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„Die Angst vor Corona schwang immer mit“

45 Jahre hat Silvia Lehmann im Radeberger Krankenhaus gearbeitet. Ihr letztes Berufsjahr war eine besondere Herausforderung. Ein Porträt.

Silvia Lehmann in der Asklepios ASB-Klinik Radeberg. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester fing sie 1978 in dem Haus an. Jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen.
Silvia Lehmann in der Asklepios ASB-Klinik Radeberg. Nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester fing sie 1978 in dem Haus an. Jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen. © Christian Juppe

Radeberg. Die Arbeit als Krankenschwester ist hart: Schichten, Arbeit an den Wochenenden, Patienten, die an schweren Krankheiten sterben. Silvia Lehmann wollte dennoch nie einen anderen Beruf ausüben. 45 Jahre lang hat sie im Krankenhaus in Radeberg gearbeitet. „Auch wenn das vielleicht banal klingt, ich wollte immer anderen helfen, für die Patienten da sein. Deshalb habe ich mir nie etwas anderes vorstellen können“, sagt die heute 64-Jährige.

Vermutlich hat das mit ihrer Jugend zu tun. Sie wächst in Hartmannsdorf auf, bei den Großeltern. „Ich pflegte damals meine Oma und meinen Opa und habe auch ihren Tod erlebt. Diese Erfahrung hat mich offenbar geprägt.“ Nach der Schulzeit in Großröhrsdorf und der Ausbildung zur Krankenschwester an der Uniklinik in Dresden ging die junge Frau 1975 ans Radeberger Krankenhaus. „Ich mochte diese familiäre Atmosphäre des kleinen Hauses. Jeder kennt hier jeden. Der gute Kontakt zu den Kollegen war sicher ein Punkt, weshalb ich dann auch eine so lange Zeit geblieben bin.“

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Eingesetzt in der Inneren Station, arbeitete Silvia Lehmann von Anfang an in drei Schichten. „Als Nachtschwester hatte jede von uns eine große Verantwortung. Wir waren allein für 20 Patienten zuständig. Was mich immer wieder aus einem emotionalen Tief geholt hat, waren dann die Erlebnisse, wenn die Patienten wieder gesund nach Hause gehen konnten“, sagt Silvia Lehmann.

Die Erziehung ihrer vier Kinder, Nachtschichten und wechselnde Dienste schlauchten schon, wie sie sagt. Doch etwas anderes als die Arbeit auf Station und dann in der Notaufnahme konnte sie sich nicht vorstellen. Doch 1998 erkrankt ihr Mann. Das gab den Ausschlag, keine Nachtdienste mehr zu machen. Sie wechselte an die Rezeption der Klinik.

„Ich habe versucht, Abstand von meinen Kindern und Enkeln zu halten“

Nicht ahnend, dass diese Arbeit Jahre später ebenfalls zur großen Herausforderung werden würde. „Die erste Welle der Corona-Pandemie traf uns schon heftig. Wir mussten ja wie andere Krankenhäuser auch ein Besuchsverbot aussprechen. Nicht alle Angehörigen zeigten dafür Verständnis. Für uns hieß es, ruhig bleiben und immer wieder die Notwendigkeit der Regelung erklären.“

Dann fielen auch ganz praktische Arbeiten an der Rezeption an. „Wegen des Besuchsverbotes konnten die Angehörigen auch keine Taschen und Koffer mehr zu den Patienten bringen. Wir haben das Gepäck dann sorgsam beschriftet. Es sollte ja niemand die falschen Kleidungsstücke oder die falsche Lektüre bekommen.“

Besonders bei der ersten Corona-Welle, als es noch keine Tests gab, habe immer die Furcht mitgeschwungen, zu Hause Angehörige anzustecken. „Ich habe damals versucht, so gut es ging Abstand von meinen Kindern und Enkeln zu halten. Wir wussten ja noch so wenig über das Virus.“ Die Asklepios ASB-Klinik Radeberg hat bereits im Frühjahr zahlreiche Corona-Infizierte versorgt. Zwischenzeitlich war fast ein Drittel aller Patienten in dem Krankenhaus Corona-Patienten.

Wie viele Menschen genau Silvia Lehmann in ihren 45 Berufsjahren in der Klinik betreut hat, kann sie heute nicht mehr sagen. „Ich hoffe nur, dass sie mich in guter Erinnerung behalten haben.“ Jetzt ist die Großerkmannsdorferin in den Ruhestand gegangen. „Momentan fühlt sich das für mich wie ein langer Urlaub an. Ich habe inzwischen 13 Enkel im Alter von einem Jahr bis 23 Jahre. Um die werde ich mich intensiv kümmern, sobald Corona das wieder zulässt.“

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