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Stadträtin an Corona gestorben

Cordula Heß war als Anwältin über Radeberg hinaus bekannt. Selbst in der Uniklinik konnten ihr die Ärzte nicht helfen.

Dr. Cordula Heß (SPD) engagierte sich auf vielfältige Weise: Sie saß mehrere Jahre im Stadtrat von Radeberg und half Asylsuchenden.
Dr. Cordula Heß (SPD) engagierte sich auf vielfältige Weise: Sie saß mehrere Jahre im Stadtrat von Radeberg und half Asylsuchenden. © Archivfoto: Thorsten Eckert

Radeberg. Es gab kaum eine Debatte im Radeberger Stadtrat, in der sich Dr. Cordula Heß nicht zu Wort meldete: Sie trat für eine kostenfreie Kita-Betreuung ein, sie schlug vor, dass städtische Mitarbeiter an den Radeberger Schulen sich kostenlos auf Corona testen lassen können und noch auf der Sitzung vor einigen Tagen mahnte sie schnelle Tests für Mitarbeiter in allen Pflegeheimen an.

Ehemann vermutet: Auf einer Bahnfahrt angesteckt

Jetzt ist ihre Stimme nicht mehr zu hören. Die SPD-Politikerin ist vergangene Woche gestorben. Sie hatte sich mit dem Coronavirus infiziert. Sie wurde 61 Jahre alt.

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„Das ist für uns sehr schmerzlich. Als die Nachricht kam, habe ich den ganzen Tag geweint. Es kam so überraschend für uns alle“, sagt ihr Mann Dr. Winfried Rommerskirchen. Auch er hat sich mit dem Virus angesteckt.

Vermutlich ist das auf einer Bahnfahrt passiert. „Wir sind Anfang November nach Magdeburg gefahren. Ursprünglich wollten wir zu einer Geburtstagsfeier im Rheinland. Wegen Corona fand sie nicht statt. Die Fahrkarten waren aber gekauft und so haben wir uns in Magdeburg den Dom und das Hundertwasser-Haus angesehen“, erinnert er sich.

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Auf der Hinreise sei genug Platz im Zug gewesen, bei der Rückfahrt um gleichen Tag sei der Zug aber recht voll gewesen. „Wahrscheinlich ist es dort passiert.“ Dabei hat seine Frau immer besonders auf die Einhaltung der Schutzregeln geachtet.

„Maske tragen, Abstand halten und Hände desinfizieren, das war ihr alles sehr wichtig.“ Wenige Tage nach der Zugfahrt bemerkte zunächst Winfried Rommerskirchen erste Symptome. „Ich hatte Halsschmerzen und bekam schlecht Luft.“

Kurz danach erkrankte seine Frau. „Sie erwischte es von Anfang an viel heftiger als mich. Vielleicht dadurch, dass sie Diabetikerin war.“ Ein Corona-Test brachte Gewissheit, dass sie sich mit dem gefährlichen Virus angesteckt hatten. „Meine Frau wurde sofort ins Krankenhaus in Radeberg gebracht.“ Als sich ihr Zustand nicht verbesserte, verlegten die Ärzte sie in die Uniklinik Dresden. „Aber auch hier konnte man ihr nicht helfen. Mehrere Organe versagten. Sie hat das Virus nicht besiegen können. Ihr Tod ist unbegreiflich.“

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Dabei hatte sich die Familie so viel vorgenommen. „Alles, was wir uns für die nächste Zeit gewünscht haben, findet nun nicht statt. 2021 sollte unser Jahr werden. Sie wollte sich von ihrer Arbeit in der Kanzlei zurückziehen, wir wollten Reisen unternehmen. Nichts davon wird wahr.“

Ihm macht die Krankheit weiterhin zu schaffen. „Die Symptome sind noch vorhanden. Sie waren bei mir aber zu keinem Zeitpunkt sehr stark.“ Die Pflegetochter der Familie wurde ebenfalls positiv auf das Virus getestet. Sie ist vollständig symptomfrei. Sie ist derzeit in Quarantäne.

Ortschaftsrat wegen Heß mehrmals umgezogen

Cordula Heß wird in Radeberg und der Umgebung sehr fehlen. Neben ihrer Arbeit im Stadtrat, saß sie im Ortschaftsrat in Großerkmannsdorf und im Kreistag. „Sie war eine engagierte Frau. Durch die vielen Jahre in der Politik und ihre Arbeit als Anwältin hatte sie eine große Erfahrung. Ich war schockiert, als ich von ihrem Tod erfuhr, besonders, als mir die Ursache bekannt wurde“, sagt der Radeberger Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD).

Auch Dr. Karl-Wilhelm Leege (Freie Wähler), Ortsvorsteher von Großerkmannsdorf, ist von ihrem Tod betroffen. „Es ist unbegreiflich. Sie hat sich sehr für den Ort eingesetzt und sie passte besonders auf, wenn es darum ging, die Corona-Regeln einzuhalten. Wir als Ortschaftsrat sind auf ihr Anraten mehrmals umgezogen, da der Platz nicht ausreichte, um den Zwei-Meter-Abstand einzuhalten.“

Als junge Anwältin in den Osten

Cordula Heß hat in Köln Jura studiert. Kurz nach der Wende schickte ihr damaliger Arbeitgeber, eine Kanzlei in Bergisch-Gladbach, die junge Anwältin in den Osten. In der Loschwitzer Straße in Dresden baute sie ein Büro auf.

Als sie in der Landeshauptstadt keine vernünftige Wohnung fand, schrieb sie auf ein Inserat für eine Wohnung in Radeberg zurück. Sie zog zunächst an die Otto-Bauer-Straße und später in ein Einfamilienhaus in Großerkmannsdorf. In der Stadt wurde sie neben ihrer politischen Tätigkeit als ADAC-Anwältin bekannt. Außerdem vertrat sie etliche Kläger im Dieselskandal.

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