineinimpfe.

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Grundsätzlich hält es der Mediziner für immens wichtig, in den kommenden Wochen und Monaten bundesweit möglichst alle Gesunden durchzuimpfen. "Gelingt das", sagt Dwaronat, "können wir möglicherweise schon im Sommer eine Herdenimmunität erreichen."

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