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„Wir verkaufen mehr Gestecke für Bestattungen“

Die Nachfrage in Gärtnereien in Radeberg und Umgebung ist derzeit groß. Mitunter hat sie auch eine traurige Seite.

Die Floristinnen Dagmar Richter und Martina Kühnel (r.) in der Gärtnerei Kühnel in Liegau-Augustusbad. Ihre Blumen sind derzeit sehr gefragt.
Die Floristinnen Dagmar Richter und Martina Kühnel (r.) in der Gärtnerei Kühnel in Liegau-Augustusbad. Ihre Blumen sind derzeit sehr gefragt. © René Meinig

Radeberg. Endlich raus in den Garten. Bei Temperaturen über zehn Grad und Sonnenschein kennen Hobbygärtner jedes Jahr nur eins: Erde umgraben, Beete und Blumenkästen neu bepflanzen. Doch diesmal ist alles anders, wegen der Corona-Beschränkungen ist die Ausgangslage unterschiedlich. Gärtnereien dürfen öffnen und in Baumärkten und in Blumenläden gilt noch Click & Collect, also erst bestellen, dann abholen. Erst ab Montag könnte es für sie ebenfalls Erleichterungen geben. Die Bundesregierung hat Öffnungen in Aussicht gestellt. Derzeit berät die Landesregierung über die Beschlüsse.

„Vorbestellungen per Telefon helfen uns sehr“

Sebastian Kühnel, Juniorchef der gleichnamigen Gärtnerei in Liegau-Augustusbad, wünscht sich lieber heute als morgen eine Gleichbehandlung von Gärtnereien, Blumengeschäften und Gartencentern. „Ich hoffe, dass alles schnell wieder in normale Bahnen kommt. Wir sind zwar froh, dass wir viel zu tun haben. Doch es ist schon ein ziemlicher Druck. Ich würde es für sinnvoller halten, wenn auch Blumenläden öffnen dürften“, sagt er.

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Derzeit ginge alles weg. „Wir verkaufen sehr gut unsere selbst angebauten Schnittblumen, aber auch die Topfpflanzen von Stiefmütterchen über Anemonen bis hin zu Narzissen.“ Hinzu kommen die vielen Arbeiten im Hintergrund. „Wir ziehen ja auch verschiedene Gemüsepflanzen. Tomatensetzlinge sind sehr begehrt. Außerdem bekommen wir jetzt verstärkt Nachfragen nach Verschneiden von Obstbäumen oder Hecken.“

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Eine weitere Aufgabe von ihm und seinen Mitarbeitern ist das Anfertigen von Blumensträußen und Gestecken auf Bestellung. „Die Vorbestellungen per Telefon helfen uns sehr. So können wir die Sträuße in Ruhe vorbereiten. Die Kunden müssen nicht in der Gärtnerei warten. Denn einen Strauß frisch zu binden, dauert einige Zeit“, sagt Sebastian Kühnel.

Dass momentan ganz ungewöhnliche Zeiten herrschen, erfährt der Gärtnerei-Inhaber in diesen Tagen immer wieder. „Die Zahl der bestellten Trauer-Gestecke ist deutlich höher als in vergangenen Jahren. Das ist schon traurig“, sagt er.

Wegen der vielen Aufträge sind auch alle Beschäftigten der Gärtnerei an ihrem Arbeitsplatz. „Kurzarbeit oder Ähnliches hat es bei uns nicht gegeben.“ Allerdings hat der Betrieb sein Jubiläumsfest abgesagt. „Wir bestehen jetzt 90 Jahre. Das wollten wir besonders feiern. Wegen der Corona-Pandemie wird das Fest vorerst nicht stattfinden.“

„Nur mit Click & Collect werden wir die Kunden nicht halten können“

Etwas anders wirkt sich die gegenwärtige Situation bei der Gärtnerei Blütenreich in Leppersdorf aus. „Bei uns wird viel gekauft, allerdings nicht hier im Geschäft, sondern online. Wir kommen kaum hinterher, alle Bestellungen zu bearbeiten“, sagt Inhaber Martin Bartel. Etwa viermal so viele Aufträge wie in vergangenen Jahren kämen herein. „Wir haben uns ja auf eher seltene Gartenpflanzen spezialisiert. Lenzrosen, Elfenblumen oder Fackellilien und andere. Wir bedienen eine Nische, die offenbar immer mehr Gartenbesitzer entdecken.“

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Allerdings könne der Online-Verkauf nicht die Verluste ausgleichen, die durch die Absage von Märkten entstehen. „Wir sind auf großen Pflanzenmärkten präsent. Viele fanden nicht statt. Wir hoffen jetzt, dass der Pflanzenmarkt am Schloss Pillnitz Ende Mai stattfindet. In einigen Wochen wissen wir mehr“, sagt der Gärtner.

Der Leiter des Radeberger Toom-Baumarktes Mike Helbig, kritisiert die bisherige Regelung in Sachsen. „Nur mit Click & Collect werden wir die Kunden nicht halten können“, sagt er. „Balkone und Gärten werden jetzt für das Frühjahr fit gemacht, und dafür werden viele Sachsen auch die Fahrt in ein angrenzendes Bundesland auf sich nehmen.“

In seinem Baumarkt würden alle AHA-Regeln eingehalten. „Wir bieten unserer Kundschaft die notwendige Sicherheit beim Einkauf und schützen auch unsere Mitarbeiter“, betont der Marktleiter. Deshalb spricht seiner Meinung nach alles für eine schnellstmögliche Öffnung.

Der Gartenbauverband Mitteldeutschland hatte durch eine Umfrage bei seinen Mitgliedsunternehmen errechnet, dass bereits durch die Schließung von Blumenläden und Baumärkten bis Ende Februar zigtausend Pflanzen vernichtet werden mussten. Durch die fehlenden Absatzmöglichkeiten aufgrund der Schließungen werden es täglich mehr. (mit SZ)

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