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Wie Corona sozialen Brennpunkten zusetzt

Die Pandemie hat die Lage in Vierteln wie Dresden-Prohlis verschärft. Kindern fehlen Mahlzeiten, Jobverlust und Alkoholismus nehmen zu. Vier Engagierte erzählen.

Dresden-Prohlis gilt vielen Menschen als sozialer Brennpunkt. Der Stadtteil ist vielseitiger als sein Ruf.
Dresden-Prohlis gilt vielen Menschen als sozialer Brennpunkt. Der Stadtteil ist vielseitiger als sein Ruf. © kairospress

Dresden. Die Büros der Engagierten in Prohlis liegen immer dort, wo die Aussicht schlecht ist, aber die Sichtbarkeit gut. Im Erdgeschoss. „Mit Aushängen erreichst du die Leute nicht“, sagt Michaela Platz. Sie leitet den Integrationsdienst der Malteser in dem Dresdner Stadtteil, in dem schon vor Corona der Platz eng war, die Einkommen niedrig, die Bildung gering.

Zusammen mit einer Kollegin betreibt Michaela Platz den offenen Treffpunkt seit November 2019. Zum Programm gehören Nachhilfe und Frauentreffs zum Deutschlernen, Berufsberatung, Spielenachmittage und Arabischkurse für geflüchtete Kinder. Nach vier Monaten mussten sie wegen der Pandemie schließen. „Als wir gerade losgelegt hatten, kam diese Bremse.“

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Der Lockdown bremst Integration und fördert Einsamkeit

Bei Senioren wie Geflüchteten beobachtet das Duo Vereinsamung. Viele Menschen melden sich, fragen, ob sie ehrenamtlich helfen können. Sie gehen für Senioren einkaufen, besorgen Essen, das der Kinder- und Familientreff Mareicke donnerstags austeilt.

Vergleichbar mit der Zeit vor Corona ist gerade wenig. „Man merkt, dass man den Draht, den Kontakt zu den Leuten verliert. Das ist wirklich schade“, sagt Michaela Platz. „Wir versuchen, alternative Angebote zu schaffen, aber was uns ausmacht, ist der persönliche Kontakt.“ Bei den Migranten nähmen die Deutschkenntnisse total ab. „Integration passiert, in dem wir die einsame Seniorin, die gerne Spielenachmittage möchte, mit der jungen Kopftuchträgerin zusammenbringen, die ihr Deutsch verbessern will. Wer sich nicht begegnet, fällt zurück.“

Michaela Platz (l.) und Darja Groß hatten den Treffpunkt der Malteser in Prohlis seit vier Monaten geöffnet, als die Pandemie kam. Seither improvisieren sie.
Michaela Platz (l.) und Darja Groß hatten den Treffpunkt der Malteser in Prohlis seit vier Monaten geöffnet, als die Pandemie kam. Seither improvisieren sie. © kairospress

Katharina Wenzel und Eric Faethe mussten nach dem ersten Corona-Lockdown sie tief Luft holen. „Die Kids saßen mit Handy am Tisch, statt sich zu unterhalten“, sagt Katharina Wenzel. Dabei gehören Kinder mit Bildschirmen in der Pandemie noch zu den Bessergestellten hier im Viertel. Als die Schulen geschlossen waren, blieb mancher Familie nur ein einziges Smartphone als Zugang zu Hausaufgaben.

„Vielfache Überforderung“ hat Katharina Wenzel beobachtet. Die Pädagogin betreut ein Paradies inmitten der Platte: den Kinder- und Familientreff Mareicke. Kletterfelsen ragen in die Höhe, Zweige und Blüten rahmen den Garten, die grauen Häuserreihen versinken im Hintergrund. Bälle sind hier jetzt wieder beliebter als Bildschirme: acht Jungs, ein Tor, die Handys weit weg.

