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Tschechien erwägt Kauf von russischem Impfstoff

Die Lieferung der EU-Impfstoffe geht Prag nicht schnell genug. Versuche, weitere Dosen zu kaufen, scheiterten. Sputnik V könnte die Lücke nun füllen.

Der russisische Corona-Impfstoff Sputnik V ist nicht in der EU zugelassen. Tschechien erwägt trotzdem den Ankauf des Vakzins, um die Impfungen zu beschleunigen.
Der russisische Corona-Impfstoff Sputnik V ist nicht in der EU zugelassen. Tschechien erwägt trotzdem den Ankauf des Vakzins, um die Impfungen zu beschleunigen. © Pavel Golovkin/AP/dpa

Von Hans-Jörg Schmidt, Korrespondent in Prag

Angesichts der nur stockenden Impfstofflieferungen im Rahmen der EU hat Tschechien versucht, bei zwei Pharmafirmen zusätzlich Impfstoff zu bekommen. Und das unter Umgehung der Union. Das räumte der gesundheitspolitische Berater der tschechischen Regierung, Roman Prymula, am Mittwoch in einem Interview der Internetplattform Novinky.cz ein.

Die Namen der beiden Pharmafirmen, mit denen die EU große Verträge geschlossen hatte, wollte Prymula nicht nennen: „Lieber nicht. Es war ein Versuch zu sehen, ob es möglich ist, das System zu umgehen. Beide Unternehmen lehnten das ab“, sagte Prymula.

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In dem Interview plädierte Prymula, der im vergangenen Jahr für einen Monat selbst tschechischer Gesundheitsminister war, für den Ankauf des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V. Der ist in der EU bislang aber nicht zugelassen.

Ungarn erteilt Sputnik V Notfallgenehmigung

Allerdings wäre hier auch ein nationaler Alleingang europäischer Länder möglich. Ungarn hat gerade als erstes EU-Land den russischen Impfstoff in einer Menge gekauft, die für die Immunisierung von einer Million Menschen ausreichen soll.

Die ungarischen Behörden hatten zuvor eine Notfallgenehmigung für den Einsatz des russischen Impfstoffs erteilt. Laut Vorschrift der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA können nationale Behörden in Dringlichkeitssituationen selbst entscheiden, welche Impfstoffe sie freigeben.

Prymula sagte, der ungarische Weg wäre auch für sein Land denkbar. Auf die Frage, ob der russische Impfstoff zuverlässig und sicher sei, sagte der studierte Epidemiologe: „Nach dem, was wir bisher wissen, scheint es so.“ Er habe aber die Ergebnisse einer großen Studie noch nicht gesehen, fügte er hinzu.

Roman Prymula war im letzten Jahr Gesundheitsminister in Tschechien, konnte sich aber nur einen Monat im Amt halten. Der Epidemiologe war von einem Boulevardblatt abgelichtet worden, wie er nachts ohne Maske ein Restaurant verließ.
Roman Prymula war im letzten Jahr Gesundheitsminister in Tschechien, konnte sich aber nur einen Monat im Amt halten. Der Epidemiologe war von einem Boulevardblatt abgelichtet worden, wie er nachts ohne Maske ein Restaurant verließ. © Michal Kamaryt/CTK/dpa

Angst, dass die Tschechen aufgrund bestimmter Vorbehalte gegenüber einem russischen Impfstoff nicht an einer Immunisierung mit ihm interessiert sein könnten, habe er nicht, sagte Prymula weiter: „Ich bin sicher, dass sich Menschen finden, die sich dafür entscheiden. Es wäre ja auch kein dominantes Angebot, sondern ein zusätzliches, da die russischen Produktionskapazitäten nicht so groß sind wie die bei einigen großen Pharmakonzernen.“

Gesundheitsminister lehnt russischen Impfstoff ab

Prymula zufolge sollte auch über den chinesischen Impfstoff Sinopharm nachgedacht werden, mit dem bereits eine relativ große Masse von Menschen geimpft worden sei. „Dieser Impfstoff hat den Reiz, dass er wahrscheinlich kein Problem mit Mutationen haben wird. Andererseits ist seine Wirkung kürzer als die anderer Impfstoffe. Das bedeutet, dass er etwa alle sechs Monate erneut geimpft werden müsste. Dies ist natürlich ein Handicap.“

Prymulas Nachfolger im Amt des Gesundheitsministers, Jan Blatný, hat den Einsatz des russischen Impfstoffs Sputnik V abgelehnt. Prymula sagte dazu, jeder habe seine eigene Meinung darüber. Er werde darüber nicht entscheiden, aber in jedem Fall mit Premierminister Andrej Babiš darüber diskutieren.

In Tschechien sind bislang etwas mehr als 220.000 Impfungen verabreicht worden, 97 Prozent von Pfizer/BioNTec, der Rest von Moderna.

Der anfängliche Widerwillen der Tschechen gegen die Corona-Impfungen macht indessen einer offenbar wachsenden Impfbereitschaft Platz. Nach einer repräsentativen Umfrage der Agentur Median unter mehr als 1.000 Bewohnern der Hauptstadt Prag wollten sich 65 Prozent immunisieren lassen. Das sind mehr als in früheren Umfragen. 26 Prozent lehnten eine Impfung ab. Die übrigen neun Prozent waren in dieser Frage noch unentschieden.

Fast jeder zehnte Tscheche ist inzwischen infiziert

Derzeit leidet der gesamte Impfprozess unter den zu geringen Lieferungen an Impfstoff aus dem großen Pharmakonzernen. Die Krankenhäuser sind deshalb nach Angaben des Hörfunkssender Radiožurnal vom Gesundheitsministerium angewiesen worden, Erstimpfungen zu stoppen und Vorräte für die nach einem gewissen Zeitraum erforderlichen Zweitimpfungen zu bilden. Der Vorsitzende des zentralen Krisenstabes, Innenminister Jan Hamáček, sagte am Mittwoch, dass der Mangel an Impfstoffen noch zwei Wochen anhalten werde.

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