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Deutschland & Welt

Ruft die Bild zur Hetze gegen Corona-Forscher auf?

Die Bild-Zeitung steht massiv in der Kritik, nachdem sie Corona-Forscher attackierte. Jetzt schaltet sich der Deutsche Presserat ein.

 2 Min.
© Christoph Soeder/dpa

Der Presserat prüft derzeit 84 Beschwerden gegen die Bild-Zeitung. In dem Bild-Bericht "Die Lockdown-Macher" vom 4. Dezember werde bei den Lesern suggeriert, dass Wissenschaftler und nicht Politiker über die Corona-Maßnahmen entscheiden. Die drei Corona-Wissenschaftler Dirk Brockmann, Viola Priesemann und Michael Meyer-Hermann werden auf bild.de als „Lockdown-Macher“ bezeichnet.

Die Beschwerdeführer kritisierten, es werde der falsche Eindruck erweckt, "dass Wissenschaftler Corona-Maßnahmen beschließen, für die aber die Politik verantwortlich ist", teilte der Presserat am Dienstag in Berlin auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes mit. Dies schüre Verschwörungstheorien und sei zudem ein Aufruf zur Hetze gegen Wissenschaftler.

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"Wir prüfen derzeit, ob wir ein Verfahren gegen 'bild.de' einleiten", erklärte eine Sprecherin des Presserates. Dabei gehe es um die Frage, ob die Redaktion ihrer Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex nachgekommen ist und ob die Berichterstattung dem Wahrhaftigkeitsgebot nach Ziffer 1 des Pressekodex entspricht.

Die Berliner Humboldt Universität (HU) hatte am Montag mitgeteilt, dass sie beim Deutschen Presserat Beschwerde gegen den Beitrag in der "Bild"-Zeitung vom 4. Dezember eingereicht habe. Darin würden Wissenschaftler der HU, darunter der Physiker Dirk Brockmann, als "Lockdown-Macher" bezeichnet.

Den Lesern werde auf diese Weise suggeriert, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen seien verantwortlich für Entscheidungen der Politik. Diese Art der journalistischen Darstellung sei in den Debatten um den Zusammenhalt der Gesellschaft in Pandemie-Zeiten gefährlich und verantwortungslos, hieß es weiter.

Auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina kritisiert die Bild-Zeitung für ihre "im vergangenen Jahr begonnene einseitige Berichterstattung gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler". Gerade in Krisenzeiten brauche die Gesellschaft verantwortungsvollen und faktenbasierten Journalismus.

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Die Bild-Zeitung sowie Bild-Online haben insgesamt in diesem Jahr bereits 20 Rügen vom Presserat für ihre Berichterstattung erhalten. Die öffentliche Rüge ist die härteste Sanktion der Beschwerdeausschüsse. Sie muss von der Redaktion in einer ihrer nächsten Ausgaben veröffentlicht werden. Der Deutsche Presserat ist die Freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien und deren Online-Auftritte in Deutschland. Er hat die Aufgabe, das Ansehen der deutschen Presse zu wahren und gleichzeitig die Pressefreiheit zu schützen.

Der Sprecher der "Bild"-Gruppe, Christian Senft, hatte dazu erklärt: "Wir können die Kritik verstehen und nehmen sie ernst. Wissenschaftler verdienen unseren Respekt." (SZ/epd)

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