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Bio boomt - auch wegen Corona

Regionale Ökoprodukte sind in diesen Zeiten sehr gefragt. Auch die Hofläden im Rödertal und in Dresden erleben gerade einen Aufschwung.

Im Hofladen Weixdorf gibt es für Verkäuferin Nicole Waldek (36) viel zu tun. Kunden schätzen in diesen unruhigen Zeiten das regionale Angebot vor Ort, sagt sie.
Im Hofladen Weixdorf gibt es für Verkäuferin Nicole Waldek (36) viel zu tun. Kunden schätzen in diesen unruhigen Zeiten das regionale Angebot vor Ort, sagt sie. © René Meinig

Radeberg. Es ist nicht alles schlecht in dieser Pandemie. Für einige der hiesigen Hofläden hat die Corona-Krise gar eine Menge Gutes. „So viele Kunden wie jetzt hatten wir noch nicht“, erzählt Nicole Waldeck, die gemeinsam mit ihren beiden Kolleginnen im Weixdorfer Hofladen in diesen Tagen im wahrsten Wortsinne alle Hände voll zu tun hat. Während des derzeitigen Teil-Lockdowns „haben die Leute mehr Zeit, um bei uns einzukaufen“, so Waldeck. Anders ausgedrückt: Die Kundschaft schätzt in diesen Zeiten das regionale Angebot vor Ort.

In diesen Tagen erleben die Hofläden abermals einen Kundenansturm. Dazu kommt noch das Weihnachtsgeschäft. „Wir haben unseren Laden erst seit zwei Jahren, aber so etwas haben wir bisher noch nicht erlebt“, erzählt Frederike Bauer. Familie Bauer verkauft in dem in Langebrück gelegenen kleinen Hofladen regional erzeugte Produkte wie Kartoffeln, Eier und Eiprodukte, Obstsäfte, Milchprodukte, Wein, Obst und Gemüse, aber auch Fleisch und Wurstwaren aus eigener Herstellung. „Während des ersten Lockdowns in diesem Frühjahr hatten wir im April einen sprunghaften Kundenanstieg“, erzählt die Langebrückerin.

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Bis zu 30 Prozent mehr Umsatz habe man da gemacht. Ein Andrang, der überraschend kam, manchen Laden zeitweise an den Rand der Kapazität brachte. Einen Grund, warum es in diesen Zeiten zahlreiche Menschen in die Hof- und Bioläden zieht, beschreibt Frederike Bauer so: „Bei uns kann man in aller Ruhe einkaufen, so was schätzen die Leute in diesen Tagen sehr.“

Auch beim landwirtschaftlichen Unternehmen „An der Dresdner Heide“ in Großerkmannsdorf zeigt man sich von diesem Trend angenehm überrascht. „Unser Hofladen wird stärker frequentiert als gewöhnlich“, erfährt man in der Geschäftsstelle des Unternehmens.

Das Blitzwachstum in den Rödertaler Hofläden ist kein Einzelfall. Viele bundesdeutsche Hofläden berichten in diesen Monaten von Umsatzrekorden, von zahlreichen Neukunden. Corona macht es möglich. Statt in Kantinen, Restaurants und Imbissen wird wieder zu Hause gegessen. Ist die Pandemie für viele ein Auslöser, sich endlich gehaltvoller, gesünder zu ernähren. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung stieg in den ersten Pandemiemonaten die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln „deutlich stärker“ als der restliche Lebensmittelhandel.

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Nicole Waldeck vom Weixdorfer Hofladen berichtet, dass sich etliche Dresdner im Umland umschauten, alternative Einkaufsmöglichkeiten suchten, um sich mit gesunden Lebensmitteln einzudecken. In einem kleinen Hofladen sei es ja übersichtlicher als in einem Supermarkt. „Ich fahre nach Weixdorf, weil das Einkaufen für mich hier auch stressfrei ist“, beschreibt es ein Neukunde, ein Student aus der Dresdner Neustadt. Da nimmt man Wartezeiten gerne in Kauf.

Denn natürlich darf sich wegen der Corona-Bestimmungen auch in den Hofläden nur eine bestimmte Anzahl von Kunden aufhalten. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr, so Nicole Waldeck weiter, sei der Umsatz natürlich gestiegen. Wie hoch das Umsatzplus beim jetzigen Teil-Lockdown ausfallen wird, könne sie nicht sagen. Aber sicher werde es bestimmt höher als gewöhnlich sein.

Viele bundesdeutsche Hofläden verzeichnen in diesem Jahr Rekorde. Bis zu 30 Prozent mehr Kunden, bis zu 50 Prozent mehr Umsatz. Aus Sicht hiesiger Hofladenbesitzer ist die Pandemie für manchen Verbraucher eine Art Auslöser. Wer schon länger mit dem Gedanken gespielt hat, sich nachhaltiger zu ernähren, hat jetzt die Gelegenheit, testet das aus.

Frederike Bauer vertritt die Auffassung, dass das Bewusstsein der Menschen gegenüber Bio-Lebensmitteln in den vergangenen Jahren angestiegen ist. Man vertraue den regionalen Erzeugern mittlerweile stärker. „Wer bei uns einkauft, weiß, wo die Produkte herkommen“. Die Corona-Pandemie habe dieses Bewusstsein gestärkt.

Ob man den Großteil der Neukunden über die Wintermonate behalten kann? Frederike Bauer hofft es. Sicher, wenn die Pandemie irgendwann einmal Geschichte ist, dürften auch in den Bio- und Hofläden die Umsätze wieder sinken. Aber in den Hofläden im Rödertal schaut man dennoch zuversichtlich in die Zukunft, setzt darauf, dass sich in der Post-Corona-Zeit viele an den Geschmack der gesunden regionalen Produkte gewöhnt haben werden.

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