Plötzlich fällt das Mittagessen für die Kinder weg

Die Mareicke versorgt Kinder ab der ersten Klasse kostenlos mit Essen und Spielzeug, einem großen Garten, einer Kreativwerkstatt, Gesprächen, Aufmerksamkeit und Liebe. Ohne Druck und Erwartung, anders als in der Schule. Es ist ein Ort, der Fallende auffängt. Wie hält man Kontakt, wenn Nähe plötzlich als schädlich gilt? „Kreativ und weiterhin ansprechbar“ sei man gewesen, sagt Wenzel.

Weil der Besuch von Kleingärten während des Lockdowns erlaubt war, legte die Mareicke für manche Familien Hochbeete an – so konnten sie weiterhin kommen. Damit das Team sichtbar blieb, parkten die Autos fortan auf dem Gelände, Gespräche führten sie über den Gartenzaun.

Katharina Wenzel und Eric Faethe sind im Leben vieler Kinder und Familien ein Anker. Die halbe Pandemie musste ihr Treffpunkt Mareicke geschlossen bleiben.
Katharina Wenzel und Eric Faethe sind im Leben vieler Kinder und Familien ein Anker. Die halbe Pandemie musste ihr Treffpunkt Mareicke geschlossen bleiben. © kairospress

Vor dem Lockdown gab es Mittagessen in Schule und Hort, Abendessen in der Mareicke. Einzelne Eltern haben das Menü nur mit Chips und Cola ergänzt. Plötzlich Haupternährer zu sein, überforderte sie. Finanziert von einem der großen Immobilienunternehmen vor Ort, teilt die Mareicke bis heute jeden Donnerstag Beutel mit Rezept und den zugehörigen Zutaten aus: Auflauf, Pizza, Kuchen. Damit die Familie einmal pro Woche Geld für Essen spart, auch mal was anderes isst, gemeinsam kocht.

An diesem Donnerstag gibt es Traubenkuchen. Die meisten Familien haben ihre Rationen am früheren Nachmittag geholt. Eric Faethe stapelt Traubenpackungen, faltet leere Jutebeutel. Rote und blaue Strähnen mischen sich unter die schwarzen Dreadlocks des Pädagogen, in anderen Dresdner Stadtteilen ist er eher als Zauberer und Feuerkünstler bekannt.

In den 1970er-Jahren haben sich Familien darum gerissen, eine Wohnung in Stadtteilen wie Dresden-Prohlis zu ergattern: Keine Kohleheizungen mehr, keine geteilten Toiletten.
In den 1970er-Jahren haben sich Familien darum gerissen, eine Wohnung in Stadtteilen wie Dresden-Prohlis zu ergattern: Keine Kohleheizungen mehr, keine geteilten Toiletten. © kairospress

„Viele Kids interessieren sich dafür, aber Sinn der Sache ist nicht, dass ich sie unterhalte, sondern, dass sie selber aktiv werden, lesen und bauen.“ Also stellte Eric Faethe während des ersten Lockdowns ein Heft mit Anfänger-Zaubertricks aus Alltagsgegenständen zusammen. Bei einem Trick fallen immer mehr Plastikeier in einen Hut und er ist doch wieder leer, bei einem anderen wächst eine Palme aus Papierstreifen heraus. „Es sind Sachen, wo es um Feinmotorik geht.“ Wer sich in Prohlis für andere engagiert, will fast immer, dass Menschen selber wirksam werden.

Es sind diese Geschichten, die Katrin Lindner am liebsten erzählt. Seit sechs Jahren vernetzt die Quartiermanagerin des Stadtteils Engagierte, Bedürftige und Interessierte von außen miteinander. „Wenn man die Leute bei dem, was sie gerne machen, erreicht, kann das ganz viel bewirken“, sagt sie. Die Wände ihres Büros zeigen die schönsten Seiten des Stadtteils. Eingeschneite Straßen vor dem Prohliszentrum, Blumenkästen so prall gefüllt, dass die Plattenbalkone dahinter verschwinden.

