merken
PLUS Freital

Die Quarkkrapfen vom Rabenauer Grund

Am Freitaler Zugang zum schönen Tal steht ein Imbisswagen. Dieser hilft einer Unternehmerfamilie aus Klingenberg durch die Pandemie.

Anna Richter verkauft zusammen mit Uwe Schmieder und Kathrin Landherr frische Quarkkrapfen am Eingang zum Rabenauer Grund.
Anna Richter verkauft zusammen mit Uwe Schmieder und Kathrin Landherr frische Quarkkrapfen am Eingang zum Rabenauer Grund. © Egbert Kamprath

"Was bekommen Sie?" Mit diesem Satz und einem freundlichen Lächeln begrüßt Anna Richter ihre Kundschaft. Es wirkt echt. Man spürt, dass es der 16-Jährigen sichtlich Spaß macht, im Imbisswagen ihrer Eltern zu arbeiten. Dieser steht seit Ende März direkt am Freitaler Eingang zum Rabenauer Grund und hat seitdem fast täglich geöffnet.

Unter der Woche schafft es ein Mitarbeiter, den Imbiss am Laufen zu halten, am verlängerten Pfingstwochenende wäre er überfordert. Deshalb stehen heute drei hinter der Theke. Neben Anna Richter sind das Kathrin Landherr und Uwe Schmieder. Insgesamt gehörten zum Team sieben Leute, die sich abwechseln.

Anzeige
Arnsdorf sucht Persönlichkeiten
Arnsdorf sucht Persönlichkeiten

Das Team des renommierten Sächsischen Krankenhauses für Psychiatrie und Neurologie freut sich auf tatkräftige Verstärkung!

Regenschauer hält Wanderer nicht ab

Heute haben die drei gut zu tun. "Es war wie eine kleine Völkerwanderung, die sich hier heute auf den Weg gemacht haben", sagt Anna Richter und zeigt in Richtung Rabenauer Grund. Immer wieder kommen Wanderer und Radfahrer vorbei, von denen nicht wenige einen Stopp einlegen, um sich ein Eis, Quarkkrapfen, Crepes oder Langos zu kaufen.

Christian Kohser aus Oelsa kauft Crepes für den Nachwuchs. Zusammen mit seiner Familie hat er eine Radtour durch den Rabenauer Grund gemacht.
Christian Kohser aus Oelsa kauft Crepes für den Nachwuchs. Zusammen mit seiner Familie hat er eine Radtour durch den Rabenauer Grund gemacht. © Egbert Kamprath

Kristin Jähnig und Steffen Pepek sind nach der Eisenbahnfahrt mit Sohnemann Johannes sogar ein Stück zurückgelaufen, um sich hier mit Langos zu stärken. "Es schmeckt", sagt Steffen Pepek und schmunzelt. Seine Partnerin nickt zustimmend.

Keine Feste, kein Geschäft mit dem Imbisswagen

Der vorhergesagte Regenschauer hat sie nicht abgehalten, von Döbeln aus zu einem Tagesausflug nach Freital zu kommen. Und auch Christian Kohser, der mit seiner Familie mit dem Rad von Oelsa durch den Grund nach Tharandt gefahren ist, legte auf der Rückfahrt einen kleinen Umweg ein, um Eis und Crepes zu kaufen. "Hier bin ich zum ersten Mal", sagt er. Den Imbisswagen habe man vom Radweg gesehen. Und weil die Kinder noch etwas zum Naschen haben wollten, habe man eine kleine Pause eingelegt. Und die tut allen gut. "Das Eis und die Crepes sind sehr lecker", sagt Sohn Timon.

Der Imbiss wird von Anna Richters Familie betrieben, die im Klingenberger Ortsteil Friedersdorf wohnt und dort ein kleines Unternehmen führt. Eigentlich ist die kleine Firma mit ihren Imbisswagen und den zwei Fahrgeschäften, viel unterwegs, vor allem auf Dorf- und Stadtfesten, aber auch bei Oldtimertreffen, beim Dresdner Dampfloktreffen, Weihnachtsmärkte und sogar beim Wave-Gotik-Treffen in Leipzig.

