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Wie Pirnaer trotz Corona reisen

Bei allen Unwägbarkeiten in der Pandemie - es gibt Sicherheiten für Reisende. Darüber sprach sächsische.de mit einer Pirnaer Reisebüro-Inhaberin.

Kathrin Korfmacher-Pollul, Inhaberin der Reisebüros Korfi Tours, berät einen Kunden am Telefon.
Kathrin Korfmacher-Pollul, Inhaberin der Reisebüros Korfi Tours, berät einen Kunden am Telefon. © Daniel Schäfer

Harte Zeiten für die Reisebranche: Normalerweise hätten die Kunden zum jetzigen Zeitpunkt ihre Urlaubsreise für die Sommerferien schon längst gebucht. Doch aufgrund der Pandemie zögern die meisten. Das bemerkt auch Kathrin Korfmacher-Pollul, die zusammen mit ihrem Mann fünf Reisebüros besitzt, unter anderem in Pirna und Heidenau. Mit sächsische.de sprach die Unternehmerin über das derzeitige Buchungsverhalten, die Verunsicherung der Kunden, über Sicherheiten, die es dennoch gibt und darüber, warum sie eine Beratungsgebühr ablehnt.

Frau Korfmacher-Pollul, werden derzeit überhaupt noch Reisen gebucht?

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Ja, aber nur vereinzelt. Die Kunden sind sehr verunsichert und warten ab. Momentan ist die Anzahl der Stornierungen aus dem Vorjahr höher als die Zahl der Neubuchungen. Reisen ist aktuell nur unter großen Umständen und Risiken möglich. Mehrere Reiseveranstalter sagen beispielsweise ihre Pauschalreisen und auch Kreuzfahrten ab.

Wenn dennoch gebucht wird, wohin fahren die Kunden?

Da möchte ich differenzieren zwischen kurzfristig und langfristig gebuchten Reisen. Seit Mallorca nicht mehr als Risikogebiet eingestuft ist, haben wir viele Buchungen für die spanische Mittelmeer-Insel. Besonders erfreulich war es über Ostern. Aber von einem Hype möchte ich jetzt auch nicht reden. Im Vergleich zu den Vorjahren, als Corona noch kein Thema war, sind es relativ wenig Buchungen. Das frühere Niveau haben wir längst noch nicht erreicht. Was ja auch nicht verwundert, denn auch auf Mallorca gelten Einschränkungen und Maskenpflicht. Aber in diesem Zusammenhang ist es positiv zu erwähnen, dass es trotz Öffnung auf der Insel zu keinem Anstieg der Infektionszahlen gekommen ist. Das macht Mut und sendet eine Botschaft aus. Der Reiseveranstalter TUI beispielsweise will jetzt ab Mai das Flugkontingent erhöhen und zusätzliche Flüge etwa nach Ibiza oder auf die griechischen Inseln anbieten.

Und wohin reisen die Kunden, die längerfristig bei Ihnen buchen?

Flugreisen nach Spanien, in die Türkei oder nach Griechenland sind weiterhin am beliebtesten. Einige fahren in Eigenanreise nach Österreich und Italien. Bei den Fernreisen haben wir unter anderem Nachfragen nach Dubai, der Dominikanischen Republik und Kuba. Gern gebucht werden auch Kreuzfahrten - dennoch, die Gesamtzahl der Buchungen bleibt in einem überschaubaren Bereich.

Fazit: Die Verunsicherung der Kunden ist nach wie vor groß. Wie können Sie dem entgegenwirken?

Die Reiseveranstalter bieten fast alle die sogenannte Flex-Option an. Das heißt, die Kunden können in der Regel 14 Tage vor Reiseantritt kostenlos umbuchen oder stornieren. So ein Angebot hat es noch nie gegeben. Auch die Reiseversicherungen reagieren auf die aktuelle Lage und bieten eine Covid-Reiseschutzversicherung gegen eine geringe Gebühr an. Damit ist man zum Beispiel gegen solche Risiken versichert, wenn man aufgrund eines positiven PCR-Tests oder einer behördlich verordneten Quarantäne nicht reisen kann, ebenso, wenn die Airline oder der Beherbergungsbetreiber seine Leistungen verweigert, weil der Gast eine erhöhte Körpertemperatur aufweist.

In welchem Modus arbeiten derzeitig Ihre fünf Reisebüros?

