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Eventagentur auf Abwegen

Im Rödertal leiden Veranstalter unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie, viele Events fallen aus. Anderen fehlt das nötige Personal.

Eventmanager Johannes Baumgärtel beschreitet seit einigen Monaten neue Wege zum Beispiel mit Werbeclips und Imagefilmen für Firmen.
Eventmanager Johannes Baumgärtel beschreitet seit einigen Monaten neue Wege zum Beispiel mit Werbeclips und Imagefilmen für Firmen. © René Meinig

Radeberg. Genau betrachtet fällt die Wachauer Mondscheinparty unter die Rubrik „Großveranstaltung“. In den zurückliegenden Jahren kamen da auch schon mal bis zu 1.000 Menschen zu dieser beliebten Poolparty ins Wachauer Freibad. Eigentlich sind ja Großveranstaltungen im Freistaat nach aktualisierter Corona-Schutzverordnung wieder möglich. Aber Johannes Baumgärtel und seine Eventagentur B & B hatten das ursprünglich für diesen Samstag geplante Partyvergnügen dann doch gecancelt.

Der Grund: Aufwand und Kosten hätten in keinem Verhältnis zum Ertrag gestanden, so der Radeberger Baumgärtel. Und Minusgeschäfte können sich kleine Veranstaltungsagenturen wie die von ihm und seinem Kompagnon René Brückner geführte Eventagentur in diesen Corona-Zeiten nicht leisten. Auch das legendäre Knorpelschenken-Enduro-Rennen in Feldschlösschen wurde abgesagt. Und ob die in Feldschlösschen für den 2. Oktober geplante Veranstaltung „Rock im Herbst“ mit der Band Knorkator stattfinden werde, das sei derzeit noch offen, erklärt Baumgärtel.

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Kaum ein Wirtschaftszweig war und ist so stark von den coronabedingten Einschränkungen betroffen wie die Veranstaltungsbranche. Seit März 2020 herrscht absoluter Stillstand in der Branche, nichts geht mehr. Doch nun wollen bundesweit Diskotheken, Clubs und Konzertveranstalter nach und nach wieder zur Normalität übergehen. Veranstaltungsagenturen wie die von Baumgärtel werden nun aber mit einem noch nicht dagewesenen Problem konfrontiert. Mit „fehlender Manpower“, wie das der Radeberger beschreibt.

Denn vielfach fehlt das Personal, das solche Veranstaltungen unterstützt. Bühnentechniker, Aufbauhelfer, Barmitarbeiter. Viele sind entweder in Kurzarbeit oder haben sich neue Jobs gesucht. Diese wieder zu aktivieren, sei nicht einfach, erklärt Baumgärtel. So habe man in den vergangenen Jahren für das Knorpelschenkenrennen rund 50 Helfer benötigt. Auf der anderen Seite, so Baumgärtel weiter, könne man solche Events sicher mit ausgefeilten Hygienekonzepten durchführen. Mit Maske, Abstandsregelung, Testungen und mit weniger Besuchern. Aber dann, so Baumgärtel, gehe nicht nur das Flair einer solchen Veranstaltung verloren, sondern man habe letztendlich mehr Kosten, als eingeplant.

Doch was macht eine Veranstaltungsagentur ohne Events? Baumgärtel und sein Kompagnon beschreiten seit einigen Monaten neue Wege. Produzieren für Firmen Werbeclips, drehen Imagefilme, bereiten Internetauftritte vor. Und ansonsten kümmert sich der 40-jährige Baumgärtel um seine Familie, um seine vier Kinder. „Da bin ich vollkommen ausgefüllt“, sagt er.

Der Ottendorfer Veranstaltungsplaner Toralf Herrich ist in diesen Zeiten froh, dass er noch andere Standbeine hat. Seinen TV-Shop beispielsweise. Herrich, der seit rund 20 Jahren große Events wie Stadtfeste, Industriejubiläen oder Sachsentage organisiert, erklärt, dass er in diesen Tagen wieder etliche Veranstaltungsabsagen bekommen habe. „Viele sind, wie schon im vergangenen Frühjahr, erneut verschoben worden, auf das kommende Jahr.“ Es seien wirklich im Moment keine guten Zeiten für Veranstalter, findet er. Und dann sei noch völlig offen, wie es im Herbst für die Branche weitergehe.

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Da stellten sich einige Fragen, zum Beispiel, wie sich Impfquote, die Corona-Lage und die Inzidenzwerte entwickeln werden. Vieles sei da noch unsicher. Wie solle man da planen, fragt der Ottendorfer. Und ab Herbst rückten ja wieder Faschingsveranstaltungen, Weihnachtsmärkte, Silvesterfeiern in den Blickpunkt seiner Branche. Aber da wisse derzeit auch niemand, ob und unter welchen Voraussetzungen diese Events durchgeführt werden können. Er wisse von einigen Veranstaltern, die seien mittlerweile pleite gegangen. In diesen schweren Zeiten müsse man, auch wenn es sicher manchem schwerfalle, trotzdem versuchen, „positiv zu denken“, so der Ottendorfer. Denn irgendwann werden die Zeiten wieder besser. Müssen sie auch.

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