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Sachsen nutzen zusätzliche Krankentage nicht aus

Eltern können im Lockdown länger bezahlt zu Hause bleiben. Doch viele nutzen das Angebot nicht. Das hat vor allem einen Grund.

Seit 5. Januar gibt es pro Elternteil 20 statt zehn Kinderkrankentage.
Seit 5. Januar gibt es pro Elternteil 20 statt zehn Kinderkrankentage. © Patrick Pleul/dpa

Dresden. Berufstätige Eltern, die ihre Kinder wegen coronabedingter Einschränkungen an Schulen und Kitas zu Hause betreuen müssen, können in diesem Jahr zusätzliche Kinderkrankentage beantragen. Die erweiterten Ansprüche haben aber nicht dazu geführt, dass die Leistung stärker genutzt wurde. Im Gegenteil. Im ersten Quartal stellten in Sachsen sogar weniger gesetzlich Versicherte einen Antrag auf Kinderkrankentagegeld als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das zeigen Auswertungen der großen Krankenkassen.

So sind bei der AOK Plus in den ersten drei Monaten rund 114.200 Anträge eingegangen – neun Prozent weniger als im gleichen Zeitraum vorigen Jahres. „Mehr als die Hälfte der Anträge war auf das neue Gesetz zurückzuführen“, sagt Sprecherin Hannelore Strobel.

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Pro Elternteil 20 statt zehn Tage

Seit 5. Januar können Eltern das Kinderkrankentagegeld nicht nur nutzen, wenn ein Kind krank ist, sondern auch, wenn die Präsenzpflicht ausgesetzt wird, Ferien verlängert werden oder es empfohlen wird, die Kinder zu Hause zu betreuen. Auch wer im Homeoffice arbeiten muss, kann die Leistung beantragen. Sie beträgt 90 Prozent des Nettoverdienstes. Zudem gibt es nun pro Elternteil 20 statt zehn Kinderkrankentage. Alleinerziehende bekommen 40 statt der üblichen 20 Tage. „Wir sehen einen sehr verantwortungsvollen Umgang mit den zusätzlichen Ansprüchen“, sagt Sven Hutt, IKK-Landesgeschäftsführer. Die Kasse verzeichnete im ersten Quartal ein Drittel weniger Anträge.

Auch bei der Barmer und der DAK ging die Nachfrage zurück, „wobei die Versicherten in den ersten sechs Wochen deutlich stärker von der Möglichkeit Gebrauch gemacht haben“, sagt DAK-Landeschefin Christine Enenkel. Ein möglicher Grund: Bis zum 15. Februar waren die Schulen und Kitas in Sachsen geschlossen. Die Analyse der Kassen zeigt aber auch: Eltern, die die Leistung 2021 beantragt haben, taten dies in der Regel für einen längeren Zeitraum als früher – bei der IKK Classic zum Beispiel im Schnitt für 5,3 Tage.

Was sind die Ursachen?

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Wieso Eltern die zusätzlichen Krankentage wenig nutzten, dazu machen die Kassen keine Angaben. „Kinder wurden lange privat betreut und hatten weniger Kontakte. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass sie weniger krank waren“, so Hannelore Strobel von der AOK Plus. Dr. Martin Völker vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen bestätigt das: „Es war ein untypischer Winter, das saisonale Infektionsgeschehen gab es praktisch nicht.“

Zudem steht Eltern, die ihre Kinder pandemiebedingt selbst betreuen müssen, laut Infektionsschutzgesetz eine Entschädigung zu. „Versicherte können in Absprache mit dem Arbeitgeber wählen, welche der Leistungen sie beantragen“, sagt Strobel.

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