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Was kosten medizinische Masken in Sachsen?

Bald werden bessere Masken in Sachsen Pflicht. Wer nicht aufpasst, zahlt aktuell das Vier- bis Fünffache. Auch qualitativ gibt es große Unterschiede.

Bald Pflicht beim Einkaufen und Bahnfahren: Eine medizinische Maske.
Bald Pflicht beim Einkaufen und Bahnfahren: Eine medizinische Maske. © dpa

Voraussichtlich ab Donnerstag soll auch in Sachsen die verschärfte Maskenpflicht gelten. Bund und Länder haben vereinbart, dass künftig überall in Deutschland in Bussen, Bahnen und Supermärkten medizinische Masken getragen werden sollen. Das können OP-Masken sein, FFP2-Masken und solche, die einen vergleichbaren Standard haben.

Die Preise und die Verfügbarkeit

Da aber FFP2- und OP-Masken Einmalprodukte sind und damit auf Dauer viel mehr kosten als selbstgenähte, sind viele Menschen verärgert über die neue gesetzliche Pflicht. Allerdings lohnt sich ein Preisvergleich. Denn die Preisunterschiede sind in Sachsen enorm. Wie ein Preischeck der SZ ergab, kostete am Montag eine FFP2-Maske in einigen Apotheken im Freistaat fünf Mal soviel wie bei Lidl. Der Discounter bot sie am Montag zum Stückpreis von 99 Cent an, weist aber darauf hin, dass solche Angebote noch am selben Tag vergriffen sein können. Andere Discounter wie Aldi, Penny und Netto wollen ab kommender Woche mit günstigen Preisen nachziehen.

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Zwar sind die dünneren, dreilagigen OP-Masken billiger. Doch auch hier ist die Preisspanne im Freistaat groß. So mussten Kunden in der Apotheke in Radebeul dafür fast das Vierfache wie in Bautzen zahlen, wo das Stück für 50 Cent angeboten wurde. Mit Großpackungen und in Drogeriemärkten wie dm und Rossmann kommen Kunden generell billiger. So gibt es bei Rossmann eine 25-Stück-Packung FFP2-Masken für 49,99 Euro. Bei dm kostet die Fünf-Stück-Packung 12,95 Euro. Für eine Zehnerpackung OP-Masken muss man bei Rossmann 4,99 und bei dm 4,95 Euro bezahlen. Allerdings waren sie dort trotz einer Begrenzung der Abgabemenge oft schon ausverkauft. Online sind sie aber oft noch verfügbar.

Ein Engpass an FFP2- oder OP-Masken sei allerdings derzeit nicht zu befürchten. Sowohl die Drogeriemarktkette dm, als auch Discounter versichern, die Kunden mit den benötigten Masken versorgen zu können. Bei kurzzeitigem Abverkauf würde zügig nachbestellt, heißt es, sodass niemand Masken horten müsste.

Auch die Online-Bestellung ist eine Option. Sten Wagner von der Verbraucherzentrale Sachsen rät aber, nicht bei unbekannten Anbietern zu kaufen. Denn dabei könnte es sich um Fake-Portale handeln. Bekannte Händler wie Real, Aldi, Rossmann und so weiter seien jedoch eine sichere Quelle. Auch ein regionaler Produzent – die Firma Norafin aus Mildenau im Erzgebirge – bietet einen Onlinekauf an, und zwar ohne Versandkosten. Fünf FFP2-Masken kosten hier 17,45 Euro, 20 Stück 65,80 Euro.

Zwar sind die Schutzmasken in den örtlichen Apotheken meist am teuersten. „Doch in unsere Preiskalkulation fließen auch Personal- und Mietkosten ein“, sagt Göran Donner, Vizepräsident der sächsischen Apothekerkammer. Auch würden sich viele Apotheker für deutsche Hersteller entscheiden, die entsprechend teurer seien.

