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Sachsen

Politik in Sachsen - die Morgenlage

+ Warum hinkt Sachsen beim Impfen hinterher? + Sachsens Handwerker werden immer teurer + Weltärztepräsident für Teil-Impfpflicht +

Das Löbauer Impfzentrum ist fast leer - warum ist die Impfbereitschaft in Sachsen so niedrig?
Das Löbauer Impfzentrum ist fast leer - warum ist die Impfbereitschaft in Sachsen so niedrig? © Kahnert/dpa

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Offene Türen am Zootag
Offene Türen am Zootag

Am 19. September 2021 können Besucher auch einen Blick in die Futtermeisterei im Zoo Dresden werfen.

Guten Morgen,

Horror-Papier, Panikmache, Lockdown statt Freiheit: Die Schlagzeilen zum Papier des Robert Koch-Instituts haben es in sich. RKI-Chef Lothar Wieler plädiert darin dafür, auch in Zukunft die Sieben-Tage-Inzidenz als Leitindikator für das Pandemiegeschehen zu verwenden.

Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche wird auch in Zukunft ein Richtwert bleiben. Sie ist wichtig, um die Situation rechtzeitig erkennen und dann auch darauf reagieren zu können. Denn steigende Infektionszahlen lösen etwas aus: Je mehr Menschen sich infizieren, desto mehr Menschen können schwer erkranken. Die Inzidenz völlig zu ignorieren wäre ein Fehler – sie ist ein Frühwarnsystem. Allein genügt sie aber nicht. Die Zahlen aus den Krankenhäusern müssen viel stärker berücksichtigt werden.

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) erklärte die Frage, welche Bedeutung die Inzidenz künftig haben soll, zum Richtungsstreit. Bund und Länder sollen bis zur nächsten Ministerkonferenz am 10. August entscheiden, welches Ziel sie verfolgen: eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern oder die Nachverfolgung der Infektionen sichern und dafür die Inzidenz niedrig halten? Jede Infektion vermeiden zu wollen, ist aber ohne dauerhafte Kontaktverbote und massive Freiheitseinschränkungen unmöglich. Das passt nicht mit einer Rückkehr zur Normalität zusammen. Zu der gehören nämlich auch Treffen mit Familie und Freunden und eine Teilhabe am öffentlichen Leben: mit Restaurants, Clubs, Konzerten, Fußballspielen.

Das Virus wird aber nicht verschwinden, wir müssen lernen, damit zu leben. Ziel der politischen Entscheidungen kann es deswegen nur sein, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Mittlerweile stecken sich hauptsächlich die Jüngeren an, die (noch) keinen vollständigen Impfschutz haben. Auch bei ihnen gibt es schwere Verläufe der Krankheit. Sind sie erstmal im Krankenhaus, bleiben sie dort länger – vielleicht auf der Intensivstation. Auch eine längere Behandlungsdauer belastet das System. Jeder Erwachsene hat aber die Möglichkeit, sich vor einem schweren Verlauf der Erkrankung zu schützen – mit einer Impfung. Das würde auch dem Gesundheitssystem helfen.

Ihre Andrea Schawe
Politikredakteurin bei Sächsische.de

Die wichtigsten News am Morgen

+++ Warum hinkt Sachsen beim Impfen hinterher? +++

Sachsen ist bundesweit abgeschlagenes Schlusslicht beim Impfen (Eine Übersichtskarte finden Sie hier). Das Sozialministerium des Freistaates begibt sich nun auf die Suche nach Gründen - und nennt mehrere mögliche Ursachen. Bei manchen Menschen würden wohl die derzeit niedrigen Inzidenzen und eine damit verbundene Sorglosigkeit eine Rolle spielen. Die Impfung werde gedanklich auf die Zeit nach den Sommerferien geschoben, heißt es. Auch durch die derzeitige Befreiung der Testpflicht ist der Anreiz, sich Impfen zu lassen, nicht mehr so groß. Gleichzeitig stellt das Ministerium klar: Einen Mangel an Impfstoff gibt es derzeit in keinem Landkreis mehr.

