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Schulstart: Wie läuft das mit Quarantäne?

Muss bei einem Positiv-Test eines Schülers gleich die ganze Klasse in Isolation? In Schönau-Berzdorf sind Eltern deshalb verärgert. Zudem gibt es neue Regeln.

Kinder testen sich vor dem Unterricht selbst auf eine Corona-Infektion. Das ist mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tschechien an der Tagesordnung.
Kinder testen sich vor dem Unterricht selbst auf eine Corona-Infektion. Das ist mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern auch in Tschechien an der Tagesordnung. ©  dpa (Symbolfoto)

Stephan Marschke ist richtig wütend. Leichtfertig, so findet er, habe die Grundschule Schönau-Berzdorf kürzlich den so spärlich stattfindenden Unterricht in der Schule aufs Spiel gesetzt. Nun sitzt seine jüngste Tochter in Quarantäne - und das hätte nicht sein müssen, betont der Vater von fünf Kindern. "Wir haben unser Kind zu Hause vor der Schule selbst getestet - wie ein weiteres Kind in der Klasse auch, das war zu dem Zeitpunkt noch möglich", erzählt er von dem Tag, der ihn so verärgert hat. Doch das habe nicht viel genutzt. Denn als die Tests in der ersten Stunde für alle anderen Kinder im Klassenzimmer gemacht wurden, saß auch seine Tochter mit im Raum - und kam in Quarantäne, weil bei einem Schüler das Ergebnis leider positiv ausfiel.

"Ich glaube nicht, dass alle Mitschüler und Lehrkräfte in der kurzen Zeit als direkte Kontaktpersonen in Frage kommen und verstehe deshalb die Auflösung der Klasse nicht", macht Marschke seinem Unmut Luft. Abgesehen davon, dass die Viertklässler ja nur kurz und mit Abstand im Zimmer zum Test gesessen haben, kann er nicht nachvollziehen, warum die zu Hause getesteten Schüler nicht so lange separiert wurden, bis auch alle anderen getestet sind. Denn nun können alle nicht einmal betreut werden - von Unterricht ganz zu schweigen. "Es muss doch für die anderen, negativ getesteten Schüler eine Ersatzlösung gefunden werden - das muss es doch geben", fordert er. Abgesehen davon, dass dieses Schuljahr ohnehin verloren sei, müssen und wollen er und seine Frau arbeiten gehen. Marschke selbst ist beispielsweise Autohaus-Geschäftsführer und stark eingespannt.

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Schulstart: Wie läuft das mit Q

Ein solcher Fall wie in Schönau-Berzdorf könnte sich in den kommenden Tagen, wenn im Kreis der Unterricht in den Schulen wieder angelaufen ist, häufiger ereignen - und zu Frustration führen. Schon seit Längerem ist für Außenstehende nur schwer zu erkennen, warum in einem Fall eine ganze Klasse, in einem anderen nur einzelne Schüler in Quarantäne geschickt werden. Wonach wird das entschieden - und wer entscheidet das? Hat es vielleicht sogar Änderungen gegeben?

Ansprechpartner bei einem positiven Test in einer Schule ist das Gesundheitsamt des Landkreises. Dort richte man sich nach den geltenden Richtlinien des Robert-Koch-Instituts (RKI), die erst Mitte April angepasst worden sind, betont Kreissprecherin Franziska Glaubitz auf SZ-Nachfrage. Wichtigster neuer Punkt dabei ist, dass nicht mehr zwischen Kontaktpersonen verschiedener Kategorien unterschieden, sondern nur noch von engen Kontaktpersonen ausgegangen wird. Grund dafür ist, dass unter anderem die sich ausbreitenden Virus-Mutationen ein anderes Vorgehen bei der Kontaktermittlung nötig machen, erklärt der Kreis die Lage.

"Schwer zu überblickende Kontaktsituation"

In diesen neu überarbeiteten Richtlinien des RKI heißt es nun unter anderem zur Definition "enger Kontaktpersonen", dass dazu alle gehören, die sich "im selben Raum mit wahrscheinlich hoher Konzentration infektiöser Aerosole unabhängig vom Abstand für mehr als zehn Minuten" aufgehalten haben. Das ist auch dann der Fall, "wenn durchgehend und korrekt Mund-Nasen-Schutz oder FFP2-Maske getragen wurde". Als eine der Beispielkonstellationen benennt das RKI unter anderem "schwer zu überblickende Kontaktsituationen" wie "Schulklassen, gemeinsames Schulessen oder Gruppenveranstaltungen" - unabhängig von einer individuellen Risikoermittlung. Diese Konstellation ist allerdings als "optional" gekennzeichnet und mit dem Hinweis versehen, dass die Entscheidung am Ende im Ermessen des Gesundheitsamtes liege und mit Blick auf die Praktikabilität zu erfolgen habe.

Worauf die Einschätzung im Schönau-Berzdorfer Fall konkret fußt, teilte der Landkreis im Detail nicht mit. Die Schulleitung war trotz mehrfacher Versuche für die SZ nicht erreichbar. Bürgermeister Christian Hänel (parteilos) betont, dass die Schule generell "streng nach den Regeln verfahre". Grundsätzlich, so betont der Kreis, geben für eine Quarantäneanordnung das Hygienekonzept der Schule und die Frage, wie die Vorgaben des Kultusministeriums in den Schulen umgesetzt werden können, entscheidenden Ausschlag.

Mehr Engagement von Schulen gefordert

Stephan Marschke will sich mit der Situation nicht abfinden - er hat seine Verärgerung darüber nicht nur in der Gemeinde, sondern auch beim Landkreis angebracht. "Diese Situation wäre vermeidbar gewesen", sagt er. Nun leide nicht nur die eine Hälfte der Klasse unter der Situation, die an diesem Tag in der Schule war. Auch die zweite Klassenhälfte, die in der darauffolgenden Woche Unterricht in der Schule gehabt hätte, erhielt eine Zwangspause, denn die Lehrerin ist ebenfalls in Quarantäne.

Marschke fordert generell mehr Engagement von Lehrern und Schulen in dieser Phase. Das, was seinen Kindern als Homeschooling in den vergangenen Monaten geboten wurde, habe ihn nicht überzeugt. Kontakt - vor allem per Videoschalte - sei eher die Ausnahme gewesen. "Mein 15-jähriger Sohn war in diesem Schuljahr häufiger in der Fahrschule als in der normalen Schule", beschreibt er. Dass dieses verlorene Jahr ihn nicht nur als Vater, sondern auch als Unternehmer wieder einholen wird - mit Blick auf Auszubildende - davon ist er überzeugt.

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