Zunächst möchte ich betonen, dass wir froh sind, dass unsere Büros noch existieren. Das ist in unserer Branche keine Selbstverständlichkeit. Aufgrund der behördlichen Anordnungen sind die Büros seit fünf Monaten geschlossen. Trotzdem sind wir für unsere Kunden da, beraten und buchen per Telefon oder per E-Mail. Für die Mitarbeiter ist es zum Teil dramatisch, denn seit März 2020 haben wir Kurzarbeit. Das bedeutet weniger Geld. Aber ich möchte jetzt nicht nur auf die finanzielle Seite schauen. Schwierig ist es auch psychisch. Unsere Angestellten sind mit ganzem Herzen dabei. Jetzt unterliegen sie quasi einem Berufsverbot und können keine persönlichen Beratungsgespräche in den Büros mehr führen. Das nagt an der Seele.

Die TUI-Reisebüros wollen ab Mai eine Beratungsgebühr einführen. Ist das auch für Sie eine Option in Ihren Reisebüros?

Nein, das werden wir nicht machen. Wir sind glücklich darüber, dass die Preise für die Pauschalreisen im Internet und in den Reisebüros gleich sind. Das heißt, der Kunde hat keinen Vorteil, wenn er im Netz bucht. Und wir vertrauen darauf, dass wir mit unseren Beratungen so überzeugen, dass die Kunden dann auch bei uns buchen und nicht mit diesen Informationen an den Computer gehen.

Eine abschließende Frage mit persönlichem Charakter: Wohin geht Ihre nächste Reise ?

(lacht) Wir werden in diesem Jahr mit der Familie und den Hunden nach Bornholm fahren. Als Fernreiseziel haben wir uns langfristig Bali vorgenommen, und mein Mann träumt von einer Reise im Oldtimer auf Kuba.

Das rät die Verbraucherschutzzentrale Sachsen:

Wer jetzt eine Reise buchen möchte, sollte sich das Angebot des Reiseveranstalters genau durchlesen. Am besten ist es, bereits vor der Buchung abzuklären, mit welchen Einschränkungen und Corona-Schutzmaßnahmen man gegebenenfalls. vor Ort rechnen muss. Teilt der Reiseveranstalter bereits bei der Buchung mit, dass z.B. der Pool dauerhaft gesperrt ist oder es bis auf weiteres kein Frühstücksbuffet gibt, sind die damit verbundenen Einschränkungen kein Reisemangel mehr. Verbraucher müssen sich daher im Vorfeld genau über ihr Reiseland informieren und zur Sicherheit, Belege für die Situation im Zielland bei Buchung sichern. Dabei ist es wichtig, auf die konkreten Bedingungen zu achten.

Eine Reisewarnung bedeutet nicht, dass man gar nicht reisen darf. Es steht Verbrauchern frei, überall hinzureisen – wann immer sie wollen, sofern das Urlaubsland keine Einreisebeschränkungen erlassen hat. Wer aktuell seinen Urlaub trotz einer Reisewarnung antreten möchte, sollte jedoch bedenken, dass das Auswärtige Amt eine weitere Rückholaktion bereits ausgeschlossen hat. Viele Reiseanbieter bieten besondere Zusatztarife (so genannte Flex-Tarife) oder kostenlose Umbuchungs- oder Stornierungsmöglichkeiten an.

Generell ist außerdem zu beachten, dass eine Anzahlung geleistet werden muss und der volle Reisepreis üblicherweise spätestens vier Wochen vor Reisebeginn fällig wird. Es ist daher empfehlenswert, noch vor der Zahlung des Gesamtreisepreises zu prüfen, ob die Corona-Lage eine verlässliche Prognose zulässt, dass die Reise auch wirklich stattfinden kann. Ob eine Reise kostenfrei storniert werden kann, hängt vom Einzelfall ab. Es müssen außergewöhnliche, unvermeidbare Umstände vorliegen oder die Reise muss erheblich beeinträchtigt sein. Es gibt verschiedene Gründe, die es rechtfertigen, eine Reise kostenfrei zu stornieren. Diese müssen im Einzelfall nachgewiesen werden. Solche Umstände könnten vorliegen, wenn mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Zeitpunkt der geplanten Reise am Reiseziel eine unzumutbare Situation erwartet werden kann. Das können Einreiseverbote oder verpflichtende Quarantänemaßnahmen bei Ankunft oder Heimkehr sein.

Leichte Einschränkungen oder Unannehmlichkeiten am Urlaubsort sind normalerweise hinzunehmen. Bei stärkeren Einschränkungen hat der Kunde die Möglichkeit, den Reisepreis zu mindern. Bei sehr starken Beschränkung kann auch eine Kündigung des Reisevertrages in Betracht kommt.

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