Die Qualität und die Schutzwirkung

Der Preis sagt allerdings noch nichts über die Qualität und die Schutzwirkung aus, wie Martin Bolm von der Deutschen Wettbewerbszentrale erklärt. Nachdem Ende des vergangenen Jahres einzelne Abmahnungen ausgesprochen wurden, gebe es aktuell kaum irreführende Werbung, die von Verbrauchern angezeigt worden sei. Zugelassene OP-Masken müssen gewisse Standards, etwa beim Material, einhalten. Können Hersteller ein erfolgreiches Nachweisverfahren belegen und genügen damit der europäischen Norm EN 14683, erhalten sie das CE-Zeichen.

Den höchsten Schutz vor einer Infektion bieten FFP2-Masken. Sie halten etwa 94 Prozent der Aerosole fern und schützen auch den Träger der Maske.

Zudem gibt es ähnlich aussehende Masken mit dem Aufdruck KN95. Auf den Unterschied sollte man als Kunde achten. Denn dabei handelt es sich um ein asiatisches Produkt, das kaum eine eigene Filterwirkung besitzt. „Der Schutz ist entsprechend geringer“, sagt Sten Wagner von der Verbraucherzentrale Sachsen. KN95-Masken kosteten etwa ein Siebentel des Herstellerpreises echter FFP2-Masken. Bund und Länder haben die KN95-Masken jedoch ausdrücklich als geeignete Schutzmaske für den Einkauf und im ÖPNV erlaubt.

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Die dünneren OP-Masken sind ebenfalls erlaubt, haben aber nicht so eine hohe Schutzwirkung wie FFP2-Masken. Sie sind für den Einmalgebrauch gedacht.

Eine neue Art OP-Maske kommt aus den USA und wird im Internet beworben. Die Masken von Viral Protect seien waschbar und bestünden wie die anderen auch aus drei Lagen. Die mittlere könne aufgrund eines neuartigen Verfahrens Viren, Bakterien und Pilze inaktivieren, sie sei somit selbstinfizierend, heißt es beim Anbieter. Doch weder das Bundesamt für Risikobewertung, noch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte kann etwas zur Qualität der Masken sagen. Einziger Anhaltspunkt könnte hier nur das CE-Zeichen sein, das aber nichts über die Schutzwirkung aussagt.

Die preisgestützten Masken

Um vor allem Ältere und Menschen mit erhöhtem Risiko günstiger mit FFP2-Masken zu versorgen, sollen sie zweimal sechs Masken für insgesamt vier Euro Zuzahlung bekommen. Anspruchsberechtigte müssen dazu Bezugsscheine vorlegen, die die Bundesdruckerei an die Krankenkassen und privaten Krankenversicherungen versendet. Doch die Verteilung verzögert sich, wie Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus erklärt: „Die AOK Plus hat am 22. Januar die zweite Lieferung von Gutscheinen im Umfang von 320.000 Stück erhalten.“ Diese gingen ab Montag in den Versand.

Dabei würden zuerst die Versicherten beliefert, die älter als 75 Jahre sind, dann die Risikopatienten und zum Schluss die Über-60-Jährigen. Diese Reihenfolge habe der Verband der gesetzlichen Krankenkassen beschlossen. „Uns fehlen immer noch rund 500.000 Gutscheine bei insgesamt 1,3 Millionen Anspruchsberechtigten in Sachsen und Thüringen“, so Strobel. Auch Versicherte mit einer Zuzahlungsbefreiung müssten die Masken bezahlen, wenn sie nicht in die Risikogruppe fielen. Hier sei die Politik gefragt.

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Vorschläge gibt es bereits. So könnten medizinische Masken von der Mehrwertsteuer befreit werden. Die Abgabe müsse zudem organisiert werden, sagte CDU-Landeschef Kai Wegner. „Es darf nicht das Recht des Schnelleren am Drogerieregal gelten.“ Die Masken müssten für jeden erschwinglich und leicht zu kaufen sein. Der Sozialverband VdK fordert indes: „100 Euro sofort für Grundsicherungsempfänger, damit sie sich FFP2-Masken leisten können.“ Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte letzte Woche angekündigt, man müsse „natürlich auch darüber nachdenken, ob wir an der Stelle noch mal helfen müssen.“

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