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Rote Karte für den Amateurfußball

Wegen Corona sagt der Fußballverband im Kreis Bautzen fast alle Spiele ab. Rödertaler Vereine fragen, wie es weitergehen soll - und fürchten Auflösungen.

Von Rainer Könen
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Eric Mantke vom Fußballverein FV 05 in Ottendorf-Okrilla bedauert die Absage der Spiele.
Eric Mantke vom Fußballverein FV 05 in Ottendorf-Okrilla bedauert die Absage der Spiele. © René Meinig

Radeberg. Mit der vom Westlausitzer Fußballverband (WFV) getroffenen Entscheidung, von diesem Wochenende an den Fußball-Spielbetrieb im Landkreis Bautzen bis zur achtklassigen Kreisoberliga ruhen zu lassen, hat der Verband auf die aktuelle Entwicklung rund um das Coronavirus reagiert. „Die pandemische Lage hat uns da leider förmlich überrollt“, erklärt WFV-Geschäftsführer Gojko Sinde. Von der Entscheidung sind im Landkreis Bautzen die Altersklassen Herren und Frauen, die A- und B-Junioren (15- bis 18-Jährige), sowie Turnierspiele der G-Junioren (bis sechs Jahre) und F-Junioren (Sieben- bis Neunjährige) betroffen.

Insgesamt, so Sinde, werden damit am 13. und 14. November im Landkreis rund 150 Spiele abgesagt. Wie schon im vergangenen Jahr, als der Lockdown für den Abbruch des Wettspielbetriebes sorgte, werden somit die Freizeitkicker im Rödertal erneut auf unbestimmte Zeit in eine sportliche Zwangspause geschickt. „Das alles ist mittlerweile echt traurig“, beschreibt es Dietmar Rösler. Der Abteilungsleiter des TSV Wachau kann die Entscheidung des Verbandes natürlich nachvollziehen, glaubt aber, dass die pandemiebedingte Unterbrechung der Spielzeit, sollte sie bis ins kommende Frühjahr gehen, „für manche Klubs das endgültige Aus bedeuten dürfte“.

Der Grund: Die Geduld vieler Freizeitsportler sei seit Beginn der Pandemie im vergangenen Jahr überstrapaziert worden. Rösler: „Da werden etliche aufhören, mit der Konsequenz, dass Vereine sich auflösen werden.“ Der Grund für die Entscheidung des Verbandes, den Spielbetrieb vom Wochenende an einzustellen, ist die aktuelle Corona-Schutzverordnung. Nach dieser wird der Trainings- und Spielbetrieb als private Zusammenkunft betrachtet. Mit anderen Worten: Es dürfen bei einer Sportveranstaltung maximal zehn Personen (unter anderem Spieler, Auswechsler, Trainer, Funktionsträger, Schiedsrichter) zusammenkommen. Geimpfte oder genesene Personen sowie Jugendliche bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres werden nicht mitgezählt.

Eine solche Regelung sei in der Praxis aber nicht umzusetzen, so Sinde weiter. Man könne den Vereinen nicht zumuten, zu prüfen, ob unter den Akteuren und Zuschauern zehn Personen nicht geimpft oder genesen seien.

Diese Verantwortung sei zu groß, findet auch Uwe Herklotz vom Arnsdorfer Fußballverein. Angesichts der derzeitigen Corona-Schutzverordnung „ergibt es keinen Sinn weiterzuspielen“, so der Abteilungsleiter des Klubs. Von der Entscheidung des Verbandes sind an diesem Wochenende in seinem Klub acht Teams betroffen. Viele der 260 Mitglieder seien „sehr angefressen“, beschreibt es Herklotz. Manche „ziemlich traurig“. Auch weil niemand wisse, ob und wie es mit dem Amateurfußball weitergehen wird. Die Weihnachtsfeier im Dezember habe man jedenfalls schon abgesagt, so Herklotz weiter.

Wer sich am vergangenen Wochenende das Spiel der ersten Männermannschaft des SV Lomnitz anschaute, der staunte ein wenig. Über die ungewöhnlich hohe Zuschauerresonanz. Rund 350 seien es bestimmt gewesen, so SV-Präsident Markus Klotsche. Der Grund: „Viele haben geahnt, dass es für eine Weile das letzte Fußballspiel in Lomnitz sein wird.“ Klotsches Einschätzung: „Der Spielbetrieb wird sicher erst in einigen Monaten wieder starten.“ Aber glücklicherweise könnten die Sportler ja noch trainieren, vorausgesetzt die Auflagen der derzeitigen Corona-Schutzverordnung werden eingehalten.

Die C-Junioren und die Altersklassen darunter sind vom Verbands-Beschluss ausgenommen. Dort darf weitergespielt werden. Vorerst jedenfalls. Allerdings müssen auch bei den Kindern unter 14 Jahren die Auflagen und Einschränkungen der Corona-Schutzverordnung eingehalten werden. Heißt: Nur maximal zehn ungeimpfte Personen dürfen zusammenkommen. Für die Jugendabteilung des FV Ottendorf-Okrilla bedeutet das, dass am Wochenende fünf Partien stattfinden können, die E- bis C-Junioren dürfen spielen. So jedenfalls ist es geplant. Ob die Begegnungen tatsächlich stattfinden werden, hänge auch von den gegnerischen Teams ab, so Jugendleiter Eberhard Gonnermann.

Erkranke dort jemand an Corona, werden die Spiele natürlich abgesagt, so Gonnermann weiter. Der persönlich etwas skeptisch ist, „was die Zukunft des Spielbetriebs angeht“. Man wisse einfach nicht, wie sich in diesem Winter die Pandemie entwickele. Es gebe doch jeden Tag was Neues in Sachen Corona, findet auch Wachaus Dietmar Rösler.Der glaubt, dass in der gegenwärtigen Situation die Übungsleiter der Klubs mehr denn je gefordert sind. Stichwort Motivation. „Wir alle müssen nun besonders kreativ sein“, so der Wachauer Abteilungsleiter, „damit unsere Sportler in dieser Zeit weiter am Ball bleiben.“