„Corona verstärkt die Unterschiede zwischen Arm und Reich“, sagt Lindner. „Aber Prohlis ist besser als sein Ruf, man findet hier auch viele Leute, die sich für ihre Mitmenschen einsetzen. Ich würde mir wünschen, dass Prohlis nicht mehr als Sorgenkind gesehen wird, sondern man auch die Potenziale sieht.“ Die Mieten sind nirgends in Dresden günstiger als in Stadtteilen wie Prohlis oder Gorbitz, Geflüchtete wurden vor allem hier untergebracht.

Katrin Lindner vernetzt als Quartiermanagerin Engagierte, Interessierte, Außenstehende miteinander. „Prohlis ist besser als sein Ruf“, sagt sie.
Katrin Lindner vernetzt als Quartiermanagerin Engagierte, Interessierte, Außenstehende miteinander. „Prohlis ist besser als sein Ruf“, sagt sie. © kairospress

Die Folge waren oft Konflikte zwischen alten und neuen Nachbarn. „Es treffen hier auf mehreren Seiten Benachteiligte aufeinander, da werden Ängste geschürt, einander verurteilt.“ Geflüchtete, Aussiedler aus Russland, Seniorinnen, die seit Jahrzehnten in Prohlis wohnen und solche, die aus finanziellen Gründen hergezogen sind, leben nebeneinander.

„Aber wir haben zunehmend weniger Menschen, die dem Bildungsbürgertum zuzurechnen sind und Lobbyarbeit für Prohlis machen können.“ Durch Corona verschärfen sich Probleme. Viele Erwachsene haben ihre Jobs verloren oder sind in Kurzarbeit, das vorher schon knappe Gehalt genügt nun oft gar nicht mehr.

„Man erreicht die Prohliser gut, wenn man in Prohlis ist“

Katrin Lindner muss los, die Tür für einen Hoffnungsschimmer öffnen. Sie schließt einen gläsernen Raum an der Frontseite des Prohliszentrums auf einem schmucklosen Einkaufsflachbau. Die Stadt hat den Raum gemietet. Das Kinder-Orchester „Musaik“ hat hier seine Proben begonnen, ehe es zu groß wurde. Hobbymaler haben den Raum ebenso genutzt wie die „Aktionstage Sucht“ und ein „Recherchetheater“. An diesem Tag begrüßt Katrin Lindner zwei Mitarbeiterinnen der Volkshochschule. Im Auftrag der Stadt werden sie ab Juni einmal im Monat Menschen beraten, die schon gearbeitet haben, aber in einer Sackgasse gelandet sind. Infolge des Lockdowns könnten das besonders viele brauchen. „Man erreicht die Prohliser gut, wenn man in Prohlis ist“, sagt Katrin Lindner.

Seit den 1990ern hat sich der Stadtteil gewandelt. Geblieben sind oft diejenigen, die keine anderen Optionen hatten. Die Mieten in den Plattenbauten gehören zu den günstigsten der Stadt.
Seit den 1990ern hat sich der Stadtteil gewandelt. Geblieben sind oft diejenigen, die keine anderen Optionen hatten. Die Mieten in den Plattenbauten gehören zu den günstigsten der Stadt. © kairospress

Vielseitigkeit zeigt sich in Prohlis denen, die genau hinsehen. Klischees liegen an jeder Ecke. Helllichter Tag, zwischen Bahnhaltestelle und Zigarettenkiosk wuseln Menschen im Rentenalter über den Parkplatz. Zwei Männer mit Hunden und fast leerem Bierkasten haben sich auf einer Bank ausgebreitet. Mitte 30 könnten sie sein, einem fehlt das halbe Gebiss. Aus einem Mini-Lautsprecher prasseln Techno-Beats, ein Dritter schleicht ihnen entgegen und telefoniert.

„Eeeh, Wichser“, grölen die beiden. „Ich telefonier mit meiner Ex, der Jessy“, entgegnet der Angesprochene. „Fickfehler“, urteilt das Duo und johlt. Für den Nachmittag haben sie noch mehr Bier geplant. Und später eine Portion Crystal-Meth „da drüben“, in der beengten Wohnung eines Zehn-Geschossers. Durch den Lockdown säumen mehr Menschen wie sie die Plätze des Stadtteils. Es gibt weniger zu tun. Und mehr zu trinken.

