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Reise wegen Covid abgesagt: Jetzt gibt’s Geld zurück

Verbraucherschützerin Claudia Neumerkel über die Auszahlung von Gutscheinen und was für ausgefallene Konzerte gilt.

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Leere auf der Abflugebene im Flughafen Dresden. Viele Reisen wurden pandemiebedingt abgesagt.
Leere auf der Abflugebene im Flughafen Dresden. Viele Reisen wurden pandemiebedingt abgesagt. © Robert Michael/dpa-ZB

Gutschein statt Geld zurück: Darauf ließen sich viele Kunden ein, die eine Pauschalreise gebucht hatten, die wegen Corona jedoch abgesagt wurde. Aufgrund einer Sonderregelung können viele Gutscheine seit Jahresbeginn ausgezahlt werden. Claudia Neumerkel von der Verbraucherzentrale Sachsen erklärt im Gespräch mit der SZ, wer davon profitieren kann.

Für welche Reisekunden besteht die Chance auf Geld zurück?

Es geht um Gutscheine für Pauschalreisen, die vor dem 8. März 2020 gebucht wurden und dann wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. Pauschalreise bedeutet, dass mindestens zwei Leistungen, beispielsweise Unterkunft und Flug, zu einem Paket geschnürt waren. Bei einer Absage hatten Kunden damals die Wahl. Sie konnten sich vom Reiseveranstalter ihre Anzahlung sofort erstatten lassen oder aber einen Gutschein akzeptieren. Diese Regelung war lange umstritten.

Wieso?

Ein Gutschein birgt immer auch ein Risiko. Hätte der Reiseanbieter wegen der Pandemie Insolvenz anmelden müssen, wäre das Geld weg gewesen. Die Bundesregierung entschloss sich daher, die Garantie für Gutscheine für ausgefallene Pauschalreisen zu übernehmen. Auch, um die Reisebranche zu entlasten, die zu dem Zeitpunkt mit hohen Rückerstattungen rechnen musste. Vorgeschrieben war, dass die Gutscheine bis zum 31. Dezember 2021 befristet sein mussten. Diese Frist ist nun abgelaufen.

Was bedeutet das?

Wer damals einen Reisegutschein akzeptiert hatte und diesen bisher nicht eingelöst hat, muss den Wert bis spätestens 14. Januar 2022 automatisch ausgezahlt bekommen. Viele Kunden haben bereits Post von ihrem Reiseveranstalter dazu bekommen. Einige drängten, den Gutschein bis Ende des Jahres einzulösen. Wer sich da nicht unter Druck hat setzen lassen, bekommt nun sein Geld zurück.

Kunden bekommen das Geld automatisch zurück?

So sieht es das Gesetz vor. Wurden die Gutscheine nicht genutzt, muss der Veranstalter die geleisteten Vorauszahlungen unverzüglich binnen 14 Tagen auszahlen. Das bedeutet also bis zum 14. Januar.

Sind die Veranstalter zuverlässig?

Bislang haben wir von keinen negativen Beispielen gehört. Der Reisekonzern Tui etwa sichert auf seiner Website zu, dass das Geld im Januar automatisch zurückgezahlt wird, und zwar auf das Konto oder die Kreditkarte, die für die Zahlung genutzt worden sind. Wichtig ist daher: Hat man in den vergangenen eineinhalb Jahren die Bank gewechselt, sollte man diese Information möglichst rasch weitergeben, damit das Geld auch ohne Umwege ankommt.

Was sollten Kunden tun, wenn das Geld auf sich warten lässt?

Dann sollten Urlauber die Auszahlung des Gutscheins vehement verlangen. Am besten schriftlich, per Einschreiben. Die Verbraucherzentrale stellt auf ihrer Website einen Musterbrief zur Verfügung. Man sollte sich auf keinen Fall abwimmeln lassen. Unserer Erfahrung nach waren Reiseveranstalter in den vergangenen Monaten mit Erstattungen eher zögerlich.

Wie lange haben Kunden Zeit, die Erstattung noch zu verlangen?