Laut Sozialministerium haben auch soziale Medien einen Anteil an der Entwicklung. Desinformationen im Zusammenhang mit der Impfung würden zu einer Verunsicherung führen. Ein weiterer Grund könnte der Umstand sein, dass sich Leute auf andere verlassen nach dem Motto "Wenn viele andere sich impfen lassen, muss ich selbst es nicht tun". Außerdem verwies das Ministerium auf eine Studie mit dem Ergebnis, dass gerade in Ostsachsen besonders vielen Impfskeptiker zu Hause seien.

Am Mittwoch meldete Sachsens Gesundheitsministerium 74 neue Corona-Infektionen. Vor einer Woche waren es noch 27 neue Fälle gewesen, also 47 weniger. Insgesamt sind damit seit Beginn der Pandemie in Sachsen offiziell 286.572 Infektionen nachgewiesen worden. Am Mittwoch wurden zudem 2 weitere Todesfälle gemeldet. Insgesamt starben 10.127 Menschen im Freistaat an oder in Zusammenhang mit Covid-19. Am Mittwoch übersprang mit Leipzig nach Dresden die zweite sächsische Großstadt die 10er-Inzidenz-Marke. Sinken die Zahlen nicht wieder, kehrt in beiden Städten die Maskenpflicht beim Einkaufen zurück.

+++ Weltärztepräsident für Teil-Impfpflicht +++

Der Hamburger Radiologe Frank Ulrich Montgomery ist der Präsident des Weltärztebundes und hat im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie, über die heikle Debatte der Impfpflicht gesprochen. Eines stellt er sofort klar: "Ich halte eine generelle Impfpflicht für alle Menschen in Deutschland für nicht durchsetzbar", allein schon aus Verfassungsgründen. Stattdessen solle es eine Teil-Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen geben, zum Beispiel für die Pflege und medizinische Berufe. Für alle, die direkten Kontakt zu Patienten haben, solle die Impfung verpflichtend werden. Solch ein Modell wurde in Frankreich unlängst beschlossen.

Ähnlich argumentiert Montgomery bei Lehrern und Erziehern - schließlich haben die konstant Kontakt zu Kindern unter 12 Jahren, die sich, aufgrund mangelnden Impfstoffs, noch gar nicht immunisieren lassen können. Ein Vorschlag, der nicht nur in Sachsen auf wenig Gegenliebe stoßen dürfte. Erst am Mittwoch hatte Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) einer Impfpflicht für Lehrkräfte eine Absage erteilt. Er sagte, dass er zwar wenig Verständnis für impfunwillige Lehrer und Erzieher habe, sich ihm bei einer Impfpflicht "aber einiges sträubt".

Darüber hinaus äußert sich Montgomery zur globalen Corona-Lage und schaltet sich in die Inzidenz-Wert-Debatte ein. Den ganzen CoronaCast hören Sie auf Sächsische.de oder überall dort, wo es Podcasts gibt.

+++ Warum Sachsens Handwerker immer teurer werden +++

Erst Corona, dann Hochwasser: Handwerker werden derzeit immer gefragter - und damit teurer. Insbesondere am Bau und im Ausbau seien die Bücher voll, heißt es von der Dresdner Handelskammer auf Sächsische.de-Anfrage, wenn auch nicht mehr ganz so extrem wie noch vor Monaten. Je nach Branche, Betrieb und Coronaschutzregeln gibt es große Unterschiede. Während der Bau am Limit arbeitet, sind Friseure, Goldschmiede, Fotografen, Maßschneider zu gut zwei Dritteln ausgelastet.

Gleichzeitig fehlt Material. Und was knapp ist, wird entsprechend teurer. Preisschwankungen bei Holz, Stahl, Dämmstoffen und lange Lieferfristen machen vor allem dem Bau zu schaffen. Unterbrochene Lieferketten sowie der Boom in China und den USA sind Auslöser für Engpässe und Teuerung. Mögliche Gegenmaßnahmen sieht die Handwerkskammer in der Förderung regionaler Zulieferketten.

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