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Profitiert Pirna von Click & Collect?

Der spezielle Abholservice an Geschäften ist jetzt auch in Sachsen erlaubt. Drei Pirnaer Händler erzählen, was sie von dem Modell halten.

Ladeninhaberinnen Maria (l.) und Steffi Hacke: Wer kann, sollte den Service Click & Collect anbieten.
Ladeninhaberinnen Maria (l.) und Steffi Hacke: Wer kann, sollte den Service Click & Collect anbieten. © privat

Sachsen war in dieser Hinsicht Schlusslicht. Erst seit 15. Februar ist das Modell "Click & Collect" im Freistaat erlaubt. Dieses spezielle Angebot soll vor allem den von der coronabedingten Schließung arg gebeutelten Einzelhändlern helfen.

Öffnen dürfen die Geschäfte nach wie vor nicht, aber über Click & Collect können sie dennoch ihre Ware an die Frau oder den Mann bringen. Kunden können demnach in ihrem Wunschgeschäft telefonisch oder online Ware ordern und sie dann zu einem vereinbarten Termin am Laden abholen.

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Händler dürfen die Ware am Geschäft übergeben, idealerweise kontaktlos, also vor der Ladentür oder über ein geöffnetes Fenster. Dabei müssen sie vermeiden, dass sich Kunden vor dem Geschäft sammeln. Sie sollen möglichst kontaktlos bezahlen.

"Das ist ein wichtiger Schritt, weil das endlich ein alternativer Verkaufskanal für die Händler ist, den sie nun mit ihren Kunden nutzen können", sagt Anne Carl vom Verein "Citymanagement Pirna". Es sei eine tolle Möglichkeit für Kunden, ihren Lieblingsladen zu unterstützen und so dazu beizutragen, dass die Einkaufsvielfalt in der Pirnaer Innenstadt erhalten bleibe.

Gleichwohl sehen viele Händler das Angebot eher skeptisch, für einige kommt es zu spät, anderen wiederum bringt es wenig, weil Click & Collect nicht das tatsächliche Einkaufserlebnis ersetzt.

Drei Pirnaer Geschäftsinhaber berichten nun bei Sächsische.de, was sie von dem Modell halten.

Die Befürworterin

Steffi Hacke betreibt mit ihrer Tochter Maria einen Naturmoden-Laden in der Schuhgasse. Aus Sicht von Steffi Hacke ist Click & Collect generell eine gute Sache. "Jeder, der kaufmännisch denkt, sollte diesen Service anbieten", sagt sie. Immerhin helfe das Modell, ein wenig den Ausfall der vergangenen Monate zu kompensieren, wenngleich der coronabedingte Umsatzverlust damit nicht wettzumachen sei. "Aber es ist ein kleiner Strohhalm für uns, der zudem die Kunden dafür sensibilisiert, lokal einzukaufen", sagt sie.

Für sie kommt dieses Modell auch nicht zu spät. Schließlich waren die Infektionszahlen in Sachsen lange sehr hoch, so galt es auch zu vermeiden, zu viele Menschen in die Innenstädte zu locken. "Da mussten wir eben alle mal die Füße stillhalten", sagt Steffi Hacke.

Nun bietet auch sie ihren Kunden, Ware bei ihr zu ordern und sie nach vereinbartem Termin am Geschäft abzuholen.

Gleichwohl ändert sich für Steffi Hacke dadurch wenig. Sie praktiziert ein ähnliches Modell schon lange, alles im Rahmen des Erlaubten. Bereits im ersten Lockdown baute Steffi Hacke mit ihrer Tochter einen Online-Shop für den Laden auf, auf ihrer Internetseite und auf einem Zettel an der Ladentür hat sie alle Kanäle aufgelistet, über die sie erreichbar sind.

"Bestellten Kunden etwas, verschickten wir die Ware bislang per Post oder übergaben sie kontaktlos bei ihnen zuhause", sagt Steffi Hacke. Es sei ungemein wichtig, zumindest auf diese Weise Kontakt mit den Kunden zu halten.

