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"Fast ein Drittel unserer Patienten hat Corona"

Laut Klinik-Chef Hilbrenner ist die Lage äußerst angespannt. In Radeberg hilft die Bundeswehr.

Die Bundeswehr hilft in der Asklepios-ASB Klinik in Radeberg. Sechs Soldaten sind bis kurz vor Weihnachten im Einsatz.
Die Bundeswehr hilft in der Asklepios-ASB Klinik in Radeberg. Sechs Soldaten sind bis kurz vor Weihnachten im Einsatz. © privat

Radeberg. Die Infektionszahlen steigen weiter. Derzeit liegt die Sieben-Tage Inzidenz im Landkreis Bautzen bei mehr als 560 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. Diejenigen, die die schwierige Lage am unmittelbarsten spüren, sind die Krankenhäuser.

„Wir behandeln derzeit in Radeberg 24 Corona-Patienten, fünf davon liegen auf der Intensiv-Station. Das ist fast ein Drittel aller unserer Patienten, eine sehr hohe Quote“, sagt Regionalgeschäftsführer Patrik Hilbrenner, der auch für die Asklepios-ASB Klinik in Radeberg zuständig ist.

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Die Intensivstation ist nahezu vollständig belegt. „Wir verfügen nur über sechs Plätze.“ Einmal werden dem Krankenhaus Corona-Patienten über die Klinikleitstelle Patienten zugewiesen, außerdem entdecken die Radeberger Mediziner immer wieder Covid19-Infizierte bei der Aufnahme.

„Es gibt ja eine hohe Dunkelziffer. Wir wenden bei jedem, der sich bei uns meldet, einen Schnelltest an. Mitunter kommen Patienten wegen ganz anderer Beschwerden zu uns. Sie werden von uns dann natürlich auch auf die besonders isolierte Corona-Station gebracht.“

Dringender Appell an die Einwohner Radebergs

Sorgen bereitet dem Geschäftsführer die Personalsituation. „30 Mitarbeiter sind derzeit entweder an Corona erkrankt, befinden sich in Quarantäne oder haben eine andere Erkrankung. Damit fehlt uns Personal um mehr als die 85 Betten anbieten zu können. 130 wären es im Normalfall. Dennoch behandeln wir natürlich jeden, der zu uns kommt.“

Patrik Hilbrenner richtet einen dringenden Appell an alle Einwohner. „Es müsste jetzt auch dem Letzten klar geworden sein, dass viele Menschen an Corona sterben. Die meisten Patienten, die bei uns liegen, sind über 65 Jahre alt, wir haben aber auch 30 Jährige gehabt, auch in dieser Altersgruppe sterben Patienten an Corona.“

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Jeder sollte die Regeln einhalten: „Keine unnötigen Einkäufe, keine Partys und wenn dann nur in engem Familienkreis, Mund-Nasen-Schutz und Abstand halten sowieso. Aus Rücksicht gegenüber Mitmenschen vor einer Ansteckung, aber auch aus Rücksicht gegenüber den Mitarbeitern in den Krankenhäusern, die jetzt schon über der Belastungsgrenze arbeiten.“

Er rechnet damit, dass die Zahlen über Weihnachten weiter ansteigen. „Wir müssen uns darauf einstellen. Dieser harte Lockdown war dringend geboten. Jetzt fahren wir auf Sicht und werden bei Bedarf die geeigneten Absprachen treffen.“

Zwei Schichten, sechs Tage die Woche in der Klinik

Angesichts der angespannten Lage freuen sich Pfleger und Ärzte über jede Hilfe. Derzeit unterstützen sechs Bundeswehrsoldaten das Personal in der Radeberger Klinik. Die fünf Männer und eine Frau gehören der Instandsetzungskompanie des Logistikbataillons 472 aus dem bayerischen Kümmersbruck an.

Sie arbeiten in zwei Schichten, sechs Tage die Woche in der Klinik. „Wir bringen das Essen zu den Patienten, räumen ab, beziehen Betten neu, begleiten Patienten in Untersuchungsräume“, sagt ihr Truppleiter. Die Soldaten sind von der Professionalität in der Klinik beeindruckt.

„Wenn ein Corona-Patient nach dem Pflegepersonal klingelt, wird sich entsprechend angezogen, und zwar die volle Schutzmontur. Das nimmt alles Extra-Zeit in Anspruch. Mit welcher Ruhe und Akribie die Pflegerinnen und Pfleger dennoch selbst in diesen Tagen mit der Situation umgehen, ist beachtlich“, sagt der Truppführer, der seinen Namen nicht nennen möchte.

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Für Klinikmanager Johannes Biesold ist die Hilfe sehr wertvoll. „Wir sind unheimlich dankbar, dass wir so schnell Unterstützung erhalten haben, denn die Belastung ist gerade enorm.“ Es seien persönliche Augenblicke, die selbst den anstrengendsten Tag aufhellten, sagt die Soldatin, die früher auch einmal im sozialen Bereich tätig war und sich erst im April für eine Laufbahn in der Bundeswehr entschieden hatte.

„Das war beispielsweise, als ich letztens mit einem genesenen Patienten, der Corona hatte, auf der Terrasse stand und er von seiner Krankheit erzählte und davon, wie sehr er sich nun freue, wieder besser atmen zu können“, sagt die 26-Jährige.

Große Gefahr auch für die Pflegekräfte

Die sechs Helfer in Uniform bleiben noch bis kurz vor Weihnachten in Radeberg, wo sie in einem Hotel untergebracht sind. Daheim warten die Familien, der Truppführer etwa ist erst seit drei Monaten verheiratet.

„Klar wäre man da gern mehr zusammen mit der Partnerin, aber solch ein Einsatz steht ganz einfach drüber. Zudem sind wir ohnehin jedes Jahr für mehrere Wochen auf Übungsplätzen unterwegs.“ Was sie mit nach Hause nehmen, ist den Soldaten schon jetzt klar: Respekt vor all denen, die Tag für Tag nah dran sind am Patienten, auch wenn das aufgrund von Corona eine große Gefahr für sie selbst birgt.

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