„Der Teufel Alkohol spielt immer eine Rolle“, sagt einer, der eigentlich nicht mehr arbeiten müsste, aber es trotzdem tut. Sechs Tage die Woche, sechs Stunden am Tag. Ehrenamtlich. Nur wenn die Lungenkrankheit COPD Jens Bogawski zu viel Kraft raubt, bleibt er Zuhaus. Der EU-Rentner sitzt im Erdgeschoss eines 17-Geschossers an der Prohliser Allee. Gerade findet in den Räumen nur Sozialberatung statt. Ohne Pandemie gäbe es einen Umsonst-Laden, Spielenachmittage, Technikkurse für Rentner. Über Bogawskis Schreibtisch tickt eine Uhr mit Feldschlösschen-Ziffernblatt, neben der Tastatur sammeln sich selbst gestopfte Zigaretten, auf dem Boden steht für den Notfall ein Sauerstoff-Gerät.

EU-Rentner Jens Bogawski arbeitet 36 Stunden pro Woche ehrenamtlich als Sozialberater. Während der Pandemie beobachtet er mehr Gewalt in Familien.
EU-Rentner Jens Bogawski arbeitet 36 Stunden pro Woche ehrenamtlich als Sozialberater. Während der Pandemie beobachtet er mehr Gewalt in Familien. © kairospress

Bogawski hilft Menschen mit allem auf Papier. Hartz IV und Rente, Wohnung und Scheidung, Hausaufgaben und Therapieantrag. „Bei uns ist Horror, wir sind zurzeit am überlaufen“, sagt er. „Viele Leute sind dazugekommen, die vorher halbwegs zurechtkamen, aber durch Kurzarbeit oder Kündigung abgerutscht sind. Ich gehe davon aus, dass wir noch mal eine Entlassungswelle erleben.“

Bogawski spitzt den Mund, sagt resolut: „Der klassische Abstieg: Trennung, Alkohol, Jobverlust, Wohnungsverlust. Wenn Mütter mit Kleinstkindern alkoholisiert bei mir vor der Tür stehen, wende ich mich direkt ans Jugendamt.“

Jobverlust plus Alkohol: "Da rutscht die Hand immer wieder aus"

Eine Mutter, alleinstehend mit oft wechselnden Männern und drei Kindern, habe Hartz IV und Kindergeld oft schon am 20. des Monats aufgebraucht. „Der älteste Sohn, elf Jahre alt, ist eher wie ein 15-Jähriger, weil er Zuhause so viel übernehmen muss.“ Verlottert seien Kleidung und Hygiene der Kinder gewesen, in der Wohnung wurde es oft laut. Irgendwann drohte das Jugendamt, die Kinder wegzunehmen. „Der Schuss vor den Bug war für sie prägend.“

Einer Frau hilft Bogawski gerade bei einem Verfahren gegen ihren alkoholabhängigen Mann, der sie durch die Wohnung gezerrt, gewürgt und geschlagen hat. Die Mutter zweier Kinder hat den Mann rausgeworfen und sich getrennt.

„Wenn beide Elternteile durch Jobverlust oder Kurzarbeit Zuhause aufeinander glucken und dann noch Alkohol dazu kommt, rutscht die Hand immer wieder aus.“ Die Gewalt, sie ist durch den Lockdown bei einigen eingezogen. Eine andere Frau nahm ihre Anzeige zurück. Sie sei selbst schuld gewesen, habe ihren Mann ja provoziert, es sei bestimmt ein einmaliger Ausrutscher, erzählte sie Bogawski. Der schüttelt den Kopf. „Wer einmal zugeschlagen hat, macht das auch wieder. Da ist eine Linie überschritten."

