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Polizei rechtfertigt Einsatz bei Märchenfest

Viele empfinden das Durchgreifen gegen eine Weihnachtsveranstaltung in Poppitz als überzogen. Riesas Revierchef ist anderer Meinung.

In Riesas Ortsteil Poppitz hatte eine Familie auf ihrem Gehöft eine Märchenwelt aufgebaut und für Sonntag zum Spaziergang durch selbige eingeladen. Außerdem gab es Glühwein und Weihnachtssnacks. Bis die Polizei kam.
In Riesas Ortsteil Poppitz hatte eine Familie auf ihrem Gehöft eine Märchenwelt aufgebaut und für Sonntag zum Spaziergang durch selbige eingeladen. Außerdem gab es Glühwein und Weihnachtssnacks. Bis die Polizei kam. © Fotos: S. Schultz/C. Hübschmann, Montage: SZ

Riesa. Der Leiter des Riesaer Polizeireviers Andreas Wnuck hat Kritik am Einsatz der Polizei vom Sonntag in Poppitz zurückgewiesen. Nach Angaben der Dresdner Polizeipressestelle vom Montag hatten dort am späten Nachmittag 36 Beamte eine privat organisierte Adventsveranstaltung auf einem alten Bauernhof aufgelöst, die von mehr als 100 Menschen besucht worden war.

Die Polizei hatte das Geschehen als unzulässigen Weihnachtsmarkt gewertet, die Veranstalterfamilie hingegen von einem "märchenhaften Spaziergang" vor allem für Kinder gesprochen, der mit Behörden wie der Stadtverwaltung abgestimmt gewesen sei. Es habe auch ein Hygienekonzept gegeben, auf dessen Einhaltung man am Sonntag geachtet habe.

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Polizeirevierchef Andreas Wnuck machte am Dienstag deutlich, dass Veranstaltungen nicht das Gebot der Stunde seien und von der Corona-Schutz-Verordnung letztlich auch untersagt. Das Hygienekonzept der Organisatoren stamme zudem vom September, also aus einer Zeit mit viel geringerem Corona-Infektionsgeschehen als im Moment. Auf dem Gelände in Poppitz, auf dem auch Glühwein und Snacks verkauft wurden, hätten sich mehr als 100 Personen aufgehalten. Eine erste Schätzung sei gar von 150 Menschen ausgegangen. Abstandsregeln einzuhalten sei vor dem Hintergrund kaum möglich gewesen. Auch habe es Besucher ohne Mund-Nasen-Schutz gegeben.

"Unübersichtliche Lage"

Den Eindruck der Veranstalterfamilie, wonach die am Sonntag zuerst vor Ort eingetroffenen Riesaer Revierbeamten kein Problem mit dem Geschehen hatten, wies Andreas Wnuck zurück. "Das war mitnichten so." Vielmehr hätten seine Kollegen wegen der unübersichtlichen Lage die Unterstützung der Bereitschaftspolizei angefordert.

Weil bis zu deren Eintreffen einige Besucher gingen und es unverhältnismäßig gewesen wäre, diese aufzuhalten, seien letztlich Ordnungswidrigkeitsanzeigen gegen die verbliebenen Besucher gestellt worden, erklärte der Revierchef. Konkret gehe es dabei um unzulässige Zusammenkünfte. Auf die Organisatoren kämen Anzeigen wegen des Durchführens verbotener Veranstaltungen zu. Laut Bußgeldkatalog könnte das für Besucher 150 Euro Bußgeld bedeuten, für Organisatoren 500 Euro. Das Verfahren obliegt dem Landratsamt als zuständiger Bußgeldbehörde.

Der Leiter des Riesaer Polizeireviers Andreas Wnuck.
Der Leiter des Riesaer Polizeireviers Andreas Wnuck. © Eric Weser

Wie der Revierchef weiter sagte, seien zudem auch zwei Anzeigen wegen Beleidigung gegen seine Kollegen gestellt worden. Eine davon betreffe eine Person aus dem Kreis der Veranstalter.

Die Organisatoren hatten indes mit Blick auf die Veranstaltung vom Sonntag die Auffassung vertreten, nichts Unrechtes getan zu haben. Unterstützung erhielten sie von vielen Kommentatoren in den sozialen Netzwerken. Andere bewerteten das Ausrichten der Veranstaltung unter den derzeitigen Umständen als naiv bis gefährlich – trotz gut gemeinter Absicht.

Stadt verweist auf Eigenverantwortung

Fragen wirft indes auf, dass es offenbar noch in der Woche vor dem Ereignis Absprachen zwischen Veranstalter und Stadtverwaltung gegeben hatte. Das hatte das Rathaus bereits gestern bestätigt. Warum man dort nicht von der Veranstaltung abgeraten hat? "Die Stadtverwaltung hat versucht, die Veranstalter vor der Durchführung zu beraten, um gerade die Händler in schwieriger Zeit noch so weit, wie es irgendwie möglich ist, zu unterstützen", sagte Stadtsprecher Uwe Päsler dazu am Dienstag auf eine entsprechende SZ-Nachfrage. "Zur kompletten Absage aufzufordern, war deshalb nicht unsere Intention. Die Einhaltung der gültigen Vorschriften ist dafür aber natürlich absolute Bedingung!"

In den letzten mündlichen Absprachen habe man die Veranstalter zudem "eindeutig darauf hingewiesen ..., den Verkaufscharakter in den Vordergrund zu stellen, weil Einkaufen ein triftiger Grund des Hausverlassens ist, eine Märchenveranstaltung aber nicht", so der Stadtsprecher. Auch auf die notwendige Zugangskontrolle habe die Stadt hingewiesen. Ferner heißt es aus dem Rathaus, habe man den Veranstaltern empfohlen, auf Werbung zu verzichten, um möglichen Besucherandrang zu vermeiden. Zugangskontrollen habe es aber nach Kenntnis der Stadt zu keinem Zeitpunkt gegeben. Zudem sei unter anderem in den sozialen Medien und per Flyer geworben worden.

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Im Rathaus sieht man letztlich auch die Besucher in der Verantwortung. Demnach sei "jeder mündige Bürger dazu angehalten, sich als potenzieller Besucher spätestens am Hoftor nochmals zu überlegen, ob er sich jetzt mit seiner Familie wirklich unbedingt noch zu den Menschengruppen dazugesellen muss", so Stadtsprecher Uwe Päsler.

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