Für sie sei Click & Collect nun ein zusätzliches Angebot, um die coronabedingte Durststrecke bis zu einer möglichen Wiedereröffnung zu überstehen.

Der Skeptiker

Leander Köllner betreibt das Herrenmode-Geschäft "Männersache(n)" in der Dohnaischen Straße. Dem Service Click & Collect steht er eher skeptisch gegenüber.

Das Modegeschäft, sagt er, sei eine sehr beratungsintensive Branche. Köllner setzt eher darauf, das die Menschen zu ihm in den Laden kommen, er will sie beraten, will, das alles perfekt sitzt, und bietet dafür eine Änderungsschneiderei an. "In dieser Hinsicht stößt man mit dem Modell Click & Collect schnell an die Grenzen", sagt er.

Zudem bedarf es für diesen Abholservice einer Plattform, auf der die Ware präsentiert wird. Köllner verzichtet aber ganz bewusst auf einen Online-Shop, er will die Kunden lieber individuell im Laden beraten.

Über die Kontaktdaten auf der Internetseite können Kunden gleichwohl Ware bei ihm ordern. Köllner packt dann etwas nach Kundenwünschen zusammen, die Pakete können nun auch am Laden abgeholt werden. Was nicht gefällt oder passt, geben die Kunden wieder zurück. Laut Köllner nehmen aber nur ein, zwei Kunden pro Woche dieses Angebot wahr, daher stünden Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis. Auch mache dieses Geschäftsmodell den erlittenen Umsatzverlust nichtwett. "Dennoch bin in dankbar dafür, dass die Kunden mir auf diese Weise helfen wollen", sagt er.

Köllner sieht daher in Click & Collect in erster Linie einen Service, trotz Schließzeit Kunden ans Geschäft zu binden um mit ihnen zu kommunizieren.

Er hofft nun auf eine rasche Wiedereröffnung, denn lange lässt sich die Schließzeit nicht mehr durchhalten. "Meine finanziellen Reserven sind endlich", sagt er, "und es fehlt an Liquidität, weil die Winterware noch nicht verkauft ist."

Die Ablehnende

Manuela Michel betreibt den Laden "Laufsteg Moden" in der Breiten Straße. Den Service Click & Collect bietet sie nicht an, er kommt für sie nicht infrage.

"Die Kunden kommen ja sonst in erster Linie in mein Geschäft, um sich beraten oder etwas ändern zu lassen", sagt Manuela Michel. Dieses Modell funktioniere aber nicht, wenn sie die Ware lediglich am Geschäft an die Kunden übergeben könne.

Zudem betreibt sie auch keinen Online-Shop, um Ware zu präsentieren, weil ihre vornehmlich ältere Kundschaft nicht so internetaffin sei. Daher mache Click & Collect auch aus umsatztechnischer Sicht wenig Sinn.

Generell findet sie das System aber gut, weile es die Kundenbindung an den lokalen Einzelhandel stärke. Gleichwohl hofft sie, dass die Läden bald wieder öffnen dürfen, vielleicht schon im März, weil das ein sehr umsatzstarker Monat ist. "Daher ist eine Wiedereröffnungs-Perspektive", sagt sie, "für uns ungemein wichtig."

Wer macht alles mit?

Auf der Internetseite www.kaufinpirna.de - die zentrale Online-Plattform für die Einkaufsstadt Pirna -, auf der über 250 Händler, Gastronomen und Dienstleister aufgelistet sind, gibt es jetzt eine extra Übersicht, wer alles den Service Click & Collect anbietet. Auch die lokalen Online-Shops der lokalen Geschäfte sind auf dieser Seite verlinkt.

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"Der Handel ist gemeinsam mit der Gastronomie und den Dienstleistungen das Gesicht der Innenstadt. Ich kann nur jedem empfehlen, Click & Collect zu nutzen, um den Händlern über diese Zeit zu helfen", sagt Anne Carl vom Citymanagement Pirna.

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