6.000 Druckseiten am Tag, weil Eltern Drucker fehlen

Als die Pandemie begann, brauchten vor allem Ältere Hilfe. Aus Angst vor Ansteckung trauten sie sich nicht mehr aus dem Haus. „Ich habe gute Verbindungen zum Handel. Wir hatten teilweise bis zur Decke Toilettenpapier und Nudeln gestapelt.“

Bald kamen Familien hinzu, die am Schulstoff verzweifelten. Vielen fehlt nicht nur Wissen, sondern auch ein Drucker. „Die Geräte bei uns laufen von morgens bis abends, bis zu 6.000 Seiten am Tag.“ Bei vielen Kindern diagnostiziert Bogawski ein verlorenes Jahr. „Da wäre es besser, zu wiederholen.“ Einige Eltern hätten sich gut darauf eingespielt, Schule zu simulieren. „Andere haben es gelassen, nach dem Motto: Mit Fernseher und Chips kann man auch den Tag herumbringen. Wir haben oft sehr junge Mütter, die mit 16, 17 schon Kinder kriegen. Die sind selber im Hartz IV-Milieu aufgewachsen, haben es von ihren Eltern genauso vorgelebt gekriegt.“

Bogawski geht davon aus, „dass wir uns in Prohlis noch Jahre mit den Negativfolgen von Corona beschäftigen“. Wer bisher abgehängt war, liegt jetzt oft meilenweit zurück. Impfungen stünden viele skeptisch gegenüber. Für Willige ist die Entfernung oft eine Hürde. Jede Fahrt kostet Geld.

Ist Prohlis wie Köln-Chorweiler?

Der Kölner Stadtteil Chorweiler, der zwar nur bedingt mit Prohlis vergleichbar ist, aber ähnliche Probleme kennt, hat kürzlich ein eigenes Impfzentrum bekommen – für Bogawski „sensationell“: „Das bräuchten wir hier auch. Wir wohnen hier wesentlich beengter.“ Von der Dresdner Bürgermeisterin für Soziales und Gesundheit Kristin Kaufmann (Linke) heißt es dazu: „In der Landeshauptstadt gibt es aktuell keinen Zusammenhang zwischen hohen Infektionszahlen und sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen.“ Die Infektionsquote von Prohlis-Nord liege sogar deutlich unter der von anderen Stadtteilen. Ob das auch an einer geringeren Testquote liegen könnte, ist unklar.

Der Pusteblumenbrunnen gehört zu den beliebsten Treffpunkten in Prohlis. Während des Lockdowns vermehrt auch für Alkoholiker.
Der Pusteblumenbrunnen gehört zu den beliebsten Treffpunkten in Prohlis. Während des Lockdowns vermehrt auch für Alkoholiker. © kairospress

Dass Katharina Wenzel am liebsten dort mit Kindern und Jugendlichen arbeiten möchte, wo man viele Fähigkeiten, aber zu wenig Förderung beobachten kann, wusste sie schon als „junges Mädel“. 2005 hat sie in der Mareicke angefangen, 2015 kamen viele geflüchtete Kinder hinzu. „Akzeptanz funktioniert besser zwischen den Kindern als unter Eltern. Wenn Kevin auf einmal merkt: Ali spielt ganz gut Fußball.“

Eine Herde kichernder Kindern trampelt über die Holzbretter des Mini-Amphitheaters. Es ist der letzte geöffnete Tag der Woche. Früher war es einer mehr. Dann hat das Jugendamt eine von drei Stellen gestrichen. Von der Stadt Dresden heißt es dazu, dass „die Entwicklung“ dem „Bedarf vor Ort“ entspreche. Für die 6.000 Menschen von 0 bis 26 Jahren in Prohlis seien 16,75 Fachkräfte vorgesehen. Eine Ehrenamtlerin der Mareicke sieht es anders: „In diesem Zusammenhang geht es nur um statistische Erhebungen. Um die Erfüllung einer Rechenaufgabe. Befindlichkeiten und Bedarfslagen der Menschen, mit denen wir arbeiten, spielen eine nachrangige Rolle.“

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