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Kliniken in Polen senden Notruf

Die Lage in den Grenzgebieten zu Sachsen ist zwar stabil. Aber vor allem in Schlesien steigen die Neuinfektionen auf traurige Rekorde.

Die Lage in Polen ist dramatisch.
Die Lage in Polen ist dramatisch. © dpa/Patrick Pleul

Seit 29. März steckt Polen in seinem Oster-Lockdown gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. Vor Ostern verzeichnete Polen mit 35.000 Neuinfektionen am 1. April einen neuen Höchststand. Polen hat rund 38 Millionen Einwohner. Auf die Bevölkerungszahl von Deutschland gerechnet wären das hierzulande 75.000 Infektionen - an einem Tag. Deshalb reagiert Polen nun und verlängert den Lockdown um eine Woche bis 18. April.

Demnach bleiben Kitas und Schulen geschlossen, Friseure und Kosmetikstudios ebenso. Auch alle Geschäfte ohne Waren für den täglichen Bedarf sind dicht, das trifft auch auf Hotels, Museen und Kinos sowie Theater zu.

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Schwerpunkte sind nicht so sehr die Grenzregionen zu Sachsen. In den Kreisen Zgorzelec, Bunzlau, Sagan und Sorau meldeten die Gesundheitsämter am Donnerstag zwischen 36 und 54 Neuinfektionen. Die Woiwodschaft Niederschlesien registrierte insgesamt 2.299 neue Fälle. Vor allem in den Woiwodschaften Schlesien, Masowien mit Warschau , Kleinpolen um Krakau sowie Großpolen um Poznan, verläuft die Pandemie stärker als in Niederschlesien. Am Donnerstag wurden landesweit rund 28.000 neue Fälle verzeichnet.

Kliniken kommen an ihre Grenzen

Zunehmend kommt das Gesundheitswesen an seine Grenzen. Nach Angaben des polnischen Ministerpräsidenten sind gegenwärtig 78 Prozent aller Betten für Covid-19-Patienten belegt, 79 Prozent der Atemgeräte auf den Intensivstationen sind im Einsatz. Gegenwärtig werden 34.864 Covid-Patienten in den Krankenhäusern behandelt, 3.362 von ihnen werden künstlich beatmet. Vor zwei Wochen lagen diese Zahlen deutlich geringer. Da bei einer Covid-19-Infektion eine bis zu drei Wochen vergehen, ehe der Krankheitsverlauf eine Einweisung in ein Krankenhaus erforderlich macht, rechnet die Landesregierung mit einer weiteren Verschärfung der Lage. Das polnische Gesundheitswesen kämpfte bereits vor der Pandemie mit Problemen und galt als nicht so leistungsfähig wie beispielsweise das deutsche.

Besonders oft betroffen 40- bis 50-Jährige

Im Schwerpunkt-Krankenhaus Boleslawiec seien momentan 140 Betten für Covid-Patienten belegt, die Kapazität der Einrichtung für weitere Aufnahmen werde bis zur Grenze des Möglichen durch Zusammenlegen von Abteilungen ausgelastet, sagte Krankenhausdirektor Kamil Barczyk einem regionalen Onlineportal. „Waren es im vergangenen Jahr noch die über 70-Jährigen, so sind es jetzt die 40- und 50-Jährigen, die intensivmedizinisch betreut werden müssten. Es werden ganze mit dem Virus infizierte Familien bei uns eingeliefert.“

Nach seiner Beobachtung sei die rasante Zunahme an Neuinfizierungen auf leichtfertiges Verhalten und Ignorieren der Gefährlichkeit des Virus und der damit verbundenen Ansteckungsgefahren zurückzuführen. Dass jetzt in der dritten Welle jüngere Patientengruppen betroffen seien, liege auch daran, dass eine große Gruppe von Senioren bereits die zweite Impfung erhalten habe und damit in gewisser Weise gegen das Virus immun sei. Probleme haben junge beruflich aktive Menschen, die sich während der Arbeit oder im Urlaub anstecken und dann das Virus in ihre Familien hineintragen“, so der Krankenhausdirektor.

954 Tote an einem Tag - ein neuer trauriger Rekord

Auch wenn die Senioren mit Impfungen besser geschützt sind, nimmt die Zahl der Todesfälle nach einer Coronavirus-Infektion in Polen zu. Am Donnerstag meldeten die Behörden binnen eines Tages 954 Tote - den höchsten Wert seit Beginn der Pandemie.

Ein Sprecher des Ministeriums sagte, in die Zahlen seien 350 Menschen eingerechnet, die in der Zeit von Karfreitag bis Ostermontag gestorben seien und deren Tod erst mit Verzögerung gemeldet worden sei. "Wir müssen aber sicherlich mit einem steigenden Trend bei den Todesfällen rechnen." Dies ergebe sich aus der wachsenden Zahl der Covid-Patienten mit schweren Verläufen, die einen Klinikaufenthalt benötigen.

Das Gesundheitssystem könne bei der Versorgung der Covid-Patienten in den Krankenhäusern bald an seine Grenzen kommen, warnte der Sprecher. Man bereite sich weiter darauf vor, Patienten aus dem besonders betroffenen Schlesien in Kliniken in anderen Regionen zu verlegen.

Die Bundesregierung hat Polen als Hochinzidenzgebiet eingestuft. In dieser Kategorie finden sich Länder und Regionen wieder, in denen die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche über 200 liegt. Die Einreise aus dem Nachbarland ist nur noch mit einem negativen Corona-Test erlaubt. Es gibt nur wenige Ausnahmen noch im kleinen Grenzverkehr. Die Grenze beispielsweise in Görlitz/Zgorzelec trennt beide Länder momentan so stark wie seit 1990 nicht mehr. (mit dpa)

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