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Radeberg

Rödertal: „Impfpflicht war überfällig“

Kliniken arbeiten am Limit, Mitarbeiter sind erkrankt. Der Beschluss des Bundestags wird dennoch in Einrichtungen im Rödertal unterschiedlich gesehen.

Von Thomas Drendel
 5 Min.
Ab Mitte März gilt für medizinisches Personal eine Impfpflicht. In Kliniken und dem Pflegeheim Radeberg wird der Beschluss unterschiedlich beurteilt.
Ab Mitte März gilt für medizinisches Personal eine Impfpflicht. In Kliniken und dem Pflegeheim Radeberg wird der Beschluss unterschiedlich beurteilt. ©  Symbolbild: Marijan Murat/dpa

Radeberg. Die Mehrheit der Bundestagsabgeordneten hat für die Impfpflicht gestimmt: Ab 15. März müssen Mitarbeiter in Pflegeheimen, Krankenhäusern und Arztpraxen nachweisen, dass sie vollständig gegen Corona geimpft sind. Ansonsten drohen Bußgelder. Die Bundesregierung begründet den Schritt mit dem besonderen Schutz für die Menschen in den Pflegeheimen beziehungsweise die Patienten in den Kliniken und Praxen. Sie sind besonders gefährdet. Wie stehen die Einrichtungen in Radeberg und Umgebung zu der Entscheidung? Die SZ hat nachgefragt.

Alten- und Pflegeheim Radeberg: Personalprobleme könnten zunehmen

Carolin Proske, Leiterin des Alten- und Pflegeheims Radeberg, bedauert, dass die Impfpflicht auf die Pflege begrenzt ist. „Wir haben bei uns im Haus eine höhere Impfquote als in der übrigen Bevölkerung. Bei unseren Mitarbeitern liegt sie bei über 70 Prozent. Ich sehe daher die größere Gefahr in einer Übertragung des Virus auf eine andere Art, nicht durch unsere Mitarbeiter. Es wäre besser gewesen, eine allgemeine Impfpflicht zu beschließen.“ Sie sieht jetzt die Gefahr, dass sich der Personalmangel in der Pflege verschärft. „Niemand kann ausschließen, dass sich Menschen in Pflegeberufen eine neue Tätigkeit suchen, weil sie sich nicht impfen lassen wollen.“

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Ihr Ziel ist es jetzt, möglichst viele Mitarbeiter mit guten Argumenten zu überzeugen. „Wir werden weiter Gespräche führen, in der Hoffnung, dass wir die Impfquote weiter erhöhen können.“ Außerdem soll es für Mitarbeiter so einfach wie möglich sein, an die Schutzimpfung zu kommen. „Wir haben bereits bei uns Impfaktionen durchgeführt. Da hat sich bereits ein großer Teil der Mitarbeiter die Auffrischungsimpfung geben lassen. In dem Zusammenhang muss ich mich bei den Ärzten bedanken, die das möglich gemacht haben.“ Weitere Impfaktionen könnten folgen, so die Pflegeheimleiterin.

Das Alten- und Pflegeheim Radeberg war zu Beginn der Corona-Pandemie besonders stark betroffen. Etliche Bewohner und einige Mitarbeiter hatten sich mit dem Coronavirus infiziert. Mehrere Bewohner starben. Seit Beginn der vierten Pandemie-Welle ist Zutritt zum Heim nur noch mit einem negativen Testergebnis möglich. Bisher sind keine weiteren Corona-Fälle im Heim aufgetreten.

Landeskrankenhaus Arnsdorf: Impfpflicht ist ein wichtiges Instrument

Im Landeskrankenhaus in Arnsdorf ist die Situation angespannt: Der Krankenstand unter den Mitarbeitern ist hoch. Patienten, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, werden auf zwei Infektionsstationen behandelt. „Wir haben sehr viele psychisch kranke Menschen, die gleichzeitig infiziert sind“, sagte kürzlich Pflegedirektorin Christiane Keil. Der Betreuungsaufwand sei sehr hoch, bei genanntem hohem Personalausfall. Derzeit helfen Soldaten der Bundeswehr in dem Krankenhaus aus.

Entsprechend eindeutig fällt auch die Antwort des Ärztlichen Direktors, Prof. Dr. Peter Schönknecht, aus. „Wir begrüßen den Beschluss zur Impfpflicht und sehen darin eine längst überfällige Entscheidung zur Eindämmung der Pandemie“, sagt der Mediziner. „Für die Impfpflicht spricht einerseits der Schutz der uns anvertrauten Patienten, aber auch die Gesundheitsfürsorge für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Genaue Angaben über die Impfquote unter seinen Mitarbeitern kann er nicht machen. „Wir haben zwar einen Großteil unserer Belegschaft selbst geimpft, viele Mitarbeiter haben aber auch externe Angebote wahrgenommen, sodass wir deshalb dazu im Moment keine verlässliche Aussage treffen können.“

Epilepsiezentrum Kleinwachau: Allgemeine Impfpflicht wäre besser

Für Sandra Stöhr, Geschäftsführerin des Epilepsiezentrums Kleinwachau, ist ebenfalls klar, dass eine höhere Impfquote nötig ist, um gegen das Virus anzukommen. „Das zeigen die wissenschaftlichen Empfehlungen“, sagt sie. Wenn es mit anderen Mitteln nicht gelingen kann, die Impfquote auf freiwilliger Basis deutlich zu steigern, kann dies letztlich nur über eine Impfpflicht realisiert werden. „Allerdings sollte die dann für alle gelten, eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung sein – und nicht eine, die auf den Gesundheits- und Sozialbereich beschränkt ist. Die Mitarbeiter hier haben ohnehin schon seit Anbeginn der Pandemie überdurchschnittliches geleistet. Daher finde ich es schwierig, nur diese bestimmte Personengruppen zu verpflichten.“ Wie hoch die Impfquote derzeit in der Einrichtung ist, dazu macht sie keine genauen Angaben. „Die Quote variiert zwischen unseren Einrichtungen. In den Patienten-nahen Bereichen wie Klinik und Wohnbereich ist sie am höchsten“, sagt sie.

Beim Epilepsiezentrum gibt es die Besonderheit, dass auf dem Gelände in Kleinwachau neben dem Fachkrankenhaus und den Wohnstätten auch eine Kita und eine Förderschule ansässig sind. Deshalb könnte hier der Personenkreis, der unter die Impfpflicht fällt, weit größer sein als in anderen Einrichtungen. „Es handelt sich ja um eine einrichtungsbezogene Impfpflicht. Was das für unsere Einrichtungen genau bedeutet, bleibt aus meiner Sicht abzuwarten. Im Moment müssen wir davon ausgehen, dass sämtliches Personal unserer Einrichtungen davon betroffen sein könnte“, sagt die Geschäftsführerin. Klinik, Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Behinderung sowie Pflegeheime sind in der Richtlinie der Bundesregierung explizit benannt. „Offen bleibt, wie mit der Kita und der Förderschule umzugehen ist, die ebenfalls zu unserem Unternehmensverbund gehören.“

Sollte in Kleinwachau beispielsweise für Lehrer oder Erzieher die Impfpflicht gelten, besteht die Gefahr, dass sie sich eine neue Arbeitsstelle suchen. Nach den geltenden Regelungen könnten sie dort in ihrem Beruf weiterarbeiten, ohne Impfpflicht.

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