Hier gelten die allgemeinen Verjährungsregelungen. Demnach sind es drei Jahre. Gerechnet wird ab dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist. Allerdings ist nicht der 31. Dezember 2021 maßgeblich, sondern der Termin, an dem die Reise abgesagt wurde. Der Verjährungsbeginn wäre damit Ende 2020, und der Anspruch könnte noch bis 31.12.2023 geltend gemacht werden. Man sollte jedoch vorher prüfen, ob das Geld zwischenzeitlich nicht schon auf dem Konto eingegangen ist.

Was ist, wenn Kunden den Gutschein bereits eingelöst haben, die gebuchte Reise aber erneut abgesagt wird?

Stellt der Veranstalter dann wieder einen Gutschein aus, greift die staatliche Garantie nicht mehr. Sie galt nur für Pauschalreisen, die vor dem 8. März 2020 gebucht wurden. Bei einer Verlängerung des Gutscheins entfällt die staatliche Absicherung gegen eine Insolvenz des Veranstalters.

Was ist mit Gutscheinen von Hotels oder Fluggesellschaften?

Diese fallen nicht unter die Sonderregelung und sind somit nicht Ende 2021 abgelaufen. Gleiches gilt auch für Gutscheine für Pauschalreisen, die nach dem 8. März 2020 gebucht und ebenfalls wegen einer Reisewarnung abgesagt werden mussten. Diese Gutscheine werden nicht erstattet, sondern müssen eingelöst werden. Damit sollte man sich übrigens nicht allzu viel Zeit lassen.

Warum nicht?

Auch wenn auf dem Gutschein kein Ablaufdatum vermerkt ist: In Deutschland gilt in der Regel die Verjährungsfrist von drei Jahren. Danach verliert der Gutschein seinen Wert, und man kann das Geld nicht mehr zurückverlangen.

Wie verhält es sich mit Gutscheinen für abgesagte Konzerte?

Entscheidend ist, wann das Ticket gekauft wurde. Geschah das vor dem 8. März 2020, haben Kunden bei einer Veranstaltungsabsage zwangsweise einen Gutschein erhalten. Wurde dieser nicht bis Ende 2021 eingelöst, kann man sich den Betrag jetzt auszahlen lassen. Für Veranstaltungen, die im Jahr 2020 abgesagt wurden, ist das bis zum 31. Dezember 2023 möglich. Für Veranstaltungen, die 2021 nicht stattfinden konnten, läuft die Verjährungsfrist bis zum 31. Dezember 2024. Wer das nicht will, kann den Gutschein natürlich noch nutzen, um neue Tickets damit zu bezahlen.

Hier gibt es das Geld also nicht automatisch zurück?

Nein, Gutscheininhaber müssen selbst aktiv werden. Sie können als Vorlage dafür den Musterbrief der Verbraucherzentrale nutzen.

An wen sollte man sich wenden?

Der erste Ansprechpartner ist immer der Veranstalter. Den findet man in der Regel auf dem Ticket. Möglich ist aber auch, dass ein Veranstalter den Kartenverkäufer, wie zum Beispiel Eventim, mit der Rückabwicklung beauftragt hat.

Gilt das nur für Kulturveranstaltungen?

Betroffen sind Tickets für Konzerte, Festivals, Theatervorstellungen, Lesungen, Filmvorführungen oder Sportwettkämpfe. Aber auch Eintrittskarten für Museen, Freizeitparks, Schwimmbäder sowie Abos für Sportstudios oder Dauerkarten für Stadien fallen unter diese Gutscheinlösung. Voraussetzung ist hier, dass ein Vertrag beispielsweise mit dem Fitnessstudio vor dem 8. März 2020 geschlossen worden ist.

Was ist mit Tickets, die nach dem 8. März 2020 gekauft wurden?

Hier konnten sich Kunden schon immer den Preis direkt erstatten lassen, wenn die Veranstaltung abgesagt oder verschoben wurde. Sie mussten keinen Gutschein oder Ersatztermin akzeptieren. Aber: Haben sie sich einmal für einen Gutschein entschieden, können sie sich diesen nun auch nicht mehr auszahlen lassen. Sie können ihn jetzt nur für neue Tickets einlösen.

Das Gespräch führte Kornelia Noack.