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Das sagen Eltern zur weiteren Schulschließung

Die Ankündigung, weiterführende Schulen in Sachsen erst im April wieder zu öffnen, stößt auf viel Kritik. Das schreiben unsere Leser auf Facebook.

Weiterführende Schulen sollen erst im April wieder öffnen. Für viele Familien ist das ein großes Problem.
Weiterführende Schulen sollen erst im April wieder öffnen. Für viele Familien ist das ein großes Problem. © dpa

Das war eine Nachricht, die bei vielen Familien einschlug, wie eine Bombe. Wochenlang hatten viele darauf gehofft, dass ihre Kinder bald wieder in die Schule gehen können. Nachdem die Grundschulen und Kitas im Februar wieder öffneten und lange der 8. März als Öffnungsdatum im Raum stand, haben sich Familien und Schulen darauf vorbereitet. So haben Schulleitungen bereits bei Eltern abgefragt, welche Schüler an einem Schnelltest teilnehmen würden.

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Umso enttäuschter zeigten sich daher viele Familien auf der Facebook-Seite von Sächsische.de, dass Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer eine Schulöffnung nun um vier weitere Wochen auf den 10. April verschieben möchte.

"Macht die Schulen auf!"

So schreibt Madeleine Langhans: „Wir wünschen uns nur, dass die Kinder wieder in die Schule gehen können . Mehr nicht.“

Mandy Wittig schreibt: „Mittlerweile sehnen sich die Kinder danach, ihren Lernstoff in der Schule vermittelt zu bekommen. Von dafür ausgebildetem Personal. Nicht alle Eltern sind Akademiker. Nicht alle Eltern haben die nötige Geduld, den Kindern Wissen zu vermitteln. Mal von den technischen Möglichkeiten ganz abgesehen. Kinder haben ein Recht auf Bildung, und zwar dort, wo Bildung vermittelt wird - und das ist nun mal die Schule.“

Petra Volker Bernwein hofft auf die Schnelltests: „Die Schulen gehören geöffnet und das endlich dauerhaft. Einfach Lehrer und Schülern mindestens 2x die Woche testen. Und dann einfach endlich ein gutes Hygienekonzept erstellen und Lüftungsanlagen einbauen und auf Abstand achten.“

Erschöpfte Familien

Bei vielen Kommentatoren zeigt sich eine große Erschöpfung. So schreibt Sylvana Denhardt: „Als Mutter bin ich ehrlich... meine Tochter macht fast nix zu Hause! Sie hat keine Motivation dazu. Ich rede und rede und rede, alles andere ist wichtiger, noch dazu die Pubertät... sie sagt selbst, sie würde lieber in die Schule gehen... ich weiß auch nicht mehr, was ich noch machen soll, damit sie wenigstens ihre Aufgaben macht. Und ich bin da nicht alleine damit... sie muss sich eigentlich in diesem Jahr bewerben, sogar eine Wiederholung der Klassenstufe haben wir gemeinsam überlegt... aber wer weiß, wie lange sich das hier noch zieht.“

Madl En macht sich wie viele andere Eltern große Sorgen um ihr Kind: „Ich kann meine Wut gar nicht in Worte fassen. Meine 11-jährige Tochter schreibt ihrer Lehrerin per WhatsApp, dass sie sich beim Homeschooling einsam fühlt. Ich mache mir jeden Tag Sorgen bei der Arbeit, ob sie zurecht kommt mit den Aufgaben. Sie zieht sich immer mehr zurück. Was macht ihr mit unseren Kids? Lasst endlich ALLE Kinder wieder in die Schule!“

Die Eltern leiden mit ihren Kindern mit. Sabine Fahle bringt es so auf den Punkt: „Mein Sohn ist wahnsinnig traurig. Er tut mir wirklich so leid. Es muss im allgemeinen ein besserer Plan her. Vor allem und auch für die Kinder.“

Andere versuchen, mit schwarzem Humor durch die Situation zu kommen. So ist sich Claudia Gänge sicher: „Wenn das hier mal irgendwann durch sein sollte, bin ich Fachlehrer für Bio, Geo, Mathe, Physik, Geschichte, Deutsch.....“

