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„Gutes Gefühl, wenn man kein Corona hat“

Im Radeberger Bürgerhaus befindet sich seit Ende März ein Schnelltestzentrum. Täglich lassen sich dort bis zu 300 Menschen testen. Ein Report.

Jörn Dreyer hatte sich über die Internetseite des Radeberger Testzentrums für einen Schnelltest angemeldet. Sein Ziel: ein Frisörtermin am selben Tag.
Jörn Dreyer hatte sich über die Internetseite des Radeberger Testzentrums für einen Schnelltest angemeldet. Sein Ziel: ein Frisörtermin am selben Tag. © René Meinig

Radeberg. „Kommen Sie rein, draußen ist es doch ungemütlich“. Martin Pönitz winkt das im Flur wartende Rentner-Ehepaar hinein. Sicher, draußen ist es recht kalt, aber was die Temperatur angeht, ist es in dem kleinen Raum auch nicht behaglicher als vor der Tür.

Alle Fenster sind weit geöffnet. Pönitz, gekleidet in einen weißen Ganzkörper-Seuchenanzug, empfängt die beiden an einem improvisierten Schreibtisch, auf dem neben einem Laptop ein Kästchen mit Röhrchen steht. Der ältere Herr reicht ihm einen Ticketausdruck, der QR-Code wird aufgenommen, beide bekommen ein Röhrchen, versehen mit der freundlichen Aufforderung, kurz Platz zu nehmen auf einem der wenigen im Raum verteilten Stühle. Aus einer Lautsprecherbox tönt leise Unterhaltungsmusik. „Die nächsten bitte!“

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Pönitz' Kollegin, ebenfalls gekleidet, als stehe ein Besuch auf einem fernen Planeten an, ist an diesem Tag für die Rachen- und Nasenabstriche („Tut überhaupt nicht weh“) zuständig. Nach zwei Minuten ist das Prozedere für das Ehepaar vorbei. Deren Körperhaltung signalisiert es deutlich: Geschafft! Das Testergebnis gebe es in 15 Minuten, es werde per E-Mail verschickt, erfahren die Senioren beim Hinausgehen von Martin Pönitz.

Mit dem negativen Schnelltest zum Frisörtermin

Radeberg, Bruno-Thumweg 2, Corona-Schnellteststation, Mittwochvormittag. Vor der Tür des Bürgerhauses haben sich einige maskierte Menschen brav in einer Warteschlange aufgereiht, um sich hier schnelltesten zu lassen. Um sich ihre Erlaubnis abzuholen, Oma und Opa im Heim besuchen zu dürfen oder in ein Geschäft gehen zu können.

Seit Ende März gibt es nun im Rödertal, in Radeberg und Ottendorf-Okrilla, zwei Corona-Schnellteststationen, auch in einigen Apotheken der Bierstadt werden kostenlose Tests angeboten. Pönitz, der die von der Firma Covi Medical betriebene Corona-Schnellteststation im Radeberger Bürgerhaus leitet, erzählt, dass seit dem ersten Tag - eröffnet wurde das Testzentrum am 27. März - die Zahl der Besucher kontinuierlich gestiegen sei.

Immer mehr Menschen lassen sich im Radeberger Bürgerhaus auf Corona testen.
Immer mehr Menschen lassen sich im Radeberger Bürgerhaus auf Corona testen. © René Meinig

War der Andrang zu Beginn mit bis zu 70 Besuchern am Tag überschaubar, waren es kurz vor Ostern mitunter weit über 200 Menschen, die sich testen ließen. Insgesamt hätten wohl bisher rund 2.500 Personen das kostenlose Schnelltestangebot wahrgenommen, so Pönitz. Und zwar alle Altersgruppierungen.

Jörn Dreyer hatte sich über die Internetseite des Testzentrums angemeldet, die benötigten Dokumente wie Ticket, Chipkarte und Personalausweis mitgebracht. Warum er sich schnelltesten lasse? Der Radeberger zeigt auf seine Haarpracht: „Die Matte muss runter.“ Er habe an diesem Tag einen Frisörtermin. An diesem Vormittag benötigen etliche den 24 Stunden gültigen Test für eine Coiffeur-Visite. Denn bei den sächsischen Barbieren geht seit Anfang April ohne negativen Test nichts.

„Die Akzeptanz in der Bevölkerung nimmt zu“

Pönitz beschreibt die Atmosphäre im Radeberger Testzentrum als „entspannt bis locker“. Klar, gebe es immer noch welche, die noch nicht von der Sinnhaftigkeit der Testaktionen überzeugt seien, jedoch: „Die Akzeptanz in der Bevölkerung nimmt zu.“ Manch einer kommt auch unangemeldet vorbei. Zumeist Rentner. Senioren, die, so Stationsleiter Pönitz, „weder Computer noch Smartphone haben“. Sie bekommen aber alle einen Termin. Und wenn es zeitlich passt, werden sie gleich getestet.

Zwei ältere Damen stehen vor Pönitz' Schreibtisch. „Um elf Uhr bekomme ich 'ne Dauerwelle, klappt das bis dahin?“ Pönitz schaut auf die Uhr, könnte knapp werden. Wenig später taucht ein junger Mann in Laufschuhen auf. Draußen will man wissen, warum er sich hat testen lassen. „Wollte sehen, wie es so abläuft hier, und überhaupt, ist doch ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man kein Corona hat.“

Von den derzeit rund 2.500 Schnelltests seien bisher nur „nur drei oder vier positiv ausgefallen“, erzählt Pönitz.

Wie lange das Testzentrum im Bürgerhaus bleiben wird, der 36-jährige Stationsleiter zuckt mit den Schultern. Gute Frage. Das wisse derzeit ja niemand. Aber es werde wohl hoffentlich keine unendliche Geschichte. Oder doch?

Anmeldung und weitere Infos unter www.15minutentest.de.

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