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Sachsen bunkert Notreserve für Pandemie-Herbst

Vor allem Schutzausrüstung und Impfmaterial wird vorgehalten. Es gibt aber auch Tipps für die private Vorsorge.

Die Reserve umfasst Millionen Schutzmasken.
Die Reserve umfasst Millionen Schutzmasken. © Jürgen Lösel

Der Freistaat Sachsen bereitet sich in diesem Jahr gezielter auf den erwarteten Anstieg von Corona-Infektionen in den kommenden Herbst- und Wintermonaten vor. Damit will man vor allem ausschließen, dass es bei einer erneuten Infektionswelle zu einem Mangel bei den Schutzausrüstungen für das medizinische sowie für das Pflegepersonal kommt.

Laut Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) wurde dafür in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium inzwischen eine „Sächsische Notreserve“ angelegt. Deren Umfang orientiert sich an dem durchschnittlichen Verbrauch solcher Materialien in den vergangenen Pandemiemonaten seit April 2020. Eingelagert sind demnach fast 4,5 Millionen Schutzmasken des Standards KN 95. Von dem im Vergleich dazu noch etwas höherwertigen FFP3-Masken werden knapp 18.000 Stück vorgehalten.

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Lediglich 674.000 Stück sind von den einfachen textilen Mund-Nase-Bedeckungen bis Ende Juli in die Landesreserve aufgenommen wurden. Darüber hinaus umfasst die Reserve fast 1,5 Millionen Schutz- und Pflegekittel, bei denen es sich mehrheitlich um Einweg-Kittel handelt. Dazu kommen über 203.000 Schutzbrillen, mehr als 16 Millionen Einmalhandschuhe sowie 5,6 Millionen OP-Masken. Für besondere Situationen werden zudem noch knapp 122.000 Ganzkörperschutzanzüge sowie 525 Vollschutzmasken vorgehalten.

Mehr Kontrolle nach Pannen-Käufen

Diese Ausrüstung, so Sachsens Finanzminister in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion im Landtag, stamme ausnahmslos aus der Volksrepublik China. Der Grund dafür sei, dass zu Beginn der Ankäufe im Wesentlichen auf diese potenziellen Lieferanten zurückgegriffen werden musste. Dabei seien zunächst in China und später auch nach der Einfuhr nach Sachsen „Dokumenten- und organoleptische Prüfungen durchgeführt“ worden - allerdings keine Laboruntersuchungen, wie der Minister einräumte.

Das heißt also, dass neben den Frachtpapieren sowie den allgemeinen Eigenschaften wie Farbe, Geruch oder das äußere Erscheinungsbild keine intensiveren Überprüfungen des Schutzmaterials für die Landesreserve stattfand.

Nachdem der Freistaat aber kürzlich in die Kritik geriet, weil man während der Pandemie 15,7 Millionen Euro für unbrauchbare Atemschutzmasken ausgegeben hatte, will man es künftig offenbar besser machen. Rund einen Monat nach Eingang der ersten Warenpakete, so stellt Vorjohann klar, sei zusätzlich eine Qualitätskontrolle eingeführt worden. Dafür wurden alle neu beschafften Schutzartikel zunächst mit dem Status „gesperrt“ versehen. Erst nach der Qualitätskontrolle durch die Landesdirektion sowie das Sozialministerium wäre dieser Status in Abhängigkeit vom Prüfergebnis in „freigegeben“ geändert worden. Seitdem, so schließt der Minister weitere Pannen aus, sei eine Abgabe von gesperrter und damit unbrauchbarer Schutzausrüstung nicht mehr zulässig.

Vorratslisten für jeden Haushalt

Während das Sozialministerium für die Qualitätsprüfungen zuständig ist, werden alle Haltbarkeitsdaten inzwischen vom Polizeiverwaltungsamt erfasst und entsprechend überwacht. Das Verwaltungsamt ist bei Bedarf neben dem Technischen Hilfswerk auch für die Verteilung der Landesreserve verantwortlich. Zurzeit erarbeitet die Staatsregierung eine Übersicht, welche Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen im Notfall vorrangig beliefert werden.

Die Landesreserve ist in Coronazeiten allerdings nicht die einzige Vorsichtsmaßnahme. So hat der Freistaat erst vor wenigen Tagen entschieden, dass trotz der für Ende September verfügten Schließung aller 13 Impfzentren im Land es einen Notfall-Impfplan gibt. So wird die Ausrüstung des Deutschen Roten Kreuzes und der Kassenärztlichen Vereinigung nicht aufgelöst oder verteilt, sondern vorsichtshalber eingelagert. Somit kann sie in den nächsten Monaten schnell wieder genutzt werden.

Aber auch für private Notfälle gibt es in Sachsen längst exakte Pläne. So können unter dem Stichwort „Ernährungsnotfallvorsorge“ übers Internet konkrete Empfehlungen der Staatsregierung abgerufen werden, wie viele haltbare Lebensmittel, Wasservorräte oder Hygieneartikel jeder sächsische Haushalt für Krisenzeiten vorhalten sollte.

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Einem Vier-Personen-Haushalt sollte demnach beispielsweise für je zehn Tage 2,8 Kilogramm Vollkornbrot, zehn Kilo Milchprodukte und zwölf Kilogramm Gemüse sowie 80 Liter an Wasser und Getränken zur Verfügung stehen. Vor Jahren wurden für diese private Notreserve sogar mit Hilfe eines aufwendigen Videos massiv öffentlich geworben. Neu ist mittlerweile, dass es heute auch eine spezielle Empfehlungsliste für vegetarische Vorräte gibt.

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