Überforderung und schlechtes Gewissen

Überforderung der Schüler mit der neuen schulischen Situation ist auch bei vielen anderen Eltern ein Thema. Anja Köhn schreibt: „Von Fünft-Klässlern wird erwartet, dass sie fit sind im Schreiben von Mails, Dokumente hochladen, Power Point Präsentationen bedienen, Dokumente ausdrucken, Konferenzen starten, Internetrecherchen betreiben usw. Wann bitte haben sie das alles gelernt? Der EDV-Unterricht im 4. Schuljahr ist bereits auch durch Corona ausgefallen.“

Und viele haben ein schlechtes Gewissen, da sie zwischen Arbeit und Homescooling hin und her gerissen sind. Häufig ist davon die Rede, dass sich durch das häusliche Ringen um das Erledigen der Hausaufgaben das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern verschlechtert.

Unterstützung für die Schließung

Andere hingegen zeigen sich erleichtert, da sie um die Gesundheit ihrer Kinder bangen. So schreibt Henni Te: „Es ist genau richtig. Präsenzunterricht ist gut, aber im Falle einer Pandemie muss man eben den zweitbesten Weg einschlagen. Und der digitale Unterricht läuft bei uns super und lässt die Kinder sogar ein Stück weit selbstständiger werden.“

Annegret Böthig schreibt: „Lieber so, als in 2 Wochen alles wieder zu. Es ist für die Großen echt blöd, aber wenn die Jüngsten auch wieder zuhause sitzen haben wir auch nichts gekonnt.“

Und Anne Reimann Peterson meint: „So lange Lehrer und Eltern nicht besser geimpft sind und die Zahlen nicht weiter unten sind, kann man geöffnete Schulen nicht verantworten.“

Thorsten und Andrea Winkler weisen auf die Entwicklung in anderen Regionen hin: „In vielen Orten schließen gerade die Schulen durch Infektionen wieder. Er hat doch recht. Was bringt es denn das man die Schulen jetzt öffnet wenn man diese in kurzer Zeit wieder schließen muss. Siehe Chemnitz etc.“

Siggi Sandra Schrinner kommt mit der Situation ganz gut zurecht: „Ich finde es völlig richtig!!! Ich habe 4 Schulkinder im Haushalt es läuft prima, Grundschule und Oberschule! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“

Haare wichtiger als Schule?

Was allerdings viele Eltern nicht verstehen, sind Öffnungen an anderer Stelle. So schreibt Nicole Matthes: „In Deutschland sind Haare wichtiger, als Kinder.“

Und Dietmar Riedel meint: „Ich verzichte auf Friseur und Baumarkt, Aber lassen Sie endlich die Kinder wieder in die Schule.“

Es gibt auch viel Kritik am bisherigen Krisenmanagement der sächsischen Landesregierung: Heidi Mücke schreibt: „Die Beschränkungen müssen verhältnismäßig sein, und genau das sind sie nicht. Was wird für die Schulen getan, dass ein Unterricht schneller stattfinden kann? Nichts! Warum werden keine schultauglichen Luftfilterreiniger eingesetzt? Oder vorzeitiges Impfen? Prioritäten müssen anders gesetzt werden. Bildung ist unsere Zukunft!"

Sandra Horváth spricht den Ministerpräsidenten direkt an: „Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmer: Es erschließt sich mir in keinster Weise, warum hier keine Lösung für die Kinder gefunden werden kann!“

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Thorsten Wüstenhaus unterstützt die Entscheidung, sagt aber auch: “Erst verfügbare Tests, erst Luftfilter, dann Öffnung. Nicht andersrum. Nur hätte das schon alles längst passieren können.“ Und Silvia Sachse greift Österreich als Vorbild auf: „Es ist sehr schade!! Warum kann man nicht hier wieder dem Vorbild Österreich folgen? Es gibt ganz entspannte Nasenbohrtests, die in den Schulen dort 2 Mal die Woche durchgeführt werden und es funktioniert seit Wochen! Die Kinder müssen endlich wieder leben und lernen dürfen!“

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