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Prag will Generation 60+ zum dritten Mal impfen

Kein neuer Lockdown in Tschechien, Deutschland seit Montag Hochrisikogebiet, kleiner Grenzverkehr ausgenommen - alles zur aktuellen Lage in Tschechien.

Die derzeitige günstige Covid-Lage spielt der Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babiš politisch in die Hände.
Die derzeitige günstige Covid-Lage spielt der Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babiš politisch in die Hände. © CTK

Wenn das Wetter so gut wäre wie die derzeitige Pandemielage, dann herrschte über ganz Tschechien eitel Sonnenschein. Die landesweite Inzidenz, die die wöchentliche Zahl der Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner angibt, ist von Sonntag 13 auf heute 12 gesunken. In der vergangenen Woche wurden 60 Erkrankte in Kliniken behandelt, am Wochenende waren es weniger als 50. In einem schwierigen Zustand befanden sich lediglich neun Patienten.

Die gute Bilanz wird vor allem auf die Impfungen zurückgeführt. 53,2 Prozent der 10,7 Millionen Einwohner sind durchgeimpft. Über 111.000 Menschen haben einen Impftermin und über 229.000 Menschen sind registriert und warten auf den Termin. So beteiligen sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Montag 6,273 Millionen Menschen oder 58,6 Prozent der Gesamtbevölkerung an der Impfung. Ziel ist es, bei mindestens 70 Prozent der Bevölkerung eine vollständige Impfung zu erreichen.

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Und die Regierenden wollen mehr: Risikopatienten und die Generation 60+ sollen eine dritte Immunisierung erhalten. Dafür kann man sich ab dem 20 September anmelden. Die Impfungen sollen frühestens acht Monate nach der zweiten Impfung erfolgen.

Tests bleiben kostenlos

Generell können sich jetzt mit dem Einverständnis der Eltern auch Kinder und Jugendliche ab dem Alter von 12 Jahren immunisieren lassen. In der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren erhalten knapp 126.000 Kinder zwei Tage vor Schulbeginn Anfang September mindestens eine Impfdosis, das sind 27,5 Prozent der Bevölkerung in diesem Alter. Fast 10.000 Kinder haben zudem einen Impftermin, weitere knapp 7.000 sind angemeldet und warten auf den Termin. Kinder, die nicht geimpft sind oder nicht erkrankt sind, werden bei der Rückkehr in die Schule wiederholt getestet.

Stichwort Tests: die werden auch ab September kostenlos bleiben. Die Regierung hatte ursprünglich geplant, nach den Sommerferien Tests für Personen über 18 Jahren in Rechnung zu stellen, änderte jedoch ihre Meinung. So werden den Menschen weiterhin zwei PCR-Tests und vier Antigen-Tests pro Monat von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Einen neuen Lockdown kann man sich in Tschechien nicht mehr vorstellen. Auch deshalb nicht, weil man damit rechnet, dass die meisten der fast 1,68 Millionen infizierten Tschechen seit Auftreten der Krankheit genesen sind und Antikörper gebildet haben. 900.000 von denen sind zudem zusätzlich geimpft. An Toten hatte das Land rund 30.400 zu beklagen.

Krankenhäuser sind gerüstet

Sollte es wider Erwarten zu einem neuerlichen Ansteigen der Infiziertenzahlen kommen, will man im Nachbarland nur noch punktuell reagieren. Nach dem riskantesten Szenario des Instituts für Gesundheitsinformation und Statistik könnten sich in der zweiten Septemberhälfte wegen Covid rund 500 Menschen in den Krankenhäusern befinden, weniger als 100 davon auf Intensivstationen. Dies würden die Kliniken problemlos bewältigen können, sagt Gesundheitsminister Adam Vojtěch. Im März dieses Jahres, als die Epidemie Tschechien schwer traf, befanden sich über 9.000 Menschen in den Krankenhäusern.

Doch selbst wenn dieses riskanteste Szenarium eintreten sollte, werde man laut dem Minister nicht in Panik verfallen. Geschäfte und Dienstleistungseinrichtungen würden auch dann nicht neuerlich geschlossen werden. Denkbar wären aber verschärfte Vorschriften für das Tragen von Masken. Auch könnte man die Teilnehmerzahlen bei öffentlichen Veranstaltungen reduzieren. Mehr aber stehe kaum zur Debatte.

Die derzeitige günstige Covid-Lage spielt der Regierung unter Ministerpräsident Andrej Babiš politisch in die Hände. 14 Tage nach den Wahlen zum Deutschen Bundestag wird auch in Tschechien ein neues Abgeordnetenhaus gewählt. Über einige Monate hatte es in den Umfragen den Anschein, als sollten zwei Bündnisse derzeitiger Oppositionsparteien die Babiš-Bewegung ANO von der Regierung verdrängen können. ANO lag da nur auf dem dritten Platz.

Deutschland zum Hochrisikogebiet erklärt

Mittlerweile hat sich das Blatt wieder gedreht. Babiš räumte am Wochenende in einem langen Zeitungsinterview ein, dass seine Regierung vor dem vergangenen Weihnachtsfest und Anfang dieses Jahres Fehler in ihrem Corona-Kurs gemacht habe. Aber vor allem konnte er Optimismus versprühen, dass es zu einem ähnlichen Szenarium in diesem Herbst und Winter nicht wieder kommen werde.

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Sollte sich dieser Optimismus tatsächlich bewahrheiten, dürfte Babiš die Wahlen erneut gewinnen. Dass die Regierung bei allen Prognosen Vorsicht walten lässt, ist seit heute auch über die Grenzen hinweg spürbar: Am Montag wurde der große Nachbar Deutschland zum Hochrisikogebiet erklärt, verbunden mit Auflagen für aus Deutschland Einreisende, um die Zahl der von dort kommenden Covid-Einträge so gering wie möglich zu halten. Wer nicht seit mindestens 14 Tagen vollständig geimpft ist, muss einen negativen PCR-Test vorweisen und sich nach der Ankunft in Quarantäne begeben. Diese kann frühestens am fünften Tag mit einem zweiten negativen PCR-Testergebnis beendet werden. Nur Pendler und der kleine Grenzverkehr sind von den neuen Maßnahmen ausgenommen.

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