Auch die Familien Ritter und Schinköthe aus Regenstauf (Oberpfalz) und Dresden nutzen das schöne Wetter für einen Pfingstausflug. Zur Belohnung gab es danach Eis.
Auch die Familien Ritter und Schinköthe aus Regenstauf (Oberpfalz) und Dresden nutzen das schöne Wetter für einen Pfingstausflug. Zur Belohnung gab es danach Eis. © Egbert Kamprath

Doch wegen der Corona-Pandemie wurden alle Feste und Treffen abgesagt. Die Richters, die den Imbisswagen schon in vergangenen Jahren zu Ostern, Pfingsten und zum Himmelfahrtswochenende am Eingang des Rabenauer Grund aufgestellt haben, konnten diesen mit der Genehmigung der Stadt Freital nun dauerhaft hier abstellen.

"Die Idee hatte mein Vater", sagt Anna Richter. Für die Familie ein Glückfall. Das Geschäft läuft gut. Nur wenn starker Regen und Gewitter angekündigt wird, bleibt der Wagen zu.

Ansonsten ist hier immer Betrieb. Anna Richter steht hauptsächlich an den Wochenenden hinter der Theke, in der Woche besucht sie die Schule. Der jungen Frau gefällt es, hier zu arbeiten. "Ich habe Kontakt zu vielen verschiedenen Menschen", sagt sie. Sie bediente nicht nur Freitaler und Dresdner, sondern auch ausländische Gäste - auch während des Lockdowns. "Es kamen und kommen auch Tschechen, Polen und Briten hierher." Die ausländischen Touristen sind mit Wohnmobilien unterwegs, die sie auf dem Parkplatz neben dem Freizeitzentrum Hais abstellen.

Frisch zubereitet werden hier Crepes. Noch beliebter sind die Quarkkrampfen, die hier ebenfalls im Angebot sind.
Frisch zubereitet werden hier Crepes. Noch beliebter sind die Quarkkrampfen, die hier ebenfalls im Angebot sind. © Egbert Kamprath

Mit vielen ausländischen Gästen hat sich die junge Frau länger unterhalten. "Es kommt immer darauf an, wie gut sie Deutsch sprechen." Manch ein Gespräch lief auch auf Englisch. Die meisten erkundigen sich über die Region, fragen nach Sehenswürdigkeiten in der Nähe, wollen wissen, wie der Stand läuft und wie man hier mit Corona umgeht. In der Nachfrage gibt es keine großen Unterschiede. "Sie kaufen dieselben Speisen."

Generell ist auf den Besucher Verlass. Selbst wenn Regen vorhergesagt wird, kommen sie. "Wir machen an solchen Tagen immerhin etwa 90 Prozent des normalen Umsatzes". Wegen Conora sind aber manche etwas distanzierter. Aber sonst läuft es.

In Kombination mit der Weißeritztalbahn lässt sich der Rabenauer Grund zwischen Freital-Coßmannsdorf und Dippoldiswalde für große und kleine Wanderer gut erkunden.
In Kombination mit der Weißeritztalbahn lässt sich der Rabenauer Grund zwischen Freital-Coßmannsdorf und Dippoldiswalde für große und kleine Wanderer gut erkunden. © André Wirsig

Mit der Corona-Pandemie hat sich die Familie offenbar arrangiert. Während die beiden Fahrgeschäfte der Firma weiterhin im Lager stehen und auf ihren nächsten Einsatz warten, steht Anna Richters Mutter Sabine mit dem zweiten Imbisswagen in der Dresdner Heide und verkauft dort Bratwurst, Crepes und Langos.

Weiterführende Artikel

Nur wenige Spaziergänger

Nur wenige Spaziergänger

In der Weißeritzregion halten sich die allermeisten an die Abstands- und Verhaltensregeln.

Imbiss-Not im Rabenauer Grund

Imbiss-Not im Rabenauer Grund

Auf der neun Kilometer langen Wanderstrecke zwischen Freital und Malter gibt es nur eine Einkehr. Das soll sich ändern.

Anna Richter sieht ihre Berufung in dem Geschäft. Nach dem Abschluss ihrer Schulausbildung möchte sie Köchin werden. Im Sommer beginnt die Ausbildung. Perspektivisch will sie das Geschäft ihrer Eltern übernehmen. "Das ist von meiner Seite her so geplant."

Mehr Nachrichten aus Freital, Rabenau und Dippoldiswalde lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Freital