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Sachsen

Politik in Sachsen - die Morgenlage

Intensivpatienten zu 90 Prozent ungeimpft +++ Kommunen sollen Weihnachtsmärkte absagen +++ Ärzte fordern Impfpflicht ab 16 +++ Sachsen mit Infektionsrekord.

Auf Sachsens Intensivstation liegen hauptsächlich ungeimpfte Menschen.
Auf Sachsens Intensivstation liegen hauptsächlich ungeimpfte Menschen. © dpa-Zentralbild

Guten Morgen,

Es fühlt sich ein bisschen an wie verkehrte Welt: Sachsen Gesundheitsministerium hat am Mittwoch so viele neue Corona-Fälle gemeldet wie noch nie seit Beginn der Pandemie im März 2020. Binnen eines Tages wurden 6.412 Neuinfektionen registriert. Mehrere Schulen mussten vorübergehend schließen. Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen steigt – Sachsens Krankenhausgesellschaft rechnet damit, dass demnächst wieder Patienten in andere Bundesländer verlegt werden müssen, weil kein Bett mehr auf der Intensivstation frei ist.

Die Lage in Sachsen ist dramatisch. Wer jetzt noch darauf hofft, dass der Freistaat irgendwie glimpflich durch den Winter kommt, ist mehr als blauäugig. Die Situation wird sich so schnell nicht bessern – sie wird wohl eher noch schlimmer. Das liegt vor allem daran, dass Sachsen immer noch Schlusslicht bei den Impfungen ist. Derzeit kann nicht mal der Bedarf gedeckt werden, den es gibt. Impfwillige müssen weggeschickt werden, Hausärzte vergeben nur spärlich Termine oder haben keinen Impfstoff zur Verfügung.

Gleichzeitig appellieren die Bürgermeister von Pirna, Annaberg, Freiberg, Freital, Grimma, Marienberg, Meißen, Olbernhau, Riesa, Schneeberg, Schwarzenberg und Torgau an die Landesregierung, sicherzustellen, dass die Weihnachtsmärkte in diesem Jahr auf jeden Fall stattfinden können. In der Dresdner Innenstadt wird auch schon fleißig der Striezelmarkt aufgebaut. Dort können sich dann Tausende bei Glühwein und Stollen versammeln. Alles dafür tun, dass die Menschen ihre Kontakte reduzieren? Fehlanzeige.

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Ihre Andrea Schawe
Politikredakteurin Sächsische.de

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Die wichtigsten News am Morgen:

+++ Corona-Intensivpatienten zu 90 Prozent ungeimpft +++

85 bis 90 Prozent der Coronapatienten auf Intensivstationen sind ungeimpft. Das ergaben Recherchen von Sächsische.de in sächsischen Krankenhäusern. Die jüngsten Erkrankten sind zwischen 30 und 40 Jahre alt, die ältesten über 80. Grund sind schwere Formen von Lungenversagen, zusammen mit Störungen der Blutgerinnung sowie Leber- und Nierenversagen. 26 von 71 Kliniken geben zudem an, keine Intensivpatienten mehr aufnehmen zu können. Auf den Normalstationen sind etwa 70 Prozent der Patienten ungeimpft. Die vollständig geimpften Personen auf Intensivstationen hätten meist ein hohes Lebensalter und/oder schwere Vorerkrankungen, heißt es aus den Erzgebirgskliniken.

+++ Kommunen sollen freiwillig auf Weihnachtsmärkte verzichten +++

Die Staatsregierung hatte in ihrer letzten Corona-Verordnung "landestypische Veranstaltungen" wie Weihnachtsmärkte auch bei steigenden Inzidenzen erlaubt. Doch nun fordert sie die Kommunen auf, freiwillig auf Weihnachtsmärkte zu verzichten. Der Sächsische Städte- und Gemeindetag ist empört. Die Kommunen bereiten sich schon lange auf die Weihnachtsmärkte vor - auch weil die Staatsregierung deren Ermöglichung ausdrücklich zugesichert hatte. Mehrere Oberbürgermeister haben eine öffentliche Erklärung an die Landesregierung abgegeben. Auch in Dresden ist der Striezelmarkt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wie der Tourismusverband darum kämpft, lesen Sie hier.

+++ So viele neue Corona-Fälle in Sachsen wie noch nie +++

Sachsen Gesundheitsministerium hat am Mittwoch so viele neue Corona-Fälle gemeldet wie noch nie seit Beginn der Pandemie im März 2020. Binnen eines Tages wurden 6.412 Neuinfektionen registriert. 4.469 Fälle waren vor genau einer Woche gemeldet worden. Zudem wurden 49 weitere Todesfälle registriert, die im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung stehen. Seit Beginn der Pandemie im März 2020 haben sich in Sachsen 359.910 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, 10.465 starben. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Freistaat lag mit 459,4 niedriger als noch am Dienstag (483,7). Sachsen liegt damit weiter an der Spitze der deutschen Bundesländer, weist zudem die niedrigste Impfquote auf.

Alle Entwicklungen in der Corona-Pandemie lesen Sie in unserem kostenlosen Newsblog.

+++ Landesärztekammer fordert Impfflicht für alle ab 16 +++

Erik Bodendieck, Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, hat den Worst Case in der Corona-Pandemie für Sachsen festgestellt. Die Inzidenzen, die geringe Impfquote und die Belegung der Krankenhausbetten seien eindeutige Fakten, teilte er bei der 65. Kammerversammlung der sächsischen Ärzte mit. Und weiter: "Diese Lage muss wieder ausschließlich vom gesamten medizinischen Personal gemanagt werden." Laut Bodendieck fehle es schon jetzt an einer ausreichenden Zahl an Mitarbeitern in Praxen und Kliniken. Die Prognosen zur Bettenauslastung seien erschreckend. Sachsen solle deshalb den landesweiten Katastrophenfall ausrufen.

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