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Radebergs OB kritisiert Kinderschuh-Aktion scharf

Die Teilnehmer protestierten vor dem Rathaus gegen die Corona- Schutzmaßnahmen - mit widerlicher Symbolik, findet der SPD-Politiker.

Vor dem Radeberger Rathaus haben Unbekannte zahlreiche Kinderschuhe abgelegt. Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) spricht von einer "Verharmlosung der Nazimorde".
Vor dem Radeberger Rathaus haben Unbekannte zahlreiche Kinderschuhe abgelegt. Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) spricht von einer "Verharmlosung der Nazimorde". © privat

Radeberg. Vor dem Radeberger Rathaus haben Unbekannte zahlreiche Kinderschuhe abgelegt. Außerdem sind handgeschriebene Zettel mit Sätzen wie „Wer schützt unsere Kinderseelen?“ oder „Schluss mit den scheiß Maßnahmen“ zu sehen. Der Radeberger Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD) hat grundsätzlich Verständnis für Proteste, verurteilt diese Aktion aber scharf.

„Wir alle leiden unter den Einschränkungen, die die Pandemie mit sich bringt. Insbesondere sind Kinder belastet. Protest ist auch völlig in Ordnung. Ich bin damit einverstanden, sich mit Plakaten, mit Spruchbändern, bei Demos oder Autokorsos zu äußern. Die Aktion mit den Kinderschuhen verurteile ich vehement“, sagte er. „Die leeren Kinderschuhe sind ein Symbol für den hunderttausendfachen Kindermord in den Vernichtungslagern der Nazis. Dies auch nur symbolisch mit den coronabedingten aktuellen Einschränkungen gleichzusetzen, ist absolut nicht in Ordnung“, erklärte er.

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OB Lemm: widerliche Symbolik

Die Initiatoren würden aus dem Umfeld der sogenannten "Querdenker" kommen. „Sie wissen genau, was sie da tun. Ich denke und hoffe, viele Radeberger, die da eventuell mitmachen oder das gutheißen, wissen nicht, zu welch widerlicher Symbolik sie da missbraucht werden.“

Es hätten beispielsweise auch Schulranzen oder Sporttaschen verwendet werden können. „Das ist nicht geschehen. Es wurden bewusst Kinderschuhe verwendet. Das ist eine Verharmlosung der Nazimorde“, sagte er. Auch Recherchen des MDR zeigen: Die Gruppen, die zur „Aktion Kinderschuhe“ aufrufen, sind Teil der "Querdenker"-Szene.

Für seine klare Haltung erhielt der SPD-Politiker viel Zuspruch. „Danke Herr Lemm für Ihre Haltung und dafür, dass Sie die Symbolik öffentlich gemacht haben“, schreibt eine Nutzerin auf Facebook. Ein weiterer: „Danke. Ein stabiler Bürgermeister!“ Mehrere Nutzer griffen aber auch den OB an, stritten den historischen Vergleich ab und wenden sich gegen die Corona-Schutzmaßnahmen.

Ähnliche Aktion in Ottendorf

Auch vor dem Rathaus in Ottendorf-Okrilla hatten Unbekannte vor einigen Tagen Kinderschuhe abgelegt und selbst gemalte Protestbriefe, Plakate und Zeichnungen aufgehängt. Darauf waren unter anderem Wünsche nach einer Rückkehr ins normale Leben zu lesen. Auf einem Plakat wurde die Testpflicht an Schulen abgelehnt.

Der Ottendorfer Bürgermeister Rico Pfeiffer schrieb in einer Stellungnahme, er habe „viel Verständnis“. „Uns alle treffen die Einschränkungen hart. Ob Homeschooling oder Notbetreuung, mobiles Arbeiten, Homeoffice, Mehrarbeit, Arbeitsquarantäne oder Kurzarbeit“, so Pfeiffer. „Ich stehe selbstverständlich Maßnahmen offen gegenüber, die uns aus der Krise bringen. Diese Aktionen müssen aber friedlich und sinnvoll geführt werden“, heißt es weiter.

„Gemeinsam mit den Vertretern des Landratsamtes, des Freistaates Sachsen und den Mitarbeitern in den Einrichtungen der Gemeinde arbeiten wir an Konzepten, um den Forderungen und Wünschen und denen unserer Kinder gerecht zu werden.“ Er hoffe, dass alle sich bald wieder ohne Einschränkungen frei bewegen können. „Der Weg bis dahin wird nicht leicht werden, aber ich kann Ihnen versichern, dass wir alles tun, was in unserer Macht steht, um die Lockerungen mit nach vorn zu bringen“, so der Ottendorfer Bürgermeister.

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Nach Angaben von Gerhard Lemm wird die Rathaustreppe wieder frei geräumt. Die Schuhe übernimmt das Fundbüro. „Dort können sie abgeholt werden“, sagt der OB. Aufgrund steigender Infektionszahlen werden nach Angaben des Landratsamtes die bisherigen Lockerungen zurückgenommen. Die Sieben-Tages-Inzidenz lag nach Meldung des RKI bereits am Sonntag den dritten Tag in Folge über dem Wert von 100.

Ab Dienstag gelten unter anderem wieder Ausgangsbeschränkungen. Ein Verlassen der eigenen Häuslichkeit ist nur aus triftigem Grund erlaubt. Es darf sich ein Hausstand nur noch mit einer weiteren Person treffen. Ausgenommen sind Kinder unter 15 Jahren. Click & Meet, also der Einkauf nach Anmeldung, ist verboten. Die Bestellung von Waren über das Internet oder telefonisch, also Click & Collect, ist weiter möglich. Außer Frisören und Fußpflege-Praxen müssen körpernahe Dienstleistungs-Einrichtungen schließen. Darüber hinaus gilt ein Verbot von Gruppensport für Kinder.

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