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Polizei ermittelt gegen Winfried Stöcker

Der Görlitzer Kaufhaus-Besitzer Stöcker hat einen Antigen-Test gegen Corona entwickelt. Bei sich und anderen schlug er gut an. Jetzt gibt es Ärger mit Behörden.

Winfried Stöcker beim Neujahrsempfang in Görlitz. Ihm gehört das Jugendstilkaufhaus.
Winfried Stöcker beim Neujahrsempfang in Görlitz. Ihm gehört das Jugendstilkaufhaus. © Archiv: Nikolai Schmidt

Gegen den Görlitzer Kaufhaus-Besitzer und Arzt Winfried Stöcker ermittelt das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein.

Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz. Das berichtet das Hamburger Magazin "Spiegel" in seiner jüngsten Ausgabe. Hintergrund für das Verfahren sind Stöckers Antigen-Behandlungen gegen das Coronavirus.

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Zunächst hatte sich Stöcker, dem bis 2017 die Firma Euroimmun mit Standorten in der Oberlausitz gehörte und der heute noch ein Labor bei Lübeck führt, im Frühjahr vergangenen Jahres selbst mit einem Antigen gegen das neuartige Virus gespritzt. Anschließende Untersuchungen hatten bei ihm Antikörper festgestellt und damit eine Immunität gegen das Coronavirus. Darüber berichtete damals auch die SZ.

Virologen bestätigen Immunreaktion bei Stöcker

In den Wochen danach ging es immer wieder um die Frage, ob Stöckers Selbstversuch die Grundlage für eine Impfung der breiten Bevölkerung sein könne. Doch schien es so, als wenn Stöcker eine Untersuchung seines Vorgehens durch die staatlichen Stellen, vor allem das Paul-Ehrlich-Institut, nicht anstrebe. Das Ehrlich-Institut in Hessen ist für die Zulassung von Impfstoffen in Deutschland zuständig.

Jetzt aber machte er öffentlich, dass er sich sowohl an die Virologen Christian Drosten und Hendrick Streeck als auch an das Paul-Ehrlich-Institut wandte. Drosten und Streeck fanden Stöckers Ansatz interessant, Tests bestätigten auch, dass Stöckers Selbstversuch zu einer Immunisierung geführt hatte. Zu einer umfassenden Begutachtung kam es aber nicht, erklärte nun Christian Drosten von der Charité gegenüber dem Spiegel.

Anfang September schrieb daraufhin Stöcker an den Chef des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek. Stöcker wollte dessen Zustimmung, seine Antigen-Immunisierung an Hunderten Freiwilligen vorzunehmen. Was zwischen dem Paul-Ehrlich-Institut und Stöcker verabredet wurde, ist bis heute umstritten.

Paul-Ehrlich-Institut mit Zweifel an Stöckers Vorgehen

Nicht umstritten ist, wie die Anzeige gegen Stöcker ins Laufen kam: durch das Paul-Ehrlich-Institut selbst. Dessen Präsident Cichutek schrieb an das Landesamt für soziale Dienste in Kiel: "Es besteht aus Sicht des PEI der Verdacht strafbaren Handelns." Cichuteks Verdacht: Stöcker habe sein Antigen als Impfstoff eingesetzt, ohne zuvor eine erforderliche Genehmigung eingeholt zu haben. Daraufhin erstattete das Landesamt für soziale Dienste Strafanzeige beim Landeskriminalamt, um weitere Versuche mit dem Antigen-Stoff zu verhindern.

Stöcker nahm sich daraufhin den bekannten Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki, der auch Vize-FDP-Vorsitzender ist und Stöcker schon bei anderen Verfahren in der Vergangenheit vertreten hatte. Er sieht die Sache ganz anders: Es sei keine Herstellungserlaubnis nötig, weil er das Antigen im Rahmen "individueller Heilversuche" gespritzt habe.

Wolfgang Kubicki ist stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und Rechtsanwalt.
Wolfgang Kubicki ist stellvertretender Bundesvorsitzender der FDP und Rechtsanwalt. © Archiv: Philipp von Ditfurth/dpa

Alle Versuche doch noch zu einer Verständigung von Paul-Ehrlich-Institut und Stöcker zu kommen, seien nach Darstellung des "Spiegels" gescheitert. Stöcker wolle jetzt die Rezeptur seines Antigens ins Internet stellen, dann könnte jede Pharmafirma es herstellen. Ärzte könnten es dann Patienten spritzen - aber nur als individuelle Heilbehandlung, weil es offiziell nicht zugelassen ist.

Kann Stöckers Antigen die Lösung sein?

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Stöcker ist sich aber sicher, dass mit seinem Antigen, dessen Produktion weitaus weniger aufwendig als die bisherigen Impfstoffe gegen Corona sei, weite Teile der Bevölkerung schnell geimpft werden könnten. Bei ihm und rund 60 Freiwilligen hätte die Impfung zudem kaum Nebenwirkungen gezeigt, nur ein paar Reizungen an der Einstichstelle. Für ihn wichtiger: 90 Prozent seiner Freiwilligen entwickelten Antikörper in hoher Konzentration gegen das Coronavirus.

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