merken
PLUS Radeberg

Radeberger Weihnachtsmarkt abgesagt

Mit einer Inzidenz von über 400 wäre der Markt nicht zu vertreten gewesen, sagen selbst betroffene Händler. Was aber wird aus dem Einkaufssonntag?

Bierkutscher Ernst war jedes Jahr mit dem Stand "Geschenke aus der Bierstadt" auf dem Radeberger Weihnachtsmarkt vertreten.
Bierkutscher Ernst war jedes Jahr mit dem Stand "Geschenke aus der Bierstadt" auf dem Radeberger Weihnachtsmarkt vertreten. © Archivfoto: Willem Darrelmann

Radeberg. Die Stadt hat bis zuletzt gewartet. Jetzt ist klar, der Weihnachtsmarkt in Radeberg findet in diesem Jahr nicht statt. Die Sächsische Corona-Schutzverordnung untersagt alle Weihnachtsmärkte bis 28. Dezember. „Jetzt haben wir Klarheit. Wir werden nun alle, die einen Stand geplant hatten, über die Absage informieren. Ich finde es schade, dass er nicht stattfinden kann, es ist das erste mal in meiner Amtszeit“, sagte Oberbürgermeister Gerhard Lemm (SPD).

Auch unter Händlern ist das Bedauern groß. Michael Gregor, alias Bierkutscher Ernst, war jedes Jahr mit dem Stand „Geschenke aus der Bierstadt“ vertreten. „Es hat immer viel Spaß gemacht. Die Besucher waren begeistert und auch der Umsatz war gut. Angesichts der Lage ist eine Absage aber sicher besser.“

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Einen „halben“ Weihnachtsmarkt hätte er sich nicht vorstellen können. „Ein Markt ohne Bratwurst- und Glühweinstände, wie das ja schon im Gespräch war, hätte keine richtige Atmosphäre gezaubert. Dann lieber die Absage.“ Er hofft auf das nächste Jahr. „Dann wird es wieder ein Bierstadtfest und auch den Weihnachtsmarkt geben. Davon bin ich überzeugt. Ich als Bierkutscher werde dabei sein und hoffentlich viele Besucher auch.“

Meistgelesen zum Coronavirus:

Thomas Moch, Inhaber mehrerer Reisebüros in Radeberg und der Umgebung, bedankt sich beim OB: „Ihr habt lange an den diesjährigen Weihnachtsmarkt geglaubt und alles vorbereitet. Jetzt ist der Stadt die Entscheidung aber abgenommen, auch nicht schlecht, denn es wäre so oder so eine umstrittene Veranstaltung gewesen“, schreibt er in einem Kommentar auf Facebook.

Der Radeberger Winzer Andreas Kretschko war jedes Jahr mit einem Stand auf dem Markt vertreten: „Schon das Hexenbrennen und das Dorffest in Liegau fanden nicht statt, jetzt gibt es auch keine Weihnachtsmärkte. Schade, aber da müssen wir durch.“ Dabei kommen für Winzer die schwierigen Monate erst, sagt er. „Von Januar bis März wird naturgemäß wenig Wein gekauft, zugleich haben wir in dieser Zeit Investitionen, beispielsweise in neue Flaschen. Auch das müssen wir irgendwie schultern.“

Er hofft auf reichlich Privatkunden in seinem Online-Shop. „Der Wein dieser Saison ist sehr gut. Wegen der Trockenheit konnten viele Winzer allerdings nicht die Menge erzielen wie in normalen Jahren.“

Corona-Inzidenz über 400 im Landkreis Bautzen

Auch für Thomas Tiebel, Vorstandsmitglied des Gewerbevereins und Betreiber der Radeberger Destillation & Liqueurfabrik, fehlt etwas in diesem Jahr. „Der Weihnachtsmarkt gehört zu Radeberg. Die Vorbereitungen und die Markttage haben immer Stress bedeutet, es hat aber auch sehr viel Spaß gemacht“, sagt er.

Angesichts der Corona-Lage gerade im Landkreis mit einer Inzidenz von über 400 habe es keine andere Möglichkeit als eine Absage gegeben. „Ich bin auch kein Freund einer abgespeckten Variante gewesen. Schon die Verlegung auf den Marktplatz hätte ein Verlust von Atmosphäre bedeutet. Wenn dann auch noch die Bratwurst- und Glühweinstände gefehlt hätten, wäre vom Weihnachtsmarkt nicht viel übrig geblieben.“

OB Lemm hätte Weihnachtsmarkt für verantwortbar gehalten

Für die Händler sei die Absage natürlich schmerzlich. „Durch Corona haben wir schon herbe Einnahmeverluste erlitten. Wir hoffen jetzt, dass die Radeberger in der Vorweihnachtszeit den Händlern hier die Treue halten und in der Stadt einkaufen, leckeren Glühwein beispielsweise. Wenn man ihn schon auf dem Weihnachtsmarkt nicht trinken kann, kann man das doch zu Hause nachholen.“ Er weist auf den Radeberg-Gutschein hin. „Das wäre doch ein passendes Geschenk. Den kann man dann in zahlreichen Geschäften in der Stadt einlösen.“

OB Lemm selbst hätte einen Weihnachtsmarkt für verantwortbar gehalten. „Von uns gab es ein umfangreiches Konzept. Danach hätten die Hütten weit auseinandergestanden, es wäre ein Einbahnstraßensystem für die Besucher eingerichtet worden, jeder hätte seine Personalien hinterlegen müssen und hochprozentige Alkoholika wären auch verboten gewesen. Jetzt ist anders entscheiden worden, daran halten wir uns.“

Unklar ist noch, ob der Einkaufssonntag stattfinden wird. „Wir müssen uns jetzt die Verordnung des Landkreises genau ansehen, ob eine solche Aktion noch möglich ist. Auch sind wir dabei, unter unseren Mitgliedern zu erfragen, wie groß die Bereitschaft an einer solchen Sonderöffnungszeit ist“, sagt Thomas Tiebel. Es könnte bei einem Einkaufssonntag bleiben, denkbar ist aber auch an einem Sonnabend oder an einem Tag in der Woche länger zu öffnen. „Eine Entscheidung fällt dazu in den nächsten Tagen“, sagt er.

Weiterführende Artikel

Corona: Neue Einreiseregeln für Hochrisikogebiete

Corona: Neue Einreiseregeln für Hochrisikogebiete

Staus an Grenzübergängen zu Tschechien, FFP2-Maskenpflicht in Österreich, Regierung befürchtet Angriffe auf Impfzentren - unser Newsblog.

Wohin mit 50.000 Striezelmarkt-Tassen?

Wohin mit 50.000 Striezelmarkt-Tassen?

Anstatt auf den Dresdner Striezelmarkt sollen die Tassen in diesem Jahr in die heimischen Wohnzimmer wandern. So halten die Dresdner dem Markt die Treue.

Wie weihnachtet es ohne Striezelmarkt?

Wie weihnachtet es ohne Striezelmarkt?

Rings um den Altmarkt versuchen sich die Menschen in Weihnachtsstimmung zu bringen. Ein Besuch zum ersten Advent.

Striezelmarkt-Absage: Wie reagieren die Händler?

Striezelmarkt-Absage: Wie reagieren die Händler?

Für viele Händler kam die Absage des Striezelmarkts am Freitag nicht überraschend, der Umsatz fehlt trotzdem. An Alternativen mangelt es jedoch nicht.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg