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Corona: Nichts schmecken kann dauern

Viele Corona-Patienten klagen über den Verlust ihres Geruchs- und Geschmackssinns. Mediziner wissen mittlerweile mehr über das Symptom.

Plötzlich auftretende Riech- und Schmeckstörungen gelten nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie mittlerweile als eines der bekanntesten Symptome einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus.
Plötzlich auftretende Riech- und Schmeckstörungen gelten nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie mittlerweile als eines der bekanntesten Symptome einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus. © www.pixabay.com

Bonn. Der Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns aufgrund einer Corona-Infektion kann nach Angaben eines Experten monatelang anhalten. Bei 80 bis 95 Prozent der betroffenen Corona-Infizierten sei der Riech- und Geschmackssinn innerhalb von ein oder zwei Monaten wieder normal oder fast wieder normal, sagte der Mediziner Thomas Hummel in Bonn. Bei 5 bis 20 Prozent aber dauere es länger. "Das geht dann über Monate oder Jahre", sagte Hummel, der Leiter des Interdisziplinären Zentrums für Riechen und Schmecken am Universitätsklinikum Dresden ist. "Bei manchen aus dieser Gruppe kommt er auch gar nicht wieder."

Plötzlich auftretende Riech- und Schmeckstörungen gelten nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie mittlerweile als eines der bekanntesten Symptome einer Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus. Viele Patienten klagen darüber. Insgesamt könne man sagen, dass etwa 50 Prozent der Menschen mit einer Corona-Infektion eine Riech- oder- Schmeckstörung entwickelten, erklärte Hummel. Wahrscheinlich seien es sogar noch etwas mehr.

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Stutzig sollte man werden, wenn der Geschmacks- und Geruchssinn von jetzt auf gleich verschwinden. Wenn das ganz plötzlich geschehe, dann sei das "ein relativ deutliches Zeichen, dass es Corona sein könnte", so der Experte. Ein solcher Verlust trete zwar auch bei anderen Infekten auf - aber seltener. "Es ist damit schon ein relativ spezifisches Symptom. Wenn die Nase dabei nicht verstopft ist, dann ist es sogar noch spezifischer", sagte Hummel, der auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) ist, die sich von Mittwoch an zu einer Jahresversammlung zusammenschaltet. "Das ist dann wie eine Art Frühwarnsignal."

Experte rät zum Riechtraining

Hintergrund bei Riechstörungen sei vermutlich eine Schädigung der sogenannten Stützzellen, die sich bei den Riechzellen befinden und diese versorgen. "Das Virus beeinträchtigt diese Stützzellen. Wenn sie absterben, sterben mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch die Riechzellen ab", erklärte Hummel. Zwar könnten sie sich unter normalen Umständen nachbilden - aber auch das werde vom Coronavirus beeinträchtigt. So werde die Regeneration verlangsamt.

Die Erfahrung ist für viele Menschen verstörend. Riechen habe drei Funktionen, erläuterte Hummel. Es warnte, es sei wichtig beim Essen und darüber hinaus auch für das Zwischenmenschliche. "Einfach gesagt: Wenn man keine Körpergerüche wahrnehmen kann, weiß man nicht, ob man selbst stinkt oder nicht. Man kann auch seinen Partner nicht mehr riechen, was zum Beispiel Auswirkungen auf die Sexualität hat."

Ein Tipp für Erkrankte ist ein sogenanntes Riechtraining. Dazu füllt man zum Beispiel in vier identische Dosen gut unterscheidbare Geruchsträger - etwa Minze oder Gewürznelken. Daran riecht man - und versucht, die Gerüche zu unterscheiden. Es gebe Hinweise, dass solche Übungen einen direkten Effekt auf die Riechzellen hätten, so Hummel.

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"Da muss man aber konsequent dran bleiben, wenn es etwas bringen soll. Das heißt: jeden Morgen und jeden Abend jeweils zwei Minuten Training - und über einen längeren Zeitraum, nicht nur mal ein Wochenende lang", erklärte er. Dann aber könne man die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Riechen wieder bessere, verdoppeln - oder sogar verdreifachen. (dpa)

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