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RKI-Chef warnt vor heftiger vierter Corona-Welle

Wie kommt Deutschland durch den Corona-Herbst? RKI-Chef Wieler warnt eindringlich vor einem "fulminanten Verlauf" der vierten Welle.

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, warnt vor einem "fulminanten Verlauf" der vierten Welle.
Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, warnt vor einem "fulminanten Verlauf" der vierten Welle. © dpa/Wolfgang Kumm

Berlin. Ohne deutlich mehr Impfungen droht aus Sicht von Bundesregierung und Robert Koch-Institut (RKI) ein heftiger Verlauf der vierten Corona-Welle im Herbst. "Jede einzelne Impfentscheidung entscheidet auch darüber, wie sicher wir gemeinsam durch Herbst und Winter kommen", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Mittwoch in Berlin. RKI-Chef Lothar Wieler warnte: "Wenn wir die aktuellen Impfquoten nicht drastisch steigern, dann kann die aktuelle vierte Welle im Herbst einen fulminanten Verlauf nehmen."

Wieler mahnte: "Die Pandemie ist noch nicht vorbei." Auf Intensivstationen werden laut Spahn und Wieler momentan vor allem nicht geimpfte Menschen wegen Covid-19 behandelt. "Es geht darum, dass das Gesundheitswesen nicht überlastet wird", sagte der Gesundheitsminister. Die Zahl der Ungeimpften sei noch zu groß. Auf diesem Stand könne nicht sichergestellt werden, dass es nicht wieder zu einer sehr starken Be- oder Überlastung komme.

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Je mehr Menschen sich impfen ließen, desto weniger schlimm verlaufe die vierte Welle und desto früher sei die Pandemie beendet, betonte RKI-Chef Wieler. "Es liegt in unseren eigenen Händen, viele schwere Verläufe und auch Todesfälle zu verhindern."

66 Prozent der Gesamtbevölkerung sind mindestens einmal geimpft, 61,7 Prozent haben vollen Impfschutz (Stand 8. September, 9.21 Uhr). Angesichts schleppenden Impffortschritts und steigender Inzidenzen wächst die Sorgen vieler vor neuen Einschränkungen im Herbst. Spahn sagte: «Die Debatte muss doch andersherum gehen: Wir haben das Mittel in der Hand, uns zurück in Freiheit und Normalität zu impfen.»

In den letzten Monaten habe sich ein "wirklich großartiger Erfolg der Impfung" gezeigt, sagte Wieler. Laut Schätzungen des RKI seien durch Impfungen zwischen Januar und Juli etwa 77.000 Krankenhausaufenthalte, rund 20.000 Fälle auf Intensivstationen und mehr als 38.000 Todesfälle verhindert worden. Schätzungsweise hätten Impfungen in dem Zeitraum über 700.000 Infektionsfälle vermieden.

Keine zugelassenen Impfstoffe für Unter-12-Jährige

Spahn und Wieler begründeten die Impfaufrufe auch damit, dass es für die Unter-12-Jährigen noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt. "Es ist unser aller Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass diese Kinder möglichst nicht infiziert werden." Impfen sei eine persönliche und freie Entscheidung – und solle dies auch bleiben, betonte Spahn. "Aber es ist eben auch eine Entscheidung, die andere betrifft."

Bei den Über-12-Jährigen liege die Impfquote derzeit bei knapp 75 Prozent, erläuterte Spahn. Bei den Über-60-Jährigen werde eine Quote von über 90 Prozent angestrebt, bei den 12- bis 59-Jährigen von 75 Prozent. Nötig seien dafür noch mindestens fünf Millionen Impfungen. In dieser Größenordnung sei es dann unwahrscheinlich, dass die Intensivstationen noch einmal ans Limit kämen, so dass es dann die Aussicht "auf einen sicheren Herbst und Winter" gäbe, sagte der Gesundheitsminister.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat seinen Impf-Appell erneuert.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat seinen Impf-Appell erneuert. © dpa/Wolfgang Kumm

Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte derweil einen Neustart der Corona-Impfkampagne. "Die Impfquote ist in ganz Deutschland zu niedrig, insbesondere aber in den östlichen Bundesländern", sagte Reinhardt der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Um Unentschlossene zu erreichen, brauche es kreative Konzepte, zielgenauere Kommunikationsmaßnahmen und niedrigschwellige Impfangebote.

Mit einer bundesweiten Aktionswoche will die Bundesregierung vom kommenden Montag an Schwung in die Impfungen bringen. Gemeinsam mit den Ländern ruft sie dazu auf, an möglichst vielen Orten einfach wahrzunehmende Angebote zu machen.

Bei den Corona-Ansteckungen ist die Sieben-Tage-Inzidenz unterdessen erstmals seit zwei Monaten an zwei Tagen hintereinander gefallen. Das RKI gab den Wert am Mittwoch mit 82,7 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche an (Dienstag 83,8; Montag 84,3; Mittwoch der Vorwoche: 75,7).

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Eine Trendwende hin zu wieder fallenden Ansteckungsraten sieht RKI-Chef Wieler aber nicht. "Wir müssen das immer über die längere Zeit betrachten." Es könne einmal einen Tag mit einem fallenden Wert geben, aber es zähle die Betrachtung über Wochen. "Da sehen wir bislang keine Tendenz dazu, dass die Inzidenzen abfallen," so Wieler. (dpa)

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