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Ein Ausweg braucht eine klare Richtung

Sachsens Regierung bleibt einen Corona-Öffnungsplan schuldig - dabei braucht es gerade jetzt Zuversicht und klare Vorgaben. Ein Kommentar.

Leere Tische und Stühle stehen auf dem Neumarkt in Dresden. Wann Restaurants wieder öffnen können, weiß zur Zeit niemand so genau.
Leere Tische und Stühle stehen auf dem Neumarkt in Dresden. Wann Restaurants wieder öffnen können, weiß zur Zeit niemand so genau. © Sebastian Kahnert/dpa/SZ

Mit der Ankündigung eines eigenen Öffnungsplans, der exakte Kriterien für die künftige Lockerung von Corona-Schutzmaßnahmen festschreibt, hat Sachsens Regierung große Erwartungen geweckt. Dass diese nun enttäuscht werden, weil es einen solchen Plan vorerst nicht geben wird, wirkt in der aktuellen Krisensituation doppelt schwer.

Dass ein Öffnungsplan in Zeiten wieder ansteigender Infektionszahlen ohnehin nicht sofort umgesetzt werden könnte, macht den Aufschub nicht besser, im Gegenteil. Nach der überraschend frühen Festlegung von Ministerpräsident Michael Kretschmer, dass Osterferien-Reisen in diesem Jahr nicht möglich sein sollen, lässt die Staatsregierung nun schon das zweite Mal außer acht, was es in der Pandemie durch die Politik so dringend braucht: Zuversicht und klare Vorgaben, wie genau der Weg in Richtung Normalität beschritten werden soll. Weil im Fall von Sachsen zumindest Letzteres auf sich warten lässt, verstärkt das unnötigerweise die nach zwei Lockdown-Monaten grassierende Resignation und schürt mitunter sogar gefährliche Wut.

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Der Hinweis der Staatsregierung, man wolle sich in puncto Öffnungsplan nun doch erst einmal mit den anderen Bundesländern abstimmen, klingt zugegebener Maßen vernünftig. Allein, er dürfte ein reines Schutzargument sein, da die Verantwortlichen in der Dresdner Staatskanzlei nur zu gut wissen, dass es während der Corona-Krise in Deutschland bislang noch kein einziges Konzept gegeben hat, das im Detail tatsächlich von allen Bundesländern einheitlich umgesetzt wurde. Warum sollte das ausgerechnet bei der schwierigen Wiederöffnung erstmals anders werden?

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E-Mail an